Man beachte den wunderschönen Tischläufer im griechischen Stil (von H&M Home, unbezahlte Werbung), mir gefällt er einfach so gut
Mittendrinnen: Sehr gut gegessen.
Nachher:
Ich um 15.01 nachdem das Formel 1 Rennen in Monaco um 15.00 Uhr gestartet wurde und Max Verstappen am Start stehengeblieben ist.
Es war dann nicht mehr so extrem verlockend für mich persönlich, zumal der Moderator meinte, er will ja keine Zuseher vergraulen, aber das letzte geglückte Überholmanöver, um die Führung beim Monaco Grand Prix in Monaco zu übernehmen, fand im Jahr 1985 (sic!!!) statt. Ich meine, da war ich neun Jahre alt, neun Jahre! Harhar. Nachdem ich zwei Stunden gelesen, in die Gegend geschaut und geschlafen habe, war das Rennen wegen diverser Unterbrechungen immer noch nicht aus.
Später dann noch Maturazeugs wiederholen bzw. abprüfen – “wir” haben aber noch über eine Woche Zeit, insofern derweil keine große Aufregung.
Außerdem meinen ersten Urlaub seit 2019 gebucht. Erstaunlicherweise freue ich mich richtig darauf, obwohl mir das Wegfahren jetzt auch nicht wirklich gefehlt hat.
Nächste Woche werde ich die Pressevorführung des neuesten Steven Spielberg Films Disclosure Day besuchen – der auch bereits kommende Woche dann schon anläuft, das heißt, das Review muss schnell geschrieben werden. Ich freue mich schon sehr darauf.
Einerseits Spielberg: Jein. Ich mag einige seiner Film sehr gern, bei manchen bin ich ein bisschen indifferent und beim letzten, The Fabelmans, habe ich mich gefragt, ob ich an dem Film irgendwas nicht verstehe, oder ob er tatsächlich so krude und unentschlossen ist wie ich glaube, dass er ist, harhar. Kommt selten vor, aber es gibt Filme, die laufen wirklich so komplett an mir vorbei, dass ich noch nicht mal sagen kann, ich finde sie schlecht, sondern, ich fühle einfach überhaupt nix.
Andererseits: Josh O’Connor, der in Disclosure Day eine der Hauptrollen spielt. Und ich mache jetzt wieder unbezahlte PR Arbeit. Meiner Ansicht nach ist Josh O’Connor der derzeit beste männliche global bekannte Schauspieler unter 40. Ich kann nicht Hollywood-Schauspieler sagen, weil er ist Engländer – hört man, wenn er Sundance sagt, nämlich Sundaaance und nicht Sundeeence – und weil er bis dato, bis eben zu dieser Spielberg Produktion das große Blockbuster Kino vermieden hat. Einem breiteren Publikum ist er wahrscheinlich durch seine Verkörperung des jungen Prinz Charles in der Serie The Crown bekannt.
Tatsächlich ist er extrem wandlungsfähig und hat eine Vorliebe fürs Indie-Kino. Er hat mit der (tollen) italienischen Regisseurin Alice Rohrwacher La Chimera gedreht, für den er auch Italienisch gelernt hat, ich mein, wie super, ich denke, er hat einen besseren Akzent als ich harhar. Es geht in dem Film um einen englischen Kunsträuber, dargestellt eben von ihm, der bei einem neuen Coup seinen persönlichen Liebesschmerz aufarbeitet und es ist so sperrig-schön, ich sage nur magischer Realismus. Derzeit dreht er wieder mit ihr. Er hat in Luca Guadagninos Challengers einen der Beteiligten an der Dreiecksgeschichte gespielt, einen totalen Strizzi Tennisspieler und ich war sofort in seinem Team. Er hat den sonst ein bisschen faden The Mastermind komplett getragen, er hatte die Co-Hauptrolle im neuen Knives Out Wake Up Dead Man und zu History of Sound, wo er neben Paul Mescal in einer homosexuellen Liebensgeschichte spielt meinte Pia Reiser, nachdem O’Connor zur Mitte des Filmes verschwindet: “Wir sehen Paul Mescal dabei zu, wie er Josh O’Connor vermisst und wir verstehen ihn, wir vermissen ihn auch, weil er der soviel bessere Schauspieler ist.” Harhar. Nix gegen Paul Mescal, ich (und Pia) mag den auch sehr, aber O’Connor spielt halt in seiner eigenen Liga.
