almis personal blog

Awards-Season

That time of the year:

Wenn man Film und Filmpreise ein bisschen verfolgt, weiß man in vielen Fällen schon, was da ungefähr auf einen zukommen wird, an Nominierungen (morgen: die Oscars). Aber jeder wünscht sich insgeheim auch, dass es irgendwo eine Überraschung gibt, dass jemand nominiert wird, der einen total überzeugt hat, aber bei den bisherigen Awards und Nominierungen übersehen wurde.

Vor einigen Tagen hat sich auf X eine Fanbase von Tânia Maria gebildet, einer 79 jährigen brasilianischen Schauspielerin, die quasi vor sieben Jahr in diesem Job angefangen hat harhar. Filmkritiker Brian Rowe schreibt: “One of the most inspired shocker Oscar nominations that could happen (..) is Tânia Maria in Best Supporting Actress for The Secret Agent.” Und er hat recht. Kaum erscheint sie auf der Leinwand hat man das Gefühl, es mit einer realen Person zu tun zu haben. Einer schrulligen Südamerikanerin in Blümchenkleid mit Flip Flops, die permanent eine Zigarette zwischen Fingern hat. Sie spielt eine Pensioniswirtin für Menschen, die zu Außenseitern geworden sind, die vor irgendetwas oder irgendjemanden flüchten. Sie ist warmherzig, aber auch herb, sie nimmt sich kein Blatt vor den Mund, sie hat schon alles im Leben gesehen, nichts kann sie schockieren. Und es ist ihr komplett egal, was andere von ihr denken.

Die Chancen, dass sie nominiert wird, sind jetzt nicht wahnsinnig groß, das “Campaigning” für sie hat spät angefangen und sie ist auf keiner großen Prediction-Seite gelistet, wenn ich das recht überblicke. Andererseits hat The Secret Agent gerade ein enormes Momentum. Und in der Kategorie Beste weibliche Nebenrolle gibt es nur zwei sichere “Fixstarterinnen”, nämlich Teyana Taylor (One Battle After Another) und Amy Madigan (Weapons), wobei ich hoffe, dass Inga Ibsdotter Lilleaas (Sentimental Value), auch dabei sein wird, meine Lieblings-weibliche-Nebenrollen Performance dieses Jahr. Jedenfalls ist es aber eine Kategorie, die relativ volatil ist, in den anderen Kategorien sind meistens mindestens vier Plätze schon “sicher”.

Ich glaube, irgendwo recherchieren Journalisten zur Sicherheit schon, wann das früher mal passiert ist. Da kann ich helfen, das letzte Mal ist gar nicht so lange her, Andrea Risborough wurde 2023 out of the blue für To Leslie nominiert, da gabs damals aber eine Kontroverse. Auch Marcia Gay Harden in Pollock war bei den größeren Filmpreisen vor dem Oscar völlig ignoriert worden und gewann 2001 dann sogar. Soviel zu meinem unnützen Oscar-Wissen, harhar. Aber es ist doch auch mal schön, sich mit solchen sinnlosen Dingen zu beschäftigen.

Ich würds ihr jedenfalls gönnen.

Deine kalten Hände

Deine kalten Hände, das Buch von der Nobelpreisträgerin Han Kang, habe ich in zwei Tagen ausgelesen. Ich bin sehr begeistert davon.

