almis personal blog

Sowieso und überhaupt

Heute war ich bei der Pressevorstellung der Nöstlinger Dokumentation Sowieso und Überhaupt. Fast wäre ich zu spät ins Filmhaus gekommen, weil die S-Bahn, die an sich wieder bis zum Praterstern fährt, einfach fast 20 Minuten Verspätung hatte, ich sags euch.

Letztendlich ist es sich aber doch noch ausgegangen und ich konnte sogar noch ein Foto von mir machen – nein, das war am Rückweg.

Die Röcke werden länger und bald sind wieder Hosen angesagt, aber heute noch nicht

Ich weiß jetzt gar nicht, ob ich schon was dazu sagen darf, ein Embargo habe ich nicht unterschrieben, aber eines kann ich zumindest verraten, Christine Nöstlinger erzählt in diesem Film in einem Interview, dass sie, Jahrgang 1936, in der privilgierten Situation war, von ihren Eltern nicht geschlagen zu werden, was damals eher eine Seltenheit war.

Da habe ich mir gedacht, mein Papa, Jahrgang 1941, wurde auch nie geschlagen, meine Großeltern, bei denen ich dann ja auch zum Teil aufgewachsen bin, haben Gewalt immer komplett abgelehnt. Öfters hat mir meine Oma, Jahrgang 1919, die Geschichte erzählt, als sie in der Volksschule war und den Federstiel, mit dem damals geschrieben wurde, gespalten hat, weil sie krank war, als der richtige Umgang damit gelehrt worden war. Daraufhin hieß es trotzdem “Hände auf die Bank” und sie wurde mit dem Rohrstab ja, verdroschen. Sie hat das dann am Abend ihren Eltern gesagt, aber es war ja damals quasi “üblich” und viele Eltern fanden das auch okay so, dass Lehrer diese “Erziehungsmethoden” anwendeten. Nicht so ihr Vater, mein Urgroßvater. Der ging am nächsten Tag in die Schule, hatte sich extra einen Anzug angezogen, suchte den entsprechenden Lehrer auf und sagte ihm, wenn er bei meiner Oma nochmal den Rohrstab einsetzt, werde er ihn anzeigen. Und meine Oma war so gücklich und stolz auf ihren Papa, dass der einfach so in die Schule marschiert ist und sich das im Niederösterreich der 1920er Jahren getraut hat. Sie wurde tatsächlich nachher niemals wieder geschlagen.

Und auch wenn meine Familie so als gesamtes ähnlich kompliziert war, wie jede andere Familie, muss ich doch sagen, eine Gewaltradition gab es in direkter Linie nicht, wenn wir jetzt einmal von den Giftmördergeschichten in den Nebenlinien absehen hahar.

Wie schön ist der Himmel überm Spittelberg und der Spittelberg selber?

So, erfolgreich das Geheimnis um den Film bewahrt harhar, mehr dann bald bei Uncut.