Gestern habe ich zufällig das Ende einer Musicalübertragung aus Baden gesehen.
Ich mochte Musicals früher schon ganz gern, mag aber mittlerweile die klassischen Bühnenmusicals nicht mehr so sehr, weil sie inhaltlich oft ziemlich unterkomplex, auf der emotionalen Ebene aber oft übertrieben pathetisch sind. Für Filmmusicals habe ich dagegen immer noch eine kleine Schwäche, weil die oft das Genre ein bisschen mit Augenzwinkern kommentieren oder ganz arge Experimente machen – siehe zum Beispiel Emilia Perez, das glaub ich außer mir gar niemand mochte harhar.
Jedenfalls war der letzte Song gestern Let the Sunshine In aus dem Musical Hair.
Und da hatte ich plötzlich ganz viele Gedanken im Kopf, die ich hier ordnen will. Zum einen musste ich an meinen früheren, schon etwas älteren, schon etwas vergesslichen Musikprofessor am Gymnasium denken. Er hat mit uns jedes Jahr mehrmals denselben Stoff gemacht, das Genre Impressionismus gefiel ihm sehr gut, er ließ uns öfter diesselbe Seite im Buch aufschlagen und hat uns auch diesselben Fragen gestellt, aber weil sie niemand beantworten konnte, was angesichts der Redundanz recht peinlich war, fiel es ihm nicht auf. Sein Lieblingsmusical war offenbar Hair, weil wir sahen das Ende mehrmals. Und ganz ehrlich: Dieses Ende reißt dir dein Herz heraus und trampelt darauf herum und mir hätte das einmal auch gereicht.
Der Regisseur von Hair ist Milos Forman, der das schon schlimme Finale des Bühnenmusicals nahm und es für den Film noch grausamer machte. Danke für nichts! Harhar. Forman hat auch nette Filme gedreht, wie Valmont – ein eher satirischer “Take” des Gefährliche Liebschaften-Stoffes – ich habe mir mal die wichtigsten Verfilmungen angesehen und mit jemand wunderbare Gespräche darüber geführt. Aber Forman ist “leider” auch der Regisseur von Einer flog über das Kuckucksnest, einem der ganz wenigen Filme bisher, der die sogenannten Big Five Oscars gewonnen hat (Bester Film, Drehbuch, Regie und beide Hauptdarsteller). Und trotzdem will in diesen Film, für den übrigens auch Michael Douglas als Produzent ausgezeichnet wurde, nie wieder sehen. Der Film hat ein so bitteres Ende, das mir persönlich das Gefühl gibt, dass die Menschheit wirklich verloren ist und daran mag ich nicht glauben.
So, wo waren wir eigentlich, ah ja bei Let the Sunshine in (The Flesh Failures). Der erste Teil, The Flesh Failures nämlich, hat sehr seltsame, argen Zeilen wie: “Facing a dying nation” oder “Listening for the new told lies”, immer noch aktuell, wenn man Medien konsumiert, harhar. Aber dann wird das Böse, das Dunkle, das Grausame besiegt, durch die Liebe – eben: Let the Sunshine In! Als empowernde Botschaft. Bei Forman muss man sich da schon sehr bemühen, hier positiv zu denken, aber ansonsten macht das Lied schon was mit einem. Ist mir gestern auch wieder so gegangen.
So, das war jetzt eine kurze Assoziationskette.