Es geht um den Bildhauer Jang – meine neuen Themenschwerpunkte dieses Jahr offenbar: Asien und bildende Kunst – der aufgrund der Erfahrungen in seiner Kindheit, den Menschen hinter ihre “Fassaden” schauen will. Er hatte irgendwann bemerkt, dass seine Eltern das eine sagen und das andere tun, Lachen, wenn es nicht zu lachen gibt, und Weinen, wenn ihnen gar nicht danach ist, sondern nur, wenn es angebracht erscheint. Das erschreckte ihn und machte ihn fassungslos: “Was andere für echt hielten, zweifelte ich hartnäckig an.”1

Ich liebe dieses Cover

Dieser Wunsch spiegelt sich in seiner Kunst wider. Er arbeitet mit Gipsmodellen, das heißt, er sucht Menschen, bei denen ihn gewisse Körperteile faszinieren und bitte sie, diese eingipsen zu dürfen, um damit ihre “Hülle” zu erforschen, aber auch ihrer Persönlichkeit auf den Grund zu gehen. Dabei empfindet er eine gewisse Ambivalnz: “Woher kam dieser Widerspruch, dass ich etwas gleichzeitig zu zeigen und zu verbergen suchte.”2

Bei der extrem übergewichtigen L. sind es ihre Hände, die ihn als erstes faszinieren. Und das ist auch das, was sein Leben ausmacht. Frauen, die er eingipst, sind ihm wie ein Rätsel, dass es zu lösen gilt. Gewisse äußerliche Merkmale sind nur das Symptom dafür, was sich in ihrem Inneren abspielt.

Wenn ich spürte, dass jemand etwas vor mir verbarg, enstand bei mir Sympathie und eine Art Faszination für die betreffende Person, und zwar umso stärker, je weniger fassbarer das Geheimnis war.3

Jetzt kann man natürlich nicht behaupten, dass das unkomlizierte Lebensgeschichten wären, die Jang zu hören bekommt. Es geht um “Binge Eating” und um Bulimie, es geht um chirurgische Eingriffe, es geht um fehlende (Selbst)akzeptanz, die mit körperlichen Komponenten, die mit Mangel- oder auch Überfüllezuständen zu tun haben. Und natürlich liegt hinter all dem eine immer sehr tragische Geschichte. Tatsächlich geht es immer um die Seele, auf deren Grund Jang, der selbst ziemlich zurückgezogen lebt, gelangen will. Über L. vermerkt er einmal: “Plötzlich hatte ich das Gefühl, dass L. mein anderes Ich sein könnte, das ich vielleicht irgendwann vor langer Zeit in meiner Kindheit verloren hatte.”4

Was für ein Satz! Ich musste an jemanden denken, wie so oft, an so inspirierende Gespräche. Jedenfalls fand Deine Kalten Hände wirklich sehr spannend zu lesen. Obwohl ich, laut einigen Rezensenten, nicht die Zielgruppe dieses Romans bin, ich habe mit meinem Körper tatsächlich noch nie ein Problem gehabt, aber wie Jang habe ich mich immer schon sehr dafür interessiert, hinter die “Hüllen” zu blicken, auch hinter meine eigene.

Han Kang bekam den Nobelpreis übrigens für “„für ihre intensive poetische Prosa, die historische Traumata anspricht und die Zerbrechlichkeit menschlichen Lebens aufzeigt”.


  1. Deine Kalten Hände, Seite 86 ↩︎
  2. Seite 92 ↩︎
  3. Seite 222 ↩︎
  4. Seite 116 ↩︎

Showing Up

Wie schon kurz erwähnt, habe ich mir während der kleinen Kelly Reichardt-Retrospektive im Stadtkino ihren Film Showing Up angesehen.

Es geht hier um die recht introvertierte bildende Künstlerin Lizzy (Michelle Williams), die sich auf eine kleine Vernissage vorbereitet. Ein paar Tage in ihrem Leben werden porträtiert, das zwischen Erwerbsarbeit im Büro – sie arbeitet für ihre Mutter im administrativen Bereich der Kunstuni – dem täglichen Chaos mit ihrer Vermieterin und Freundin Jo (Hong Chau), die ebenfalls Künstlerin ist, einer verletzten Taube, sowie dem “Crashout” ihres Bruders Sean (John Magaro) und die Gespräche mit ihrem Vater (Jude Hirsch) oszilliert.

