almis personal blog

Lucky seven

Mein Kind ist gestern sieben geworden, ist es nicht unfassbar.

Die letzten Tage vor seinem Geburtstag war es Wien meist nasskalt & windig, gar kein Indian Summer. Das dämmte meine Melancholie ein, die ich hier schon öfters angesprochen habe, diese spezielle bittersüße Septemberwärme, die normalerweise herrscht, erinnert mich immer so sehr an die Tage vor Adrians Geburt in Bozen. Und sie macht mir oft auch Angst. Sie erinnert mich an die Verzweiflung, dieses Gefühl der absoluten Ohnmacht aufgrund der Gegebenheiten.

20140926_153126

Dieses Jahr war das Wetter kaum danach und außerdem haben wir eine Party hier bei uns im Hof gemacht, mit den Nachbarskindern, das hat mich die letzten Tage auch ganz gut abgelenkt. Es war einiges zu organisieren: Torten und Würstchen, Deko, Kuchenauflage, Gastgeschenke, Papierteller, Becher (wurden personalisiert), Servietten… außerdem fast stündlich den Wetterbericht checken, ob das wohl auch eine trockene Angelegenheit werden wird/ und stündlich war die Prognose eine andere…. Heute früh dann gleich Regen beim Aufwachen. GRUMPF! Don’t rain on my parade. Die Nachbarn so: wir kriegen das hin. Mach Dir keine Sorgen. #hausgemeinschaftsplüsch

Und dann, so ein Glück, es regnete von drei Uhr nachmittags an keinen Tropfen und um 18.45, als die Gäste aufbrachen, fing es plötzlich an. Perfektes timing. und ein schönes Fest war das. Unkompliziert. Die Kinder haben miteinander gespielt wie auch sonst jeden Tag. Wir Eltern haben uns unterhalten. Dafür bin ich dankbar. Und für die letzten sieben Jahre.

P.S. Ich habe auch endlich einen Vorteil der Frühgeburt gefunden, man kann draußen feiern. Am 4. Jänner hätte das wohl nie geklappt.

New routine

Jetzt befinden wir uns bereits in der vierten Schulwoche und der Alltag hat sich doch etwas verändert.

Ich arbeite im Moment wieder im home office. Nachdem ich zwei Jahre täglich in einem Archiv nahes des Kindergartens meine “Zelte” aufgeschlagen habe, weil dieser zuerst eine halbe Stunde Fahrzeit von Wohnung alt und dann eine dreiviertel Stunde von Wohnung neu entfernt lag, finde ich es derzeit sehr angenehm, von daheim aus zu arbeiten. Außerdem war ich in Favoriten sozial isoliert. Ich hatte kaum Kontakte, wenn ich nicht bewusst Treffen abgemacht habe. Es tat mir gut, neben anderen zu arbeiten.

Hier in Floridsdorf ist das anders. Wenn ich Adrian bei der Schule abgesetzt habe, treffe ich auf dem Heimweg minimum drei Familien aus unsrem Haus, die entweder auch gerade auf dem Weg zur Schule, auf dem Weg zum Kindergarten und/oder auf dem Weg zur Arbeit sind. Und am Nachmittag kann ich mich, wenn ich möchte, fast nonstop mit irgendjemand über die verschiedensten Themen (je nachdem) unterhalten. Oft gehen wir mit den Nachbarn sogar von der Schule nachhause. Oft, wenn das Wetter nicht mitspielt, habe ich 1-3 Kinder zu Besuch.

Nochmal zu Morgens: ich komme auf dem Heimweg auch an einer “Goaß” vorbei. Ich nenne sie so, da eine Nachbarin, die ursprünglich aus der Steiermark kommt, mir erstmals von ihr erzählt hat. Und diesen Ausdruck benutzt hat. Es riecht auf dem Heimweg stellenweise also sehr nach “Goaß” und manchmal meckert sie auch vor sich hin. Manchmal gehe ich noch in den Supermarkt, der auf dem Weg liegt, meistens sitze ich aber fünf nach acht schon am Schreibtisch – früher meistens erst gegen neun.

Ja, unsere Zeiten haben sich natürlich auch geändert. Ich stehe zwar eigentlich nur eine halbe Stunde früher auf als davor (jetzt kurz nach sechs), aber es läuft doch getakteter ab. In der Früh sind Jausenbox zu packen und Trinkflasche zu füllen. Nochmal Schultasche kontrollieren. Am Abend bin ich (zumindest derzeit noch) echt groggy. Manchmal schlafe ich schon beim Adrian zubettbringen ein, spätestens um zehn lege ich mich hin. An die schon-länger-Schulkindeltern: wird das nochmal besser?

Aber ich mag den neuen Alltag, und derzeit passt es auch so. Und wenn ich es anders möchte, packe ich mein Notebook ein, und arbeite anderswo.

Hausübung

Unser zwölfjähriges Nachbarmädchen heute zu mir: “Hat Adrian auch schon Hausaufgaben?”

Ich bejahe.

