Das waren mir gestern echt zu viele Ereignisse. Neben den News zu Trump ist leider Shannen Doherty gestorben, Novak Djokovic hat sich vor Kate Middelton verbeugt, es gab eine Schießerei in Ottakring, Ralf Schumacher hatte sein Coming Out und nicht zuletzt fand das EM Finale statt.
Die diesjährige EM ist komplett an mir vorüber gegangen. Ich hab die ganze Zeit darauf gewartet, dass ich doch noch irgendwie dem allgemeinen Hype verfalle, es ist aber nicht passiert. Habe nur die letzten 30 Minuten des Finalspieles verfolgt. Davor war ich im Kino und habe mir Shiva Baby (mehr demnächst) angeschaut.
Beim Zurückfahren bin ich auf ein lustiges Public Viewing beim Würstelstand nahe der Volksoper gestoßen.
Public Viewing am Würstelstand beim EM Finale am 14. Juli 2004
Eigentlich wollte ich heute – in Anlehnung an meine “redaktionelle Mitarbeit” – davon schreiben, dass ich als Selbstständige zwar kein Urlaubsgeld bekomme, dafür aber immerhin in einer Woche wie der letzten mit permanent nassem Bikini am Laptop sitzen und arbeiten kann. Das sind wiederum die Freuden der Selbstständigkeit. Währendessen ferialjobbt das Kind im heimischen Silicon Valley, aka Wienerberg.
Aber heute bin ich aufgewacht und habe beim Kaffee gleich mal alles über Trump und das Attentat erfahren und eine Stunde lang X leer gelesen und als ich damit fertig war, war X schon wieder voll mit neuen Takes und ich glaube, damit könnte man den Tag heute verbringen, X einfach immer wieder neu zu laden.
Unfassbar, dass sonst “Hass im Netz” auf das Schärfste verurteilt wird, aber wenn es gegen das ideologische Feindbild geht, ist es oft gerade für “Mahner” doch irgendwie ok bzw. wird von diesen sogar selbst praktiziert. Ich will gar nicht wiederholen was da einige (auch bekannte) Menschen schreiben, die sich “auf der richtigen” Seite wähnen. Und das alles schreiben sie auf X, wo Musk ja, ihrer Meinung nach, die freie Meinungsäußerung so drastisch beschränkt. Qed, oder wie?
Heute habe ich auf Instagram ein Reel vom Lokal Hidden Kitchen gesehen, das möglicherweise wegen L. und mir entstanden ist. Harhar.
Immer dann, wenn wir dort frühstücken gehen, sind wir zu früh dran. Ich sowieso von Natur aus und L. hat sich an mich angepasst und dann stehen wir vor dem noch verschlossenen Lokal, das erst um 8.30 aufmacht. Hungrig, ungeduldig und im Winter auch fröstelig und schauen hinein, so wie die Dame in dem Reel:
(C) Hidden Kitchen Instagram Account
Und drinnen so:
(C) Hidden Kitchen Instagram Account
Dafür mache ich jetzt ein bisschen (unbezahlte) Werbung, für das sehr gemütliche Hidden Kitchen mit schmackhaften Hipster-Frühstücken. Ich empfehle besonders das Pink Egg Florentine, das ist getoastetes Schwarzbrot mit rote Rüben Sauce, darauf Ei und Lachs.
Wenn man in den letzten vier Jahren den Glauben an Teile der Medienlandschaft (und der Politik) noch nicht verloren hat, bietet der US-Präsidentschaftswahlkampf jetzt eine neue Chance dazu.
Monatelang wurde vehement negiert, dass Joe Biden zu dement für eine neuerliche Kandidatur sei. Sollte das jemand behaupten, wäre es selbstverständlich “Hatespeech”; Bidens Sprecherin hat noch letzte Woche festgestellt, aktuelle Videos, die Biden verwirrt zeigen, wären Deepfakes, um Biden zu schaden. Nun haben sämtliche Medien und auch viele Demokraten selbst in einer Art konzertierter Aktion ihre Meinung geändert und nach der Debatte mit Trump festgestellt: Biden ist zu dement für eine neuerliche Kandidatur. Was die Vermutung nahelegt, dass zumindest viele in seiner Partei ihn nun doch noch schnell loswerden wollen.