Kelly Reichardt ist bekannt für ihr sehr, sehr kontemplatives Tempo des Filmemachens. Sie nimmt sich ganz viel Zeit dafür, im Grunde genommen ziemlich wenig zu erzählen. In ihrem letzten Film The Mastermind hat das vor allem wegen Josh O’Connor funktioniert. Showing Up aus dem Jahr 2022 hat da schon mehr interessantes Personal und hat so einen schönen leisen Witz, dass mich dieser Film wirklich einfach nur glücklich gemacht hat, harhar.

Nämlich, was ich so toll daran finde. Sie stellt diese Art von Künstler-Community dar, die man eh schon irgendwie “kennt”. Leicht neurotische, sonderbare, oft auch depressive Menschen, die sehr viel Nabelschau betreiben und sich auf gewisse Weise für den Mittelpunkt der Welt halten. Aber sie tut das nicht, wie man es auch kennt, auf so eine sehr überzeichnete, karikatureske Art und Weise, sondern Reichhardt hat ganz viel Verständnis für ihre Figuren, ohne ihre manchmal auch überbordernde Schrulligkeit und Selbstgerechtigkeit dabei zu sehr zu “entschuldigen”. Es gibt eine sehr tolle Szene, in der sich Lizzi bei Jo beschwert, dass das Warmwasser in ihrer Wohnung sein Tagen nicht funktioniert, und sie sich doch gerade auf ihre Ausstellung vorbereitet. Jo hängt inzwischen einen Autoreifen an einen Baum, warum wird nicht erörtert (ist das auch ein Kunstprojekt?) schaukelt und erklärt Lizzi, sie hätte gerade so viel zu tun, sie habe sogar zwei Ausstellungen “which is insane!”. Die ganze Szene hat irgendwie so eine unaufdringliche Komik und Hong Chau mag ich so gerne, sie hat so viel Charisma, gleichzeitig denkt man aber auch, jetzt nimm dich halt nicht so wichtig harhar.

Auch Michelle Williams mag ich sehr, finde aber besonders erstaunlich, wie sie hier agiert. Als komplett graue Maus, mit einer recht eigenwilligen Auffassung von Mode, fast ganz in sich gekehrt, aber total glaubwürdig. Man könnte ihr hier stundenlang zuschauen, wie sie ihre Keramik bemalt, keine Ahnung warum das irgendwie interessant ist, aber es hat etwas mediatives. Im gleichen Jahr hat Williams übrigens in The Fabelmans für mich überraschend furchtbar gespielt und nachdem ich jetzt Showing Up gesehen habe, der unmittelbar vorher gedreht wurde, bin ich überzeugt, dass wirklich sehr eigenartige Regieanweisungen von Steven Spielberg gekommen sein müssen, weil sie kann spielen.

Showing Up jedenfalls ist ein wunderschöner kleiner Film, der viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

Eternity

Einer der Filme, die ich am Wochenende gesehen habe, war Eternity.

Die Prämisse ist total interessant. Das alte Ehepaar Joan und Larry stirbt fast zeitgleich und trifft sich in einer Art Vorzimmer des Himmels wieder. Dort wartet aber schon – seit 67 Jahren – Joans erster Ehemann Luke, ihre große Liebe, mit dem sie aber nur kurz verheiratet war, bevor er im Korea Krieg getötet wurde. Er möchte mit ihr die Ewigkeit verbringen, genauso wie Larry, mit dem sie eine große Familie hat. Joan muss sich nun nicht nur für ihre persönliche Ewigkeit entscheiden, sondern auch, mit wem sie den Rest ihres äh Todes zusammensein möchte…

ACHTUNG IMMENSE SPOILER

Zunächst mal fand ich es sehr lustig, dass der Vorraum oder das Hotel zur Ewigkeit – früher nannte man es Fegefeuer harhar – durch und durch kommerzialisiert ist und den Gesetzen unserer kapitalistischen Gesellschaft folgt. Wie bei Netflix gibt nämlich eine schier endlose Auswahl an “Programmen”, die recht marktschreierisch beworben werden, wie man weiterexistieren kann. Es gibt auch einen Afterlife Coordinator. Man kann einen immerwährenden Strandurlaub ebenso wählen wie eine Holzhütte am Berg. Man kann auch etwas extravaganter sein, etwa die Ewigkeit im Museum verbringen oder, meine absolute Lieblingsidee, in der “Weimar World”. Also im Deutschland der 1930er Jahren, aber ohne Nazis, wie betont wird harhar.