Ach ja und er war mal als neuer James Bond im Gespräch. Da geht es mir ein bisschen so wie mit Disclosure Day jetzt. Ich denke mir, es wäre toll, wenn er bekannter werden würde als er jetzt ist, weil er es verdient hat und weil ihn viel mehr Menschen kennen sollten; andererseits will ich ihn lieber in irgendwelchen crazy Arthouse Filmen sehen als in einer Prestige-Großproduktion. Ach ja. Wie auch immer, ich werde euch dann erzählen, wie ich seine Ausflug ins Blockbuster Fach fand.
Den heutigen Tag habe ich teilweise im Literaturmuseum Wien verbracht. Hui, diese Woche ist die Woche der Ausstellungen bei mir.
Es gibt dort nämlich gerade eine über Thomas Bernhard, über die ich ein anderes mal erzählen werde. Spoiler: Ihr könnt sie aber auf alle Fälle schon mal anschauen gehen, sie ist genauso gut gemacht wie die letzten Ausstellungen, die ich dort gesehen habe – nämlich eine über Ingeborg Bachmann und eine über Herkunft. Ich habe heute zwei Stunden im Museum verbracht.
Zum Abschied etwas von Grillparzer zum Nachdenken
Anschließend bin ich ins Vapiano Mittagessen gefahren, ich habe immer noch Gutscheine und das ist das beste Lokal zum alleine essen gehen finde ich, weil es jedem wurscht ist, wenn man solo dort sitzt. Und ich liebe einfach das Pilzrisotto.
…und bestes Zitronen Minze Soda
Am Nachmittag habe ich das erst gestern ausgeliehene Schlingensief Buch auch schon wieder fertiggelesen. Es ist schön, sehr erschütternd und traurig natürlich auch. Aber es ist auch sehr positiv, was Schlingensief da über das Leben reflektiert, ich mag seine Art der Wahrnehmung und des darüber Berichtens sehr.
Also ich bin gestern bei der Christoph Schlingensief Ausstellung stehengeblieben – die ist übrigens oben im MAK, wenn man über diese Brücke geht – sie nennt sich: Es ist nicht mehr mein Problem. Laut Aussage der Kuratoren (unter anderem Schlingensiefs Witwe) soll es keine Retrospektive sein.
Beim Eingang der Ausstellung
In einigen ziemlich großen Räumen werden die bekanntesten Aktionen und Exponate von Schlingensief ausgestellt, hier fällt vor allem natürlich der Ausländer raus Container auf, der zur Aktion Bitte liebt Österreich gehört. Man erinnert sich, damals fanden zwei Dinge quasi gleichzeitig statt, und zwar die erste Big Brother Staffel und die Regierungsbeteiligung der FPÖ in Österreich. Schlingensief verband diese beiden Ereignisse, und ließ neben die Staatsoper einen Container mit tatsächlichen Asylwerbern stellen, von denen täglich einer oder eine “herausgevotet” werden konnte. Wenn man sich daran zurückerinnert, fragt man sich, wieso sich die Festwochen heuer davor anscheißen ängstigen, ein Gespräch mit Peter Thiel zu führen.
Der Ausländer Raus Container von der Aktion im Jahr 2000
Diese Aktion hat Schlingensief Anfeindungen von wirklich allen Seiten gebracht. Natürlich in erster Linie von der FPÖ, aber auch von linken Gruppen, die ihm unter anderem Instrumentalisierung der Geflüchteten und Verharmlosung vorwarfen. Und das für einen Künstler natürlich schon super, denn es bedeutet, du hast dich zwischen sämtliche Stühle gesetzt, wo du von niemand vereinnahmt werden kannst und dich einer stringenten (=banalen) Interpretation entzogen. Tatsächlich sind Schlingensiefs Motive für mich bis heute auch schwer fassbar, ging es ihm wirklich um die Sache, wollte er provozieren, tatsächlich politisch etwas bewegen? Die Idee an sich ist ja in erster Linie mutig, an sich sind aber die Reaktion und die Partizipation von anderen fast interessanter als die Aktion selbst.
In der Ausstellung gibt es ein rund 20 Minuten langes Interview mit ihm zu diesem Thema (aufgenommen vor der Oper) anzusehen, was ich auch in voller Länge gemacht habe, und selbst danach war ich nicht wirklich schlauer, was aber dazu einlädt, sich noch mehr mit Schlingensief zu beschäftigen. Er ist für mich eine ziemlich ambivalente Figur.
