Der bald 89-jährige Ridley Scott, bekannt für Werke wie Blade Runner, Alien oder Gladiator, der oft einen recht pessimistischen Blick auf die Welt und die Menschheit hat, hat einen post-apokalyptischen Film gedreht, der sich The Dog Stars nennt, zu “deutsch”: Das Ende der Sterne, nach dem Titel der Buchvorlage.
Der Mechaniker Hig (Jacob Elordi), ansässig in Colorado, ist einer der Überlebenden einer großen Pandemie, sein Hund Jasper immer an seiner Seite. Er hat sich mit dem Ex-Marine Bangley (Josh Brolin) zusammengetan, obwohl die beiden praktisch nichts gemeinsam haben, sie sind eine Zweckgemeinschaft in einer Welt, in der es kaum mehr Hoffnung gibt. Als Hig bei seinen Erkundungsflügen ein Funksignal erhält, glaubt er, dass es anderswo vielleicht eine bessere Zukunft geben kann…
SPOILER MÖGLICH
Man sollte sich von diesem Plakat nicht täuschen lassen. Jacob Elordi als Hig, eine Idealbesetzung für einen jungen melancholischen Mann, der vom Schicksal gezeichnet ist, steht zwar im Vordergrund mit dem Gewehr, er schießt aber tatsächlich, glaub ich, nie in diesem Film. Das macht hauptsächlich Josh Brolin, weil dafür wurde er typ-gecastet. Harhar. Aber tatsächlich wird in diesem Film überhaupt eher wenig gekämpft. Die Sache ist nur die: Wie nach Corona (natürlich die viel harmlosere Krankheit) stehen sich auch hier nach dieser Pandemie die Menschen sehr vorsichtig bis feindlich gegenüber. In diesem Fall, weil die Ressourcen schrumpfen, weil das Hab und Gut erobert oder verteidigt werden muss, weil es kaum eine Zukunft zu geben scheint.
Das Schöne an diesem Film ist, er ist über weite Strecke extrem langsam, fast elegisch erzählt. Hig fliegt mit seiner Cessna herum, die Natur hat Territorium zurückerobert, es ist, wenn man so will, die ganz große Entschleunigung eingetreten. Leider auch die ganz große Hoffnungslosigkeit. Denn die Überlebenden existieren zwar, aber viele andere Menschen scheint es nicht mehr zu geben und auch keine wirkliche Zukunft. Für Bangley reicht das, er will einfach nur irgendwie weiter leben. Da kann man reflektieren, was macht Leben eigentlich aus? Warum hängt man daran, wenn man fast alles verloren hat? Ist es genug, die Grundbedürfnisse zu erfüllen und kaum etwas darüber hinaus zu erleben, nur einen gewissen Status quo zu erhalten? Hig beschließt nein, lieber etwas wagen, anstatt weiterhin mit dem grantigen Bangley in halbwegs (!) sicheren Verhältnissen zu leben.
Mit seiner Reise nimmt der Film im wahrsten Sinn des Wortes Fahrt auf, es kommt für Hig nach einer Bruchlandung zur Begegnung mit Cima (Margret Qualley, die hier find ich ihrer Mutter Andie Mac Dowell sehr ähnlich sieht und wie immer super ist) und Pops (Guy Pearce, den ich nie erkenne, auch wenn ich ihn gut finde) und dann erlebt man zu dritt ein paar gefährliche und auch ein bisschen abartige Abenteuer und das ist ziemlich unterhaltsam, auf so eine Endzeit Art und Weise. Die tatsächliche Action – und ich bin kein großer Action Fan – ist mitreißend inszeniert und sieht nicht nach CGI aus. Eine Szene, die der Drehbuchautor der Buchvorlage eigenmächtig hinzugefügt hat, ist surreal und skurill, ich würde sie in diesem sonst ziemlich geerdeten Film nicht missen wollen.
Und nochmal ein extra Spoiler: Ridley Scott hat eine neue Botschaft für uns, und zwar wider Erwarten eine hoffnungsvolle. Wenn wir uns mit anderen zusammentun, und seien sie noch so gegensätzlich, wenn wir die Barrieren (auch in uns selbst) überwinden, dann sind wir stärker als alleine und auch glücklicher. Und das ist in Zeiten wie diesen gar nicht mal so banal wie man denken könnte.

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