Obwohl natürlich auch vereinzelt wieder Trick 17 zum Einsatz kommt, unter anderem von Barack Obama: Ja, Biden wäre schlecht gewesen, aber alles wäre selbstverständlich besser als Trump. Dass alleine die Behauptung auf der “moralisch guten” Seite zu stehen schon ein Programm darstellen soll, ist ein großer Teil des Problems, nicht nur in den USA.
Interessant sind auch folgende Fragen: Wenn er zu dement für eine neuerliche Kandidatur ist, wer macht seinen Job aktuell? Was sagt diese Vorgehensweise darüber aus, wie glaubwürdig viele Medien insgesamt in der letzten Zeit waren? Und: Ist es wirklich verwunderlich, dass das Vertrauen in Journalismus und Politik immer weiter sinkt?
Auf Twitter hat ein kanadischer Musikjournalist, dem ich gerne folge, weil er immer interessante Fragen stellt, unlängst dieses von seinen Followern wissen wollen:
What's something that was cool in your past but has since been banned for safety issues?
Da kamen oft Dinge, die mit Autos zu tun haben – hinten am Pick Up Truck sitzen zum Beispiel, oder ohne Gurt im Auto fahren sowie einiges, was Rauchen betrifft – Rauchen im Büro, im Krankenhaus, aber auch Schokoladenzigaretten für Kinder; sehr oft wurden “Lawn Darts” genannt, was ich erst googlen musste. Aber tatsächlich schrieben die Leute auch sehr häufig sowas wie: Comedy, Fun, Free Speech und Common Sense. Interessant.
Daran musste ich denken, als ich kurz darauf im Kurier ein “Pro und Contra” las, zum Thema: Soll man bei der Fußball WM die Nationalflagge schwenken dürfen. Solche Diskurse führen wir ernsthaft im Jahr 2024? Ich mein: echt jetzt?
Früher war nicht alles besser. Sich als Mensch um mehr Sensibilität und Bewusstsein zu bemühen ist eine gute Idee. Aber irgendwo auf dem Weg haben wir komplett die Verhältnismäßigkeit verloren. Oder wie die Pop-Poeten der 1980er Jahre, Aha, sagten bzw sangen: “It’s not better to be safe than sorry.” Zumindest nicht immer und um jeden Preis.
Heute beginnt die schönste Woche des Jahres für mich, die ESC-Woche. Eine Woche, in der ich beschäftigt bin mit ESC-Content und Vorfreude und Aufregung und wo man die eigenen “Struggles” mal vergessen kann. Und wie der Slogan so schön sagt: United by Music.
Ich habe jetzt tagelang in den Stories und Posts die Öresundbrücke gesehen, die alle in der Bubble, die vor Ort sind, anscheinend befahren. Es handelt sich um die Brücke zwischen Kopenhagen und Malmö. Die Städte liegen offenbar so nahe, dass manche, die sich das live vor Ort ansehen, in Kopenhagen wohnen.
Die Semifinali finden am Dienstag und Donnerstag statt – Österreich ist am Donnerstag dran. Das Finale am Samstag. Was ist nach den Rehearsals der vergangenen Woche zu sagen? Es wurde ja bereits von jedem Land ein 30-sekündiger Ausschnitt von den Proben veröffentlicht, und wir Nerds haben das natürlich alles angeschaut. Das Staging und die Live-Performance ändert oft den Eindruck, den man von Songs hat – zum besseren oder leider auch umgekehrt. Und auch die Wettquoten ändern sich nun täglich. Am bemerkenswertesten ist, dass Kroatien nun wieder mit doch deutlichem Abstand vor der Schweiz auf Platz 1 liegt; ich war eigentlich bis zu den Proben sicher, dass die Schweiz heuer gewinnen wird.