Schlingensief im Interview vor der Oper, Juni 2000
Ansonsten stellt die Ausstellung Freakstars 3000 vor, eine Talkshow von Schlingensief mit Menschen mit Behinderung. Seine Hamlet Inszenierung mit aussteigewilligen Neonazis und Church of Fear, als Reaktion auf den Terroranschlag auf die Twin Towers und die Frage, wie sehr Angst die Menschen und die Gesellschaft als Ganzes beeinflusst. Und ob Angst so etwas wie eine Ersatzreligion geworden ist. Ich finde, gerade dieses Thema ist auch heute noch extrem gegenwärtig, weil die mediale Angstmache wirklich teilweise bizarre Blüten treibt. Das haben wir aktuell auch immer wieder mit dem Klimawandel. Bin kein “Leugner” (sowieso so ein bescheuerter Kampfbegriff) aber wenn uns zum Beispiel erzählt wird, es war im vergangenen Sommer viel heißer als wir das empfunden hätten, dann grenzt das für mich schon ein bisschen an Gaslighting. Und was genau bringt es, Herausforderungen in der Welt mit Angst zu begegnen? Da hätte Schlingenschief viel zu tun und ich wäre gespannt, wie er sich diesem Thema genähert hätte.
Das wäre doch ein Spruch für die Kandidatinnen und Kandidaten zur ORF Generaldirektorwahl
Die Ausstellung als solche fand ich sehr interessant gemacht, im Sinne von: es gibt recht viel Informationen und die Exponante von damals zu sehen, aber gleichzeitig ist sie ziemlich spartanisch und auch irgendwie so gestaltet, dass sie sehr unbequem wirkt, also es hat visuell nichts anheimelndes. Das passt dazu, dass Schlingensief Kunst nicht als Antwort sah, sondern als Prozess des immer wieder Hinterfragens, was mir ja wieder sympathisch ist.
Im Museumsshop habe ich in Schlingensiefs Krebs-Tagebuch hineingelesen und es mir gleich in der Bücherei ausgeborgt, zusammen mit zwei anderen Werken von/mit ihm.
Danke liebe A. für die Anmerkung, dass man mit der NÖ Card das MAK gratis besuchen kann und es auch Ermäßigungen mit der Stadt Wien Card gibt. Auch für Öffi Jahreskartenbesitzer.
Machen wir wieder ein Ratespiel, wo ich heute war?
Okay, das war nicht schwer zu erraten, nachdem ich den Blogpost ja schon dementsprechend benannt habe, harhar
Im MAK gibt es Dienstag Abend verbilligten Eintritt ab 18 Uhr (unbezahlte Werbung) und da ich heute zufällig dran gedacht und auch Zeit hatte, habe ich die Gelegenheit genutzt. Eigentlich wollte ich mir ja primär die Festwochen-Plakate Ausstellung anschauen, weil mich die schon als Kind sehr fasziniert haben. Bis ich diese Ausstellung gefunden hatte, ist allerdings schon etwas Zeit vergangen – Beschilderung im MAK einfach eine 0 von 10, aber vielleicht soll das so sein, wegen Kunst und so, Verstörung und intendierte Orientierungslosigkeit, um einen zu sensiblisieren, I don’t know. Also um euch Zeit zu sparen, sie ist quasi im Keller und nur so ein kleiner Gang mit wenig Erläuterungstexten leider. Aber die Plakate sind trotzdem super.
Bei dieser Festwocheneröffnung war ich tatsächlich damals mit meinen Eltern und deren Freunden und eine Freundin von mir war auch dabei; ich war zwölf. Und ich habe diese als sehr beeindruckend in Erinnerung, auch wenn ich mich nicht mehr an Details erinnern kann, außer daran, dass teilweise Musik vom Burgtheater kam und dann wieder vom Rathaus und wir uns immer hin und her gedreht haben und das Gefühl hatten, wir sind bei einer ganz großen Sache dabei. Rückblickend staune ich, dass mein Papa auf irgendeiner Veranstaltung des quasi “roten Wien” war – ich werde jetzt nicht schreiben, wie er das tatsächlich genannt hat, harhar – obwohl oder gerade weil er an sich aus einem “roten” Haushalt kam.
