Also noch ein bisschen was zu Girls– Staffel sechs.
Allgemein lässt sich sagen, dass in den Staffeln zuvor einiges passiert, was in Serien öfters passiert: Es gibt Hochzeiten, es gibt Trennungen – oft betreffen sie auch die Menschen, die gerade erst geheiratet haben. Es gibt Schwangerschaften und (beinahe) Abtreibungen. Es gibt Todesfälle. Jemand zieht für eine gewisse Zeit an einen anderen Ort; hier: Japan. Es gibt sogenannte Bottle Episoden, das bedeutet, es kommen nur ganz wenige Protagonisten vor, die sich die ganze Folge an einem Ort aufhalten und fast nur reden.
Ich finde aber, wie eh schon kurz erwähnt, die letzte Staffel macht einiges anders als man das so aus Serien kennt.
ACHTUNG MASSIVE SPOILER FOLGEN
Die vier “Girls” nämlich, bleiben keine Freundinnen oder sagen wir so, dieser Freundeskreis wird durch äußere und innere Umstände herausgefordert bis zerissen Und es läuft so ab, wie im wirklichen Leben, hier kommt ein Mann dazwischen, dort passiert Entfremdung durch unterschiedliche Ansichten oder Lebensstile. Man hat Geheimnisse oder redet einfach nicht mehr so viel miteinander, es gibt ein Missverständnis, you name it. Und nach der finalen Folge weiß man im Prinzip nicht, ob sich die vier weiterhin sehen werden, also zu viert vermutlich gar nicht mehr. Das ist irgendwie traurig, aber irgendwie auch ziemlich realitätsnah. Nämlich auch der Aspekt, dass man es eben nie genau weiß, wie sich Freundschaften entwickeln werden.
Meine Lieblingsszene der ganzen Serie ist die, bei der Ray (Alex Karpovsky) – der, sind wir uns ehrlich, sympathischste Mann in Girls – mit einem Date Karusell oder sagen wir Ringelspiel fährt, es ist Nacht, man sieht die Skyline von New York, sehr romantisch. Und es spielt ein Musikstück. Und ich denke mir so, das kenne ich, das ist doch ein Wiener Marsch. Und nach kurzem Googeln weiß ich, es handelt sich um Wien bleibt Wien von Johann Schrammel, aus dem Jahr 1886 (!). Und das Stück läuft nicht im Hintergrund, es dominiert die ganze Szene und geht noch im Abspann weiter. Keine Ahnung, wie das US-Amerikaner empfinden, wenn sie das sehen und vielleicht noch überhaupt nie ein Wienerlied gehört haben, aber ich fand es skurill und süß und irgendwie rührend. Genau das macht den Stil von Lena Dunham aus, dass sie nicht nur sehr ungeniert nackt herumläuft, nein, sie trifft auch solche überraschenden Regie-Entscheidungen, die einfach besonders sind und die Serie so interessant machen.
Am emotional erschüttersten ist vielleicht die Szene, in der Adam (Adam Driver), die große Liebe von Hannah (Lena Dunham) seit Folge 1 quasi zurückkehrt, obwohl er eigentlich gerade mit Jessa (Jemima Kirke, einem der Girls) zusammen ist. Was natürlich sehr schmerzhaft für Hannah war/ist. Hannah selbst ist schwanger von einem Urlaubsflirt, mit dem sie natürlich keine Zukunft plant, sie will das Baby aber behalten. Und Adam bietet ihr an, sich um sie und das Kind zu kümmern, weil eigentlich gehören sie – er und Hannah – zusammen, so seine Erkenntnis. Und natürlich ist der Reflex der Zuseher hier: Ah endlich!
Hannah und Adam verbringen einen gemeinsamen Tag von Wiedersehens-Sex bis Shopping von Babyutensilien, doch dazwischen merkt man immer durch nur ganz subtile Kleinigkeiten, dass irgendwas nicht passt. Etwas liegt in der Luft. Als sie schließlich am Abend essen gehen und Adam laut nachdenkt, wo sie denn nun gemeinsam hinziehen werden, fängt Hannah zu weinen an. Und dann schauen sie sich nur an – beide spielen das extrem gut – sprechen kein Wort und trotzdem versteht jeder Zuschauer, dass die beiden gerade eine Erkenntnis darüber haben, dass es nicht funktionieren wird. Und dass ihre Beziehung endgültig vorbei ist. Quasi der Moment, in dem man das bekommt, was man immer erseht hat und merkt: Ich will es gar nicht mehr. Es ist zu viel passiert, über das nicht hinwegzukommen ist. Das betrifft hier speziell Hannah, habe ich zumindest das Gefühl, wie gesagt: Es wird kein Wort darüber gesprochen. Adam sagt nur schließlich: “What’s the rest of your night look like?” und damit ist klar, dass jeder nun seiner eigenen Wege geht. Das ist so schlicht, fast nebenbei, dass es eine ganz eigene Wirkung hat.