Sie: “Ja L.  (ihr Bruder, Anm. der Red.) hat mir erzählt, dass er auch schon Hausübung hat. Und weißt du, was sie als Hausübung haben? Etwas anmalen.” (lacht) “Anmalen. Das soll eine Hausübung sein?” (lacht wieder)

Tja, sechs Jahre nach der ersten Volksschulklasse sieht man die Welt schon wieder aus einem anderen Blickwinkel.

Glucksenmum

Am zweiten Schultag, also dem Tag, wo das Kind tatsächlich den ersten Unterricht hat, wollte ich mich nicht als Glucke outen. Es heißt ja, man darf die Kinder dann nicht mehr in die Klasse begleiten, sie sollen selbstständig werden usw.

Allerdings mussten wir an diesem Tag sehr viel Zeugs mitnehmen (riesige Schreibunterlage, Zeichenmappe usw) und das war zum Tragen doch schwierig, also hab ich mich zumindest in die Garderobe getraut. Bei dem allgemeinen Gewusel und Chaos dort um dreiviertel acht ist das nicht weiter aufgefallen. Während sich das Kind also umzieht, bemerke ich dutzende andere Eltern(teile) dort und, dass die Mutter neben mir Anstalten machen, ihre Tochter in die – “unsere” – Klasse zu begleiten. Ich frage sie also, ob wir heute denn noch in den Klassenraum mitgehen dürfen und sie “Also ich lasse mir das nicht nehmen, mein Kind in der ersten Woche noch zu begleiten.”

Puffff…von Glucke zu Rabenmutter in drei Sekunden (ich, die mein Kind einfach so reinschubsen wollte). Na ja, dann ging ich also auch mit rauf in die Klasse, wo schon zahlreiche andere Kinder mit ihren Eltern zugegen waren. Okaaaay. Bin wohl wirklich keine Glucke.

P.S. Gestern hat die Lehrerin dann alle Kinder von der Garderobe angeholt und ist mit ihnen in die Klasse gegangen. Das macht sich auch noch ein Zeiterl. Bis sie es dann alleine können. Find ich gut!

Schulbeginn

Möööp, gabs jemals schon mieseres Wetter zum allerallerersten Schultag als dieses Jahr? Permanenter Starkregen?

Eigentlich wollten wir ja mit unserm Erstklassler zu Fuß und ganz relaxt zur Schule wandeln, es sind ja an sich nur zehn Minuten, aber dafür wars eindeutig zu nass. Also runter in die Garage und unseren Nachbarn mit ihrer Schulstarterin einfach nachfahren. Und dann am mit den drei anderen Familien aus dem Haus mit ihren “Taferlklasslern” am Schulgang stehen und sich nicht auskennen. Witzig. Auch so ein angenehmes Flodo-Ding. Man kennt irgendwie alle.

tüte

In der Klasse dann wars sehr interessant zu beobachten, wie unterschiedlich Kinder sind. Wenn sie aufgerufen werden und etwas tun müssen. Da sitzen 25 wirklich einzigartige Personen und jeder reagiert anders und auf seine Weise. Es ist faszinierend.

Mit einer gewissen Genugtuung hat es mich erfüllt, als die Lehrerin eine Anweisung gab und Adrian als Einziger sofort Folge leistete. Was ihr auch auffiel. Nicht deswegen, weil ich eine Tigermutter bin, sondern weil ich in diesem Moment an Dr. XY denken musste, bei dem wir in den ersten Jahren Entwicklungsuntersuchungen hatten und der mir vor sechseinhalb Jahren (sic!) prophezeite, dass Adrian Schwierigkeiten haben würde, sich in einer Schulklasse zurechtzufinden. Weil es m.E. einfach ein Irrsinn ist, die Entwicklung eines Babys auf so lange Zeit vorauszusagen. Das müsste jemand, der sich hauptberuflich mit der Entwicklung von Kindern beschäftigt eigentlich auch so sehen. Meine Meinung.

Es war jedenfalls ein spannender, schöner Tag und unser neuer Erstklassler war sehr stolz und glücklich. Das Abenteuer kann beginnen!

Es herbstelt

In den letzten Tagen ist es in Wien wieder etwas sommerlich geworden, aber nachdem wir Ende August haben, herbstelt es gleichzeitig auch schon ein bisschen.

Ich mag den Alterweibersommer, sehr sogar, gerade weil er eine melancholische Zeit ist. Dennoch dachte ich, dass es dieses Jahr nicht mehr passieren wird. Ja sogar letzte Woche hab ich aufgeatmet und fest geglaubt, dass es nun aber wirklich vorbei ist. Doch es ist wieder geschehen: dieses Wetter, diese Luft, diese Sonneneinstrahlung – es triggert. Es ist schon sieben Jahre her, und dennoch fängt es wieder an, dieser gefühlte Countdown zur Frühgeburt. Dieses schleichende Gefühl, dass sich alles ändern wird, im Leben, wirklich alles. Nicht nur durch das Kind, sondern durch die Tatsache, wie es in unser Leben gekommen ist. Wie es in sein eigenes Leben gekommen ist. Ich wehre mich dagegen, jetzt sehr dünnhäutig und weinerlich zu werden, aber manchmal fällt mir das gerade ein bisschen schwer. Und das verwundert mich ehrlich, denn es ist ja alles gut. Und abgeschlossen.

