Heute habe ich meinen vierten Viennale Film gesehen, zugleich den insgesamt dritten Film von Ira Sachs nach Passages und Peter Hujar’s Day. Und ich werde immer mehr zum Fangirl.
Der Film heißt The Man I Love und hat wieder alle Ingredenzien, die einen Sachs Film auszeichnen. Er ist sinnlich und ehrlich, erzählt von Künstlern, von Menschen, die immer ein bisschen kämpfen, aber das Leben trotzdem lieben, er ist queer (wobei Sachs das vermutlich nicht so nennt, er ist 60 Jahre alt harhar) und, wie er selbst im anschließenden Q & A sagte, enthält “things that last” wie Musik, Kunst, Sex, Haut, Farbe, Lebenslust.
Kurz zum Plot, aber ich werde bei anderer Gelegenheit noch mehr schreiben: Sachs porträtiert den mittelmäßig erfolgreichen Schauspieler/Sänger Jimmy (Rami Malek), der in den 1980er an AIDS erkrankt ist – und wir wissen, was das damals hieß. Der Film ist aber alles andere als ein Miseryporn, obwohl er natürlich Momente voller Schmerz beinhaltet, und er stellt mit Jimmy einen Mann ins Zentrum, der nicht besonders sympathisch und einnehmend ist, also quasi im Gegensatz zu Philadelphia, dem Film mit Tom Hanks, den ich in den 1990er Jahren sehr geliebt habe. Wo Hanks aber ein total lieber Typ war, der als Anwalt massive Diskriminierung aufgrund seiner HIV Infektion erlebte. Es war einfach, sich mit ihm zu identifizieren. 2026 erzählt Sachs eine andere Geschichte.
Noch kurz zum Q & A: Wieder mal ein Beispiel dafür, wie ein Moderator zehnmal woker ist als sein Gegenüber. Der Moderator so: Naja der Film ist ja erstaunlicherweise gar nicht politisch. Daraufhin Sachs (und quasi alle anderen Anwesenden im Gartenbaukino) Äh doch? Aber halt nicht so, laut Sachs, dass er dem Publikum eine Botschaft überbrät oder sagt, was jemand denken soll (ich feiere es!) Der Moderator: Also man kann sagen, es sei definitiv kein “political spoonfeeding.” Sachs: “Well that’s a very low bar”. Hahar, touche!
Später sagte der Moderator noch, der Film werde auch regulär zu uns in die Kinos kommen, er hätte Oscar-Buzz (hätte davon nix gehört, fände es aber super für Sachs). Aber davon wolle er, der Moderator, nicht sprechen, denn wir reden über Kunst. Oida wie sehr kann man die Welt in schwarz und weiß einteilen?
Sachs selbst hat dann noch ein paar wirklich interessante Dinge gesagt, ein echt netter Typ, dass ich ganz beseelt den Saal verlassen und mein La La Land Sackerl im Kino vergessen habe. Bin erst bei der Ubahn draufgekommen, natürlich wieder zurück und die Kinomitarbeiter haben es schon gerettet gehabt. Puh. Danke. Also auch insofern ein sehr gelungener Abend.

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