almis personal blog

Michael

Es ist im Kino gerade ein bisschen Saure Gurken Zeit, wie immer nach den Oscars und bevor die Festivals beginnen, bei denen neue Filme vorgestellt werden. Aber ich habe mir zumindest kürzlich Michael angesehen, den Film über den manche sagen, Regie führten die Anwälte, aber formal war Antoine Fuqua der Regisseur.

Michael beleuchtet die Zeitspanne des Lebens von Jackson ab 1966, von seinen Anfängen bei den Jackson 5, bis hin zu seinen ersten Solokonzerten Ende der 1980er Jahre. Was auch den Vorteil hat, dass man sich zu späteren Kontroversen gar nicht erst nicht äußern muss….

SPOILER …NAJA, WENN MAN NICHTS ÜBER MICHAEL JACKSON WEISS

Das Genre Biopic ist eine Geschichte voller Missverständnisse harhar. Nein, ernsthaft, ich fände es toll, wenn jemand mal darüber eine Dissertation oder ähnliches schreiben würde. Muss der Anspruch an Wahrheit und Realitätsbezug erfüllt sein und geht das überhaupt? Sind Biopics entweder “Fanservice”, eine huldvolle Verbeugung oder eben umgekehrt knallharte Abrechnung und Abarbeitung an Menschen, die man verachtet? Meine diesbezüglichen Reflexionen über The Apprentice, das sich um Donald Trump und seinen Entdecker Roy Cohn dreht, wurden in den Wikipedia Artikel über diesen Film aufgenommen. Wahrscheinlich glaubt jetzt jeder, ich trage privat eine MAGA Kappe, harhar. Ich stehe dazu: Es ist genauso fad und uninteressant, einen Menschen eindimensional als eine Art Monster darzustellen wie umgekehrt eine unreflektierte Heldenverehrung. Worauf sich übrigens offenbar alle bei Michael einigen konnten – der Regisseur, der Jackson Clan, die Anwälte ist, dass Michaels Vater Joseph Jackson (dargestellt vom sonst sympathischen Coleman Domingo) ein ziemliches Arschloch war.

Man kann sich aber abseits aller Biopic Überlegungen fragen: Funktioniert der Film für mich, wenn ich diese Bezüge weglasse und so tue, als würde über eine fiktive Person berichtet werden? Und da muss ich sagen, schneidet Michael gar nicht schlecht ab. Audiovisuell ist er nämlich stellenweise beeindruckend und der Hauptdarsteller Jaafar Jackson, tatsächlich ein Neffe von Michael, ist überzeugend und vor allem tanzt er irrsinnig gut. Und ich habe ja schon eine kleine Schwäche für Tanzen im Film. Die Szene, in der das Making of Thriller geschildert wird, ist ein Highlight. Ich würde diese Choreografie auch sehr gerne mal gelernt bekommen.

Super ist auch die Szene, als Jackson mit dem CBS Records Chef (dargestellt von Mike Myers) darüber debattiert, warum MTV seine Videos nicht zeigt. Es ist nämlich wirklich wahr und tatsächlich erschreckend, dass noch in den 1980er Jahren keine Videos von schwarzen Musikern on air gingen. Erst als der CBS Boss ein Telefongespräch führt und MTV damit droht, alