almis personal blog

Kampf der PED

Montag nach dem Grand Finale setzt natürlich bald einmal die PED ein, die Post Eurovision Depression. Aber dagegen kann man einiges machen. Und mein Rezept dagegen ist immer Film und Literatur.

Seit einigen Tagen läuft ja das Cannes Filmfestivat und Uncut berichtet in seinem Cannes Schwerpunkt sehr informativ und kurzweilig darüber. Marie Kreutzers neuer Film Gentle Monster hatte eben Premiere, ebenso Almodovars Amarga Navidad, diesmal wieder mit spanischen Darstellern. Sandra Hüller, die ich als Darstellerin sehr mag, wurde anlässlich der Premiere von Vaterland gefragt, ob sich Deutsche wegen der Nazis immer noch schuldig fühlen (sollen) und sie sagte: “Yes, I feel the guilt every day. And also I never get bored of it, to feel the guilt because it’s necessary to act right.” Sich der Vegangenheit und Geschichte bewusst sein ja unbedingt, aber schuldig fühlen, für etwas, das 40 Jahre vor der eigenen Geburt stattgefunden hat? Weiß nicht, wem das irgendwas bringen soll, aber die Frage an sich war auch schon saublöd. Vielleicht sollte man in so einem Fall einfach sagen, auf so blöde Fragen antworte ich grundsätzlich nicht.

Ein anderer Uncut Kollege hat gerade die Odyssee zu lesen begonnen, weil im Sommer kommt natürlich Christopher Nolans Adaption dieses Werkes von Homer in die Kinos. Der Kollege meinte, es liest sich besser als erwartet, was ich toll finde, weil ich bin schon nach zwei Sätzen auf Wikipedia ein kleines bisschen überfordert und tue mir mit solchen Stoffen ehrlich gesagt schon ziemlich schwer. Aber ich habe mir auch bei Oppenheimer gedacht, wen außer Physikerinnen und Physiker soll das interessieren, was theoretische Physiker (weniger -innen) drei Stunden miteinander reden. Und dann wars ein ungeheuer spannender Blockbuster, weil das Nolan schon sehr gut kann, sperrige Stoffe publikumswirksam aufzubereiten.

Ich selbst lese tatsächlich gerade etwas anderes und das mit großer Freude, in Vorbereitung auf den Film Late Fame, der nächste Woche anscheinend ausschließlich im Gartenbau zu sehen sein wird. Late Fame beruht nämlich auf Arthur Schnitzlers Novelle Später Ruhm, ein Werk, das ich tatsächlich noch nicht kannte, herausgegeben von Wilhelm Hemecker, bei dem ich in den 1990er Jahren einige Seminare auf der Uni besuchte. Im Film wird die Handlung vom Wien der Jahrhundertwende ins New York der Gegenwart verlegt (spannend!) Der immer erfreulich weirde William Dafoe spielt die Hauptrolle von Eduard bzw. Ed Saxberger, der in seiner Jugend einen Gedichtband verfasst hat und quasi 50 Jahr später von einer Gruppe junger Literaten wiederentdeckt wird.

Es gehört zu meinen liebsten Beschäftigungen, mich mit solchen Querverbindungen Buch/Film zu beschäftigen, aber auch zum Beispiel Filme zu vergleichen, die denselben Stoff haben. Vor einigen Jahren habe ich mir alle möglichen Gefährliche Liebschaften Verfilmungen angesehen und danach so tolle Gespräche mit jemand geführt. Daran erinnere ich mich ur gerne.