Zwei Auftritte aus den Proben haben mir eine Gänsehaut gemacht und zwar erstens die Ukraine. Ich mag das Lied sowieso sehr gern, aber live ist es nochmal um einige Klassen stimmungsvoller, weil die Stimme von Jerry Heil, die in der Studioversion brav mit den Backing Vocals mitsingt, hier eindeutig dominiert und großartig ist. Und das Bühnenbild ist auch eindrucksvoll.
Zweite Gänsehaut: UK, wenn auch anders. Ich finde den Song von Olly Alexander ok, wenn auch nicht außergewöhnlich, aber das Staging erinnert so derart an das George Michael Video zu Outside, was ja, wie wir alle wissen, eine tatsächliche Begebenheit in einer öffentlichen Toilette in Los Angeles persifliert. Und was Olly Alexander wiederum hier zitiert, zumindest meines Erachtens. Sehr spannend, diese Szenerie auf eine ESC Bühne zu stellen, dazu passt irgendwie der Begriff “raw”.
Zendaya also, die Hauptdarstellerin in Challengers und irgendwie gerade der neue Superstar. Der Schauspieler, der “zu meiner Zeit” mit einem Namen ausgekommen ist, war Fernadel harhar. Ich rede also mit dem Kind.
Ich: Kennst du diese Zendaya?
Kind: Ja sicher.
Ich: Und woher?
Kind: Von TikTok und sie hat in Spiderman mitgespielt.
Das Gespräch hat mich fatal an ein ähliches erinnert, dass ich vor über 20 Jahren mit meinem Vater geführt habe.
Er: Wer ist eigentlich diese Sienna Miller?
Ich: Die Freundin von Jude Law.
Er: Und wer ist Jude Law?
Ich: Soll ich jetzt bei Adam und Eva anfangen?
Dabei war er sehr popkulturell interessiert wie ich ja auch. Aber irgendwann gehört man eben zu den Menschen, die von Hypes nicht mehr als erste erfahren.
Weil nächste Woche im fm4 Filmpodcast unter anderem über Civil War gesprochen wird, habe ich mir den Film angeschaut, weit ist es mit mir gekommen, jetzt schau ich Filme außerhalb meiner Komfortzone an, nur um dann einen Podcast dazu zu hören. Hahar. Tatsächlich schadet es aber auch nicht, mal etwas abseits der bevorzugten Genres zu sehen. Und Civil War ist sowas wie ein Arthaus Kriegsfilm. Und irgendwie wirkt es auch wie die Fortsetzung von Leave the World behind – was danach geschah quasi.
Das unglaubliche schiache Filmplakat zu Civil War
Der Film von Regisseur Alex Garland galt schon vor seinem Start alleine aufgrund des Titels als kontrovers. Denn dieses Jahr sind Wahlen in den USA und das Land ist gespalten, Trump soll wieder antreten, dazu Biden – viele befürchten ja tatsächlich eine Art Bürgerkrieg, egal wer gewinnt. Und: Garland ist Brite, würde er jetzt als quasi Außenstehender in die USA kommen den Menschen seine politische Weltsicht aufdrücken?
Zumindest insofern kann beruhigt werden, denn Civil War ist ein nahezu komplett unpolitischer Film. Wir erfahren zwar, dass sich eine Art “Western Front” (bestehend aus Texas und Kalifornien) gebildet hat, um das System in Gestalt des Präsidenten zu stürzen, der das FBI abgeschafft hat und sich zu einer dritten Amtszeit putschen will. Insgesamt ist das schwer einzuordnen, denn die Staaten Texas und Kalifornien haben doch eher wenig miteinander gemeinsam, und das Wahlverhalten der Bevölkerung ist ziemlich gegensätzlich. Aber dazu gibt es eine schöne Analogie im Film, als das (Foto)journalisten-Quartett einmal zwischen die Fronten gerät und ein Schütze ihnen sagt, er wisse gar nicht, ob der Schütze auf der anderen Seite Freund oder Feind wäre, aber der drüben habe zu schießen begonnen und nun müsse man eben zurückschießen.