Kürzlich hat meine Hebamme Geboren in Bozen gelesen und mir ganz tolles und persönliches Feedback gegeben. Unter anderem meinte sie, dass das Buch wie eine kurze Fortbildung für sie als Hebamme gewesen sein, weil sie auch quasi die andere Seite besser versteht, nämlich die der verzweifelten werdenden Mutter. Dabei war sie wunderbar, schon damals. Aber trotzdem freut es mich zu hören, dass man mein Buch auch auf diese Weise lesen kann, aus ihrer spezifischen Perspektive und vielleicht etwas erfahren, was man noch nicht wusste.

Tiergarten und Wackelzahn

Wir haben die letzte Ferienwoche und diesmal quasi so richtig, da ja am Montag die Schule beginnt. Da haben uns Adrian, Oma und ich mal einen schönen Tag im Tiergarten Schönbrunn gemacht.

Schon die Fahrt mit der S-Bahn gestaltete sich spannend. Beim Verzehr einer Leberkässemmel hatte Adrian nämlich plötzlich einen, bzw. den ersten, Wackelzahn. Ok, er saß wahrscheinlich schon vorher nicht mehr bombenfest, aber die Semmel gab wohl den Ausschlag, dass Adrian das auch so richtig merkte. Es war natürlich DIE Sensation und fortan wurde an dem Zahn gewackelt.

Bei den Giraffen, den Zebras, bei den Elefanten, den Pinguinen, Seelöwen, den Affen und im Regenwaldhaus. Dann wars schon bald eins und wir wollten Mittagessen. Was gar nicht mal so leicht war, da jedes Lokal innerhalb des Tiergartens heillos überfüllt (tolles Wetter eben, endlich mal). Wir bestellten und es hieß, das Essen würde eine halbe Stunde dauern. Adrian machte sich Sorgen. Mit dem Wackelzahn – übrigens unten mittig – würde er nichts essen können.

Es kam wie es kommen musste: Adrian nutze die etwas langweilige Warterei und zog sich selbst den Zahn. Es blutete ein wenig, er war unheimlich stolz und konnte dann auch ganz normal sein Würstel essen.

Nach dem Essen gings auf den Spielplatz, zu den Eisbären (schliefen), Löwen (schliefen) und zu den Krokodilen (waren nicht anwesend). Nach fast sechs Stunden verließen wir den Tiergarten. Oma lud dann noch auf ein Eis ein – die Zahnlücke musste auch mit Geschmolzenem konfrontiert werden – und ich weiß jetzt, dass es in Hietzing auch sehr leckeres Eis gibt.

Ein sehr schöner und aufregender Tag fürwahr.

I’ll be back

Jetzt wo die Zeit des Windelwechselns und aufs WC begleitens (großteils) vorbei ist, installiert mir mein Kind das Spiel “Talking Tom” auf dem Handy.

Zunächst habe ich mir nichts dabei gedacht, bis plötzlich mein Smartphone zu miauen begonnen hat. Und dann teilte mir Tom (ein Kater) mit, dass er dringend aufs Klo müsse. Ich habe das ignoriert. Seine nächste Meldung ein paar Tage später war folgerichtig: “Es ist mir egal, dann pinkle ich eben ins Wohnzimmer.” Äh nicht sehr fein, aber okaaay. Wieder habe ich nichts unternommen und einige Zeit später informierte mich Tom: “Ok, mir reichts, ich gehe.”

Puh, Glück gehabt. Erleichtert habe ich das Kapitel Haustier am Smartphone abgehakt, als Tom sich zwei Tage später aus der Versenkung meldete, mit den Worten “Na gut, ich bin wieder da.” Oiiiii!

Countdown Schule

Die letzten, allerletzten Tage des Kindergartens finden statt und jetzt hab ich auch mal begonnen, mich mit der Einkaufsliste für die Schule auseinanderzusetzen, die naturgemäß sehr umfangreich ist.

schulliste

Nachdem ich weder alles auf einmal besorgen will und schon gar nicht alles in der ersten Septemberwoche, war ich schon beim (riesengroßen) Interspar im Donauzentrum und habe den Grundstock gelegt.

Dabei habe ich mich aber erstmal auf die weniger komplizierten Sachen beschränkt und war recht erstaunt, dass ich jetzt im Endeffekt noch nicht mal die Hälfte habe. Aber das wird schon noch. Es bleibt ja der ganze August, einmal soll auch Adrian dabei sein, wenns darum geht, sich spannende Sachen selbst auszusuchen (wir haben schon eine Angry Birds Jausenbox).

Ich muss sagen, der Einkauf macht Spaß, weil es neu ist, sich (wieder) mit diesen Dingen zu beschäftigen. Aber ich habe noch keine Ahnung, welche Schultüte ich erstehen werde und oh Schreck: keine Ahnung, was ich zum ersten Schultag anziehen soll!