Anyway, dieses Plakat fand ich damals auch sehr gut:
Es gibt dann auch noch einen Mozart, der die Augen verdreht
Aber mein Lieblingssujet ist das von 2005, ich weiß, dass ich damals sehr viel Zeit damit verbracht habe, über diese drei Plakatstrecken nachzudenken, weil ich sie auch nicht hundertprozentig verstanden habe:
Keine Ahnung, was das über mich aussagt, dass mich das fasziniert hat, aber das ist ja das Schöne an der Kunst, dass man sie nicht immer erklären können muss. Das gilt übrigens auch insbesondere für die zweite Ausstellung im MAK, die ich mir heute angeschaut haben, nämlich die über Christoph Schlingensief namens “Es ist nicht mehr mein Problem”. Aber dazu ein anderes mal mehr. Auch darüber muss ich erst noch ein bisschen reflektieren.
Heimfahrt dann so:
Blick aus der Schnellbahn
Dann müde aufs Sofa gelegt und diesen Blogpost geschrieben.
Nun also zu Late Fame von Regisseur Kent Jones, von dem ich ehrlich gesagt noch keinen Film vorher gesehen habe. Das adaptierte Drehbuch der Schnitzler Novelle stammt von Samy Burch, deren Drehbuch zu May/December ich schon toll fand.
In Late Fame geht es um den kurz vor der Pensionierung stehenden Eduard Saxberger (William Dafoe), hier in New York der Gegenwart ansässig und als Postbeamer tätig, der von einem jungen Mann namens Myers – eine Art “Nepo Baby” – auf den Gedichtband angesprochen wird, den er in seiner Jugend geschrieben hat. Hier heißt dieser Band Way Past Go (im Original Wanderungen). Myers nimmt ihn zu seinem Freundeskreis mit, die angeblich alle große Fans von Saxberger sind und er erlebt einen “späten Ruhm” im Kreisen dieser jungen Menschen….
Zunächst einmal muss ich herausstreichen, wie hervorragend es der Drehbuchautorin gelungen ist, die Handlung des Wiens um 1900 nach New York 2023 zu transferieren und den Geist von Schnitzlers Novelle so genau zu erfasssen und zu vermitteln. Die jungen Menschen, die Saxberger kennenlernt, sind genauso (performativ) weltabgewandt wie die in der literarischen Vorlage, in der heutigen Zeit manifestiert sich das eben dadurch, dass sie Social Media komplett ablehnen, sie nennen es “Sociopath Media”. Sie interessieren sich dafür, ob er mit Künstlern wie Allen Ginsberg befreundet war – Saxberger verneint, Gloria, die einzige Frau der Gruppe daraufhin: “Just tell him yes” – was schon sehr viel über den “Vibe” aussagt. Die jungen Männer wohnen in bewusst unter-möblierten, aber umso über-preisigen Appartments, stilisieren sich aber gerne als arme Poeten.
Burch bleibt ganz nah an Schnitzlers Vorlage, es gibt lediglich zwei oder drei Szenen, die sie ergänzt oder eher das ausformuliert, was bei Schnitzler nur zwischen den Zeilen zu lesen war. Das betrifft inbesondere Saxbergers Begegnungen mit Gloria (eine wunderbar überdrehte Greta Lee) die einmal in einer Bar Surabaya Johnny von Bert Brecht und Kurt Weill singt, wie herrlich, ist das bitte! Saxberger verliebt sich ein bisschen in sie. Im Film wird Glorias Background etwas mehr – auch bildlich – geschildert. In der Novelle hat man immer den Eindruck, dass sie sich selbst etwas vormacht, quasi mehr Schein als Sein, aber es bleibt schön subtil, wie so oft bei Schnitzler. Im Film sehen wir Gloria einige Male perfekt gestylt und voller euphorischem Überschwang, bis Saxberger sie eines Tages zuhause besucht, wo ihre Haar traurig herunterhängt, und sie als Ganzes einen äußert deprimierenden Eindruck macht. Anscheinend wohnt sie auch noch dazu bei einem dominanten Mann. Hier zeigt uns der Film, dass wir Glorias “Performance” genauso wenig trauen wie allen anderen in dieser Geschichte.
William Dafoe, der vor allem für die Darstellung sehr schräger Außenseitertypen bekannt ist, spielt hier einen im Grunde ganz gewöhnlichen älteren Herren, für ihn fast revolutionär “normal”. Einen Mann mit hoher Intellektualität, aber einem einfachen Leben, das einige Leerstellen beinhaltet, was durch ein paar Telefonate mit seiner Schwester, offenbar die einzige Person aus der Familie, die noch mit ihm redet, klar wird. Als Saxberger wieder versucht zu dichten, entsteht nicht viel mehr als die Worte “Seasons collide” – was auch wieder sehr vielsagend doppeldeutig ist.