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Bel Ami

Bel Ami, der Roman von Guy de Maupassant aus dem Jahr 1885 hat Klaus Mann quasi in Vorbereitung auf seinen Mephisto gelesen. Es gibt tatsächlich zahlreiche Parallelen, aber auch Unterschiede – der prägnantes ist vielleicht, dass es bei Bel Ami am Ende keine wie immer geartete “Läuterung” gibt.

Bel Ami kann als eine Art Schelmenroman bezeichnet werden. Es ist die Schilderung des Aufstiegs von Georges Duroy, einem aus bescheidenen Verhältnissen kommenden ehemaligen Soldaten, der zu Beginn fast mittellos in Paris lebt, einen schlechtbezahlten Job und ein heruntergekommen Zimmer mit Blick auf den Bahnhof hat. Eines Tages trifft er einen Bekannten vom Militär wieder, Charles Forestier, der reich geheiratet und Karriere bei der Zeitung La vie française gemacht hat. Hilfsbereit verschafft dieser Forestier Duroy einen Aushilfsjob bei der Zeitung und damit beginnt dessen Aufstieg. Nicht etwa weil er besonders fleißig oder talentiert in diesem Metier wäre (eher im Gegenteil), sondern, lets face ist: Weil er gut aussieht und sich regelrecht hochschläft. Das ist ja fast ein feministischer Roman, harhar. Den Spitznamen “Bel Ami” bekommt er übrigens von der Tochter einer seiner Geliebten.

Diese Tochter, Laurine, ist es auch, die Bel Ami quasi den einzigen Gewissensbiss verursacht. Das scheue Mädchen hat ihn liebgewonnen, mit ihm gespielt und konnte aus sich herausgehen. Sie erkennt aber quasi als Einzige und trotzdem sie noch ein Kind ist, den charakterlichen Verfall von Duroy, der sich irgendwann aus Eitelkeit als “Du Roy” selbst adelt und entzieht ihm daraufhin ihre Zuneigung. Und das fügt dem Protagonisten jenen Schmerz zu, den seine sonstigen Skrupellosigkeit nicht zu erzeugen vermag. Das kann allerdings auch daran liegen, dass in Bel Ami quasi jeder irgendjemand belügt, betrügt, hintergeht, ausnützt – und vor allem tun das die Journalisten, die als besonders schlechte Charaktere gezeichnet werden. Bel Ami ist nämlich auch eine scharfe Abrechnung mit dem sogenannten “unabhängigen” Journalismus, der viel mehr eine Partnerschaft zwischen Politik, Wirtschaft und Hochfinanz ist, nicht so wie heute, wo es sowas natürlich keinesfalls mehr gibt. Ironie off.

Der Roman ist aber überhaupt nicht moralinsauer, im Gegenteil. Er liest sich oft durchaus amüsant und kurzweilig, wenn wir Bel Ami zu den Festivitäten der sogenannten höheren Gesellschaft begleiten und sehen, wie lächerlich es dort zugeht. Einmal begleiten wir ihn sogar zu einem Duell. Das kennen wir ja schon von Schnitzler, im Prinzip ist die Sache immer komplett überzogen und in Das weite Land duelliert sich Hofreiter mit dem Geliebten seiner Frau, obwohl ihm diese und die Beziehung schon lange gleichgültig ist und er selbst genügend Affären hat. Bei Bel Ami geht es noch nicht einmal um eine Frau, sondern darum, dass ein anderer Journalist Duroy handwerkliche Mängel vorwirft, die er durchaus auch hat. Aber hier geht es nicht tragisch zu, hier stirbt niemand. Und ich habe ich etwas neues erfahren: Wenn beide bei einem Duell danebenschießen, ist es meist trotzdem beendet und die Ehre wiederhergestellt. Ich meine wie idiotisch ist das alles.1

In Bel Ami gibt es keine “Lehre” an die Leserinnen und Leser. Bel Ami kommt nicht nur durch, am Ende wird ein weiterer Aufstieg angedeutet. Als feinfühliger Rezipient wird man aber spüren, dass sein Leben trotzdem nur ein äußerlich erfülltes ist.

Bel Ami wurde bereits öfters verfilmt, unter anderem von Willi Forst2 im Jahr 1939, dessen Titellied alles aussagt: “Du hast Glück bei den Frauen, Bel Ami. Bist nicht schön, doch charmant. Bist nicht klug, doch sehr galant, Bist kein Held, nur ein Mann, der gefällt.”


  1. Ich muss da immer an Pension Schöller denke. In dem Stück, das von Hugo Wiener bearbeitet wurde, stellt der Protagonist (besonders berühmt die Fassung mit Maxi Böhm) seine eigenen Bedingungen für ein Duell: Hundert Schritte Entfernung. Schwere Säbel. Die Säbel dürfen nicht geworfen werden. Finde ich immer noch ur lustig.
    ↩︎
  2. Mein Opa wurde in jungen Jahren öfter mit Willi Forst verwechselt. Ich glaube, er hat sogar einmal ein Autogramm gegeben. ↩︎

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