Der Film ist irrsinnig kreativ im Set-Design und er hat so viele originelle Ideen, dass man in zahlreichen Szenen weiß, man versäumt jetzt auch einiges, weil man sich nicht auf alles gleichzeitig konzentrieren kann. In jeder Welt gibt es auch die sogenannten “Archives”. Das ist so etwas wie ein Kino der eigenen Vergangenheit. Hier kann man einen Spaziergang machen und die Meilensteine des Daseins, beispielsweise sein erstes Date oder die Geburt eines Kindes nocheinmal erleben. Schön ist auch, als Joan (Elisabeth Olsen) einmal (verbotenerweise) hinter die Kulissen blickt und da die eher traumatischen Aspekte ihres Lebens nochmal aufflackern sieht. Also das, was man mehr oder weniger erfolgreich verdrängt hat.

Weniger gelungen fand ich die Geschichte an sich, oder sagen wir so, das fand ich insgesamt fast etwas zu konventionell. Auf letterboxd schrieben manche: Where is Luca Guadagnino when you need him? In Anspielung darauf, dass Guadagnino im Film Challengers quasi eine Dreiecksbeziehung zwischen zwei Männer und einer Frau schildert, die tatsächlich in alle Richtungen geht harhar. Das würde das Problem vielleicht wirklich lösen.

Während des Films habe ich eine Theorie entwickelt, die aber entweder falsch ist oder bewusst nicht auserzählt wird. Wenn man hier stirbt, kommt man nämlich in dem Alter seines Lebens zurück, in dem man am glücklichsten war. Was ja in gewisser Weise ein Indikator für Joans Entscheidung sein könnte. Das bemerkenswerte ist, dass Joan (Elisabeth Olsen) anfangs übel ist, und sie sich noch darüber wundert, dass man das als Tote auch erleben kann. Ungefähr eine Stunde später erzählt dann Clark (Miles Teller), dass er sich immer als “Trost” empfunden hat und es wenige Momente gab, in denen er wirklich das Gefühl hatte, sie wären eine Einheit gewesen. Einer davon war bei einem Abendessen in eine Restaurant, als Joan gerade mit dem zweiten Kind schwanger war. Ha! Übelkeit, nicht? Aber wie gesagt: es wird nicht aufgelöst.

Auch sonst regt Eternity sehr zum Nachdenken an. Vielleicht hat man selbst den Traum, irgendwie ewig zu existieren, aber wäre das möglicherweise vielleicht auch auf Dauer einfach auch sehr, sehr fad? Harhar. Einmal ein erfrischend anderer Ansatz.

ESC: Goodbye Conchita

Heute habe ich erfolglos versucht, Karten für den ESC zu ergattern.

To be fair: Ich hätte darüber enttäuschter sein können. Der ESC hat für mich derzeit eine Ambivalenz, die ich gar nicht mag. Und ich hoffe, das gibt sich, sobald die ersten Vorentscheide (San Remo!) stattfinden und wir wieder über etwas anderes reden können, als wer wem böse ist und wer jetzt noch welches Virtue Signalling betreiben muss.

Conchita Wurst hat heute in einer sehr kryptischen Social Media Message, die man so oder so finden kann, erklärt, dass sie sich vom ESC als Ganzes zurückzieht. Der Songcontest, so Wurst, würde immer ein Teil ihrer Vergangenheit bleiben, aber nicht mehr ihre Zukunft sein. Genaue Gründe nennt sie nicht, Fragen dazu will sie nicht beantworten und so bleibt natürlich massiver Raum für Spekulation.