Das Quartett besteht aus der prominenten Kriegsfotografin Lee (Kirsten Dunst) und dem Reporter Joel (Wagner Moura), sowie aus einem arrivierten Journalisten Sammy (Stephen McKinley Henderson), der eine Vaterfigur für Lee ist. Dazu kommt Jessie (Cailee Spaeny), die man zuerst gar nicht mitnehmen will, auf die Fahrt vom relativ ruhigen New York ins umkämpfte Washington D.C, wo der “Showdown” stattfinden soll – weil sie zu jung ist; weil es zu gefährlich ist. Aber Jessie lässt sich nicht abwimmeln, sie ist nicht nur unerschrocken, sie hat naja, Todessehnsucht wäre zuviel gesagt, aber ein gutes Foto ist ihr im Zweifel wichtiger als körperliche Unversehrheit. Und der Trip ist dann natürlich auch extrem arg, überall werden die Außmaße der Gewalt deutlich und wenn das Team dann einen Ort besucht, in dem scheinbar alles “normal” ist, wirkt gerade das auch wieder enorm creepy.
Im Grunde genommen geht es Garland, so denke ich, um das, was ich in einem Essay im ersten Semester Publizistikstudium analysieren musste: Die Fotometapher in der Reportagediskussion. Der Journalist sollte eigentlich eine Kamera sein und nur alles aufnehmen, nicht seine Meinung dazusagen. Und weil das schwer ist, sollte der Journalist zumindest seine Befangenheiten so transparent wie möglich machen. Denn absolute Wahrheiten gibt es ja nicht, auch wenn uns der Journalismus heute oft in sehr unterkomplexer Form genau das vermitteln will. Und in Civil War sagt Lee eben genau das: die Fotografien sind dafür da, Fotos zu machen, nach denen sich die Menschen ihre eigene Meinung bilden können. Wobei das natürlich auch zu kurz greift, denn auch ein Foto kann Dinge inszenieren und mit einer gewissen Absicht gemacht werden.
Mir ist der Film letztendlich dann doch zu viel Action und zu viel Blut, aber er hat tolle (wenn auch apokalyptische) Bilder, er hat ein paar wirklich sehr arge und angsteinflößende Szenen, er hat diese Thin-Red-Line-Terrence-Malick Referenzen, wenn Lee im Gras liegt und die Blumen beobachtet, während neben ihr ein Schusswechsel stattfindet; die Musikeinsätze sind brachial, aber auch sehr wirkungsvoll und ja, ich bin doch froh, ihn gesehen zu haben.
Und als nächstes habe ich Challengers angesehen, der im Podcast auch besprochen werden wird, den ich aber auch so angeschaut hätte, darüber ein andermal.
Im Falter ist heute ein Interview mit der österreichischen Autorin Mareike Fallwickl, die mit ihrem Roman Die Wut, die bleibt ganz schön viele Leserinnen in meinem Umfeld begeistert hat (mich leider nicht). Da liest man über sie:
Fallwickl wurde als Schülerin also gezwungen, verstorbene männliche Autoren zu lesen, und dann auch noch solche Randfiguren der Literaturgeschichte. Ich weiß jetzt nicht, ist das Schlimme, dass die Autoren nicht mehr leben oder dass sie Männer sind oder beides?
Germanistik habe sie dann gar nicht erst studiert, sagt Fallwickl, was nur konsequent ist (noch mehr tote Männer). Sie bespricht, laut eigener Aussage, auf ihrem Instagram-Account auch nur Literatur von Frauen und queeren Menschen. Alles gut und schön, Vielfalt ist immer anzustreben, aber hier frisst Ideologie schon ein bisschen die Verhältnismäßigkeit, meines Erachtens.