almis personal blog

Die Woche bisher

Die Woche läuft gut soweit. Am Montag nach einem 10 Stunden Arbeitstag – der mit der Mail: “Du bist ein Wahnsinn, danke” belohnt wurde – habe ich Wer wird Millionär gesehen, wieder da, nach der Sommerpause. Ich schaue die Sendung tatsächlich schon seit 25 Jahren. Es war auch das erste mal in diesem Sommer, dass ich den Fernseher aufgedreht habe.

Und ich habe gleich etwas gelernt:

Wer wird Millionär vom 31.August 2026

Weil ich wusste zwar, dass es die Programmiersprache Python gibt, das Kind hatte das sogar als Themenbereich bei der Informatikmatura, aber ich hatte absolut keine Ahnung, dass der Name von Monty Python kommt. Ich habe immer an die Schlange gedacht. Und dieses Wissen gebe ich hiermit hier weiter.

Am Dienstag gab es ein Geburtstagstreffen mit M in Wien Mitte. Wir waren supergut asiatisch essen, leider habe ich kein Foto gemacht, weil wir so ins Gespräch vertieft waren und danach waren wir noch an der frischen Luft und haben uns einen Mango bzw. Orangen Spritz gegönnt. Ein total schöner Nachmittag.

Lässiges Chillen in Wien Mitte

Heute habe ich es dann ins Kino geschafft – wie ich Teenage Sex and Death at Camp Miasma fand, ein andermal, nur das: der Film ist ungefähr so verkopft wie sein Titel. Davor war ich aber noch in der Severingasse auf Lokalaugenschein. Und jetzt wird sich jeder denken, wie, was? Nun ja, diese Gasse spielt in meinem Roman eine Rolle und ich wollte sie mal wieder begehen.

Die mystische Severingasse am 2. September 2026

Ich habe dort einmal die Vorlesung Medizinische Psycholgie besucht haben, das Institut war damals in dem Backsteinhaus links. Ich habe sie als Wahlfach wegen meiner Dissertation ausgewählt, eigentlich war es eine Lehrveranstaltung für Medizinstudenten im zweiten Studienabschnitt. Ich habe mir gedacht, hm, wie werde ich als Geisteswissenschaftlerin da mithalten können. Und es ist tatsächlich eines der Dinge, auf die ich wirklich stolz bin, dass ich den Test mit der Note “Sehr gut” bestanden habe (ich hab auch ur viel gelernt, weil ich mich nicht blamieren wollte, harhar)

Die Gasse mag ich aus dem Grund, weil ich, als ich sie erstmal sah dachte, wow, die ist wie aus einer anderen Welt. Oder zumindest aus einem anderen Ort als Wien. Und ich frage mich bis heute, wieso ich das so empfinde. Sowas finde ich immer total spannend. Ich könnte über Straßenzüge, Gegenden und Häuser ewig nachdenken. Auch wenn ich (noch) keine Worte dafür habe.

Fremde

Belle Burden gelang, wie ich schon geschrieben habe, mit ihrem autobiografsich geprägten Roman über das Ende ihrer Ehe namens Fremde ein mega Bucherfolg in den USA, der heiß diskutiert wurde, weil Burden offen über ihr eigenes Leben schreibt. Burden entstammt selbst der berühmten (und reichen!) Vanderbilt Familie, ihre Großmutter war ein It-Girl ab den 1930-er Jahren und eng mit Truman Capote befreundet.

Die Handlung von Fremde setzt im März 2020 ein, als Burden mit ihrem Ehemann James (sein Name wurde geändert) und den zwei jugendlichen Töchtern – der ältere Sohn ist bei Freunden geblieben – vor dem New Yorker Lockdown in ihr Feriendomizil auf Marthas Vineyard flüchtet. Bereits wenige Tage später erhält sie dort den Anruf eines ihr unbekannten Mannes, der behauptet, seine Frau hätte ein Verhältnis mit James. James leugnet nicht, trennt sich sofort von Belle und reist ab. Entgegen meiner Befürchtungen ist die Pandemie hier ein Nebenschauplatz, und kommt vor allem als Faktor in Bezug auf die Isolation in dieser Ausnahmesituation vor. Eine Isolation, die gute und schlechte Seiten hat. Einerseits kann sich Belle zurückziehen und muss nicht unmittelbar Rechenschaft über die neue Situation ablegen, andererseits sind die Menschen, die sie unterstützen können, zumindest räumlich weit entfernt.