Hat es etwas mit Israel zu tun (was ich nicht hoffe) oder damit, dass sie gerüchteweise nicht moderieren “darf” oder ganz was anderes? Wir werden es eventuell nie erfahren. Aber es ist halt schon ein Statement, wenn der ESC gerade heuer in Wien stattfindet, und sie letztes Jahr noch auf allen ESC-Hochzeiten getanzt hat (nämlich auch bei anderen Vorentscheiden mitgemischt hat, etcetera) und nun kommt so eine doch finale Aussage. Wozu? In dieser Endgültigkeit war das nicht notwendig. Das hat ja schon fast den Vibe von der großen Geste a la: “Ich verlasse Twitter.”

Conchita hat natürlich jedes Recht dazu, klar, aber ein bisschen kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass jemand, den dieser Bewerb berühmt gemacht und auch das Konto ganz gut gefüllt hat, vielleicht ein wenig behutsamer mit der Institution an sich umgehen hätte können, gerade in einer Zeit, die für den ESC eh, vorsichtig formuliert, ein bisschen Orsch ist. Zumindestens wenn einem der ESC was bedeutet.

(Almi mad as hell, harhar, nein so schlimm ist es auch nicht, aber ich muss auch nicht alles super finden)

The Magic of Cinema

Heute Nacht wurden die Golden Globes verliehen.

Ich habe es mir nicht angeschaut, einerseits, weil es nirgends übertragen wurde harhar, aber auch, weil ich die Befürchtung hatte, mich nur ärgern zu müssen, weil viele Schauspieler sich nicht an dem orientieren, was Ricky Gervais in seiner wirklich genialen Anmoderatorin der Globes 2020 zu den Anwesenden gesagt hat: “If you do win an award tonight, do not use it as a platform to make a political speech. You’re in no position to lecture the public about anything. You know nothing about the real world. Most of you spent less time in school than Greta Thunberg” harhar, immer wieder grandios.

Sehr schön fand ich aber dann heute die Rede von Stellan Skarsgård, der sich daran gehalten hat und trotzdem oder deswegen etwas wunderbares gesagt hat. Skarsgård wurde in der Kategorie “Bester Nebendarsteller” für meinen Lieblingsfilm 2025, Sentimental Value, der übrigens auch der Lieblingsfilm von Paul Thomas Anderson war, ausgezeichnet. By the way habe ich heute den Nachbarn getroffen, der auch viel ins Kino geht und er meinte zu mir, er würde ja nie im Kino weinen, aber jetzt hat er Sentimental Value gesehen harhar…na jedenfalls sagte Skarsgård, er freue sich, dass so ein kleiner norwegischer Film, ohne viel Geld für Marketing hier vertreten ist und ihn so viele sehen. Außerdem:

“And hopefully, you’ll see it in a cinema. Because they are an extinguished species now. In a cinema, where the lights go down and eventually you share the pulse with some other people. That’s magic. Cinema should be seen in cinemas”

Hach ja, wie schön schnüff. Solche Reden wollen wir hören, genau solche.

Ugo Rondinone

Aus der Rubrik: Künstliche Aufregung meinerseits.

Vor kurzem hat eine Schauspielerin, die ich noch aus Beverly Hills 90210 kenne, auf Insta folgendes gepostet:

Ihr Mann steht da offenbar in einer Art Park bei Las Vegas, der nennt sich Seven Magic Mountains. Und ich denke mir: erstens wow diese Exponate wirken toll in der Wüste und zweitens: Oida das schaut aus wie der Vienna Mountain im Andre Heller Park:

Der Vienna Mountain bei Nacht im Andre Heller Park

Ich so im ersten Augenblick, was für eine Frechheit, was für ein Plagiat, wie unverfroren – und dann, nach einer Minute Rage meinerseits, habe ich den Künstler gegoogelt, es ist, Ugo Rondinone. Also in beiden Fällen ähm. Sorry, nur ein Selbstplagiat. Harhar Scherz! Eine Neuinterpretation.

