Eigentlich wollte ich heute mein Review zu dem Film vom Freitag If I Had Leg I’d Kick Vou schreiben, aber an einem Punkt habe ich so viel über etwas anderes geschrieben, dass ich einen extra Eintrag machen muss, weil ich mich so aufgeregt habe, harhar.
Im Film geht es ja um eine Mutter mit einem kranken Kind, das teilweise per Sonde ernährt werden muss. Was das Kind genau hat, das wird nie ganz klar. Aber es gibt ein Gespräch zwischen einer Ärztin und der Mutter, das mich so sehr an ein Gespräch mit einem Arzt und mir erinnert hat, als mein eigenes Kind gerade so neun Monate alt war und das in der “Entwicklungspsychologischen Ambulanz” stattfand. Also auf deutsch: Der Arzt war dafür da, mit mir zu besprechen, wie die Prognosen so sind.
Die ganze Atmosphäre war irgendwie seltsam und die Untersuchung fand ich sehr grob. Jedenfalls fielen am Ende so Sätze wie “Er wird vielleicht nie gehen können.” “Er wird nie eine normale Schule besuchen” und ähnliches. Und das sei halt so, wenn ihm drei Monate im Bauch fehlen, das kann ihm niemand mehr geben und so weiter. Da bin ich dann ein bisschen narrisch geworden, weil was konnte ich daran jetzt noch ändern? Mir war schon klar, was für Folgen eine Extremfrühgeburt theoretisch haben kann, da brauche ich nur googlen, und ich habe auch viel gegoogelt; und ich war nicht so naiv, dass ich das nicht wahrhaben wollte.
Aber es ging darum, das Kind auch anzuschauen, dieses eine individuelle Kind, das jetzt gerade in diesem Raum ist. Und mir dann zu sagen, das Baby sei so aufgeregt und das seien “reifgeborene” Babys nicht, also sorry allein das war ja schon extrem unglaubwürdig. Ich habe dem Arzt dann mitgeteilt, dass er bei einem Baby, das neun Monate alt ist und wo Befund-technisch alles im Rahmen ist, keine (schlechte) Prognose auf sechs Jahre abgeben kann.
Jedenfalls habe ich danach sowohl mit “unserer” Krankenschwester und auch mit der Physiotherapeutin gesprochen und beide sagten mir, es gäbe viele Beschwerden über den Arzt von Eltern, aber er sei halt so eine Koryphäe. Und da dachte ich, vielleicht verwendet man den Begriff als Hilfsausdruck oder Immunisierung, wenn im Grunde ziemlich viel schief rennt. Weil es mag schon sein, dass dieser Arzt im stillen Kämmerlei gut arbeitet, aber wenn sein Jobprofil zu einem gewissen Prozentsatz auch aus Elterngesprächen besteht, dann muss er auch kommunzieren können. Und zwar nicht so, dass Eltern, die eh schon monatelang durch eine gewisse Art von Hölle gegangen sind (und da waren wir eh noch im harmloseren Bereich, denke ich), sich nachher noch schlechter oder hoffnungsloser fühlen.
Weil was wäre passiert, hätte ich ihn ernst genommen? Ich hätte mir vielleicht jahrelang Sorgen über die Entwicklung meines Kindes gemacht, wäre zum Helikopter mutiert, hätte ihn dauernd in Panik beobachtet, gestresst oder whatever. Und letztendlich wäre das alles umsonst gewesen, weil ich ja im Endeffekt diejenige war, die recht behalten hat, das kann ich ja jetzt wohl mit Fug und Recht feststellen. Insofern kann ich kritische Betrachtung von ärztlichen “Meinungen” immer nur empfehlen.