Wie schon bei Lena Dunham, der vorgeworfen wurde, in ihren Erinnerungen Adam Driver in Misskredit zu bringen, habe ich auch hier nicht den Eindruck einer Racheaktion. Und glaubt mir, ich würde es sagen, wenn es anders wäre, harhar. Es ist vielmehr der Versuch von Burden zu begreifen, wie es so weit kommen konnte. Wie ihr Mann, mit dem sie 20 Jahre glücklich verheiratet war, ein guter Mann und Vater, plötzlich ohne viel Erklärung aus ihrem Leben verschwinden konnte, als hätte sie nie eine Rolle gespielt. Diese Erkenntnis, die wahrscheinlich jeder von uns schon einmal hatte, einen anderen, besonders vertrauten Menschen plötzlich nicht mehr wiederzuerkennen, weil man seine Handlungen (oft in Bezug auf einen selbst) nicht verstehen kann. Burden gräbt in James’ Vergangenheit, versucht Traumata zu identifizieren, sucht die “Fehler” aber auch bei sich. Sie beschreibt die Reaktionen ihrer Umwelt: ihre Ärztin etwa meint, da Burden seit den Kindern nur noch ehrenamtlich als Anwältin arbeitet, dass nicht-berufstätige Frauen für Männer meist uninteressant werden. Und das ist auch so ein interessantes Phänomen, wenn man eine Trennung durchmacht, dass ganz viele Menschen einem ihre Lebensansichten und Glaubenssätze aufdrücken, die in der Regel nicht gerade hilfreich sind.

Einen beträchtlichen Teil des Romans nimmt auch das Eingehen auf finanzielle Aspekte ein. Gut, wir sind jetzt alle keine Vanderbilt Erben (harhar), aber es geht ums Prinzip. Burden hat auf Wunsch von James und gegen den Rat ihres Anwalts einen Ehevertrag unterschrieben, der besagt, dass das in der Ehe erwirtschaftete Geld im Falle der Scheidung bei der Person bleibt, die es verdient hat. Sprich: Die hohen Einkünfte von James gehören am Ende ihm allein. Burden selbst hingegen hat die gemeinsame Wohnung und das Haus großteils vom ihrem Erbe bezahlt und James trotzdem als Miteigentümer eintragen lassen, weshalb sie ihn nun auszahlen müsste, was ihren finanziellen Ruin bedeuten würde; dazu kommt es dann nicht, da James schließlich einlenkt. Trotzdem hat sie durch ihre Entscheidung große finanzielle Einbußen. Diese Entscheidungen, die aus Liebe und das Vertrauen in ein “happily ever after” getroffen wurden, das wir – sind wir uns ehrlich – an einem gewissen Punkt alle hatten, können einen im Zweifelsfall die Existenz kosten. Auch wenn es unromantisch klingt, über Geld zu sprechen, Burden erinnert uns daran, dass eine faire Einigung in den “guten Zeiten” wichtig wäre.

Fazit: Ein dicht erzählter Page-Turner, der zeigt, wie man als der Mensch, der “übrigbleibt” irgendwann in der Lage ist, das Tal der Tränen auch wieder zu verlassen. Allerdings ist es ein langer, schmerzhafter und oft schwieriger Weg, der mit sehr viel Selbsterkenntnis und Bewusstseinsarbeit einhergeht. Vor allem dem Bewusstsein, das Leben lieben zu lernen, auch wenn von nun an jemand fehlt.