Und wenn ich schon beim Heller Park bin, liebe Stadt Wien ein paar Hinweisschilder oder Durchsagen mit Hinweis auf die neue Touristenattraktion im Bus wären schon cool, weil ich jetzt schon mehrfach von orientierungslosen Interessierten nach dem Standort gefragt wurde. Ich mein, es ist halt echt am A…der Welt.

Ich geh jetzt öfters Abends hin zum “Auszittern”. Es ist wirklich enorm friedlich. Weil ich denke immer noch an jemanden.

Filmausblick 26

Der am meisten erwartete Film 2026, für dessen Premiere schon vor Monaten Karten verkauft wurden und dessen Trailer bereits veröffentlich wurde, ist mit Sicherheit The Odyssee von Christopher Nolan. Ich mag die Filme von Nolan sehr. Die Odyssee an sich interessiert mich eher so mittel. Nach dem Trailer denke ich mir: Naja. Aber exakt so ging es mir mit Oppenheimer auch. Physiker, die sich drei Stunden unterhalten, dazwischen ein paar Atombombentests. Puh, ich bin Geisteswissenschaftlerin harhar. Aber letztendlich wurde Oppenheimer mein Lieblingsfilm 2023. Weil Nolan eben immer was anderes draus macht, als man im vorhinein glaubt und es ist immer gleichzeitig spannend und aber auch anspruchsvoll.

Pia Reiser und Christian Fuchs sind auch bissi skeptisch, finden aber die Besetzung super. Da muss ich ehrlich sagen, das trifft bei mir leider auch nicht zu, harhar. Ich werde mit Robert Pattison und Anne Hathaway einfach nicht warm. Auf X hat jemand geschrieben: “They would not be speaking English if it were Mel Gibson.” Das ist richtig, in The Passion of the Christ wurde bekanntlich Latein und Aramäisch, toten Sprachen also, mit lebenden Akzenten gesprochen harhar.

Einen neuen Film gibt es auch von Steven Spielberg, den letzten mochte ich leider gar nicht. In Disclosure Day geht es um Außerirdische, auch hm. Aber hier spielt Josh O’Connor mit, yeah! Alejandro G. Iñárritu kehrt ebenfalls zurück, nach dem echt schrecklich prätentiösen Bardo, wo ich über die ersten 20 Minuten nie hinausgekommen bin. Die Hauptrolle in Digger spielt Tom Cruise. Relativ bald sehen wir den euphorisch besprochenen Marty Supreme mit Timothee Chalamet, und es geht um einen Tischtennisspieler. Auch so eine Prämisse, wo ich mir denke, okaaay. Aber neugierig bin ich sehr.

Außerdem gibt es einen quasi Nachfolger zu The Social Network. Wo man sich schon dachte, dieser Film würde uns etwas Unverfilmbares erzählen, gilt aber bis heute als “groundbreaking”. Der Falter schriebt damals, die Geschichte um Mark Zuckerberg und seine Weggefährten “bläht sich ein bissl über Gebühr als Königsdrama auf” (ich liebe solche Formulierungen), würde aber ansonsten überzeugen. Das Problem bei The Social Reckoning ist vielleicht, dass nicht mehr David Fincher Regie führt, sondern der Drehbuchautor Aaron Sorkin selbst. Ein zweiter Spinoff, wenn man so will ist The Adventures of Cliff Booth, und hier führt interessanterweise dann eben Fincher Regie, statt Quentin Tarantino. Wir erinnern uns, Cliff Booth (Brad Pitt) kennen wir aus dem Tarantino Film Once upon a time in Hollywood. Und auch hier bin ich etwas misstrauisch – boah ich bin heute anstrengend harhar – weil Nebencharaktere oft nicht optimal als Protagonisten funktionieren.

Ich persönlich freue mich sehr auf Father, Mother, Sister, Brother von Jim Jarmusch – es wird btw. auch eine Retrospektive im Metrokino zu Jarmusch geben. Auf Wuthering Heights von Emerald Fenell, vor allem, weil ich ihren Vorgängerfilm Saltburn so toll fand. Und auch auf Is This Thing On? von Bradley Cooper über einen Standup Comedian, sowie Blue Moon von Richard Liniklater.

Aber natürlich wird es noch viele andere Perlen zu entdecken geben, von denen wir jetzt noch gar nichts ahnen, aufregend.

Willkommen

Heute habe ich M. geschrieben, ich mag den 1. Jänner nicht besonders. Und in manchen Jahren noch weniger als in anderen.

Im Moment fühle ich mich wie Austin Powers, der versucht, mit diesem kleinen Transportfahrzeug in einem engen Gang zu reversieren, immer ein bisschen vorwärtsfähren und lenken, und dann wieder rückwärts wieder lenken und das macht er ein dutzend mal und es ändert überhaupt nichts. So fühlt sich mein Leben manchmal an, harhar.

Es stimmt nicht ganz. Ab und zu habe ich das Gefühl, ich habe nicht nur unzählige Fragen, sondern auch so manche Antwort oder, wenn ich gerade keine habe, ist es mir im Grunde egal. Aber dann kommt wieder der Backlash und ich wache auf und denke: Habe ich eigentlich überhaupt irgendwas verstanden? Vielleicht muss es so sein, wenn man schreibt oder man schreibt, weil es so ist. Insofern freut euch auf 365 (oder so) neue Blogeinträge, in denen ich darüber berichte, was ich alles nicht weiß, harhar.

Eingang zum Andre Heller Park – Willkommen zum Auszittern, wie Heller selbst es nennt

M. antwortete mir dann, sie konzentriert sich am 1. nicht so auf die Vergangenheit, sondern auf die Zukunft, wo alles noch vor einem liegt und deshalb alles möglich ist und manchmal ist es so einfach, ein Perspektivenwechsel und alles fühlt sich ein bisschen leichter an. Danke!

Wie David Lynch sagte: I am wearing my sunglasses today, cause I am looking at the future and the future looks bright.

In diesem Sinne!

Uncut hat gewählt

Die Uncut-Redaktion hat gewählt, hier sind unsere besten Filme des Jahres 2025 zum Nachlesen.

Meine persönlichen Top 10:

Wie ich schon bei unserem Uncut-Treffen bemerkt habe, sind viele Redaktionsmitglieder große Horrorfans, deshalb liegt Sinners in der Gesamtwertung bei uns ganz vorne, bei mir immerhin auch noch auf Platz 4. Auf meiner Liste findet sich heuer kein österreichischer Film, leider, obwohl ich einige gesehen habe. Dafür zwei norwegische, zwei deutsche und ein spanischer Film.

Ich habe mich letztendlich für Sentimental Value entschieden, als der Film meiner Top 5 – die alle großartig und echt in meiner Gunst sehr nahe beisammen sind – weil er mir am meisten dieses Gefühl vermittelt, wonach ich mich bei einem Film (und btw. auch im Leben) sehne: Die Abbildung des Nebeinenanders von Tragik und Lebensfreude, von Schmerz und von den Momenten des Glücks.

Am Ende bleibt ein Gefühl einer Hoffnung, auch wenn sie noch so klein und diffus ist, diese Gewissheit, eine schwierige Situation meistern zu können, immer wieder einen Grund haben, morgens aufzustehen und sein Leben zu leben. Das zu Bittere und Resignative versuche ich in meinem Leben zu vermeiden und so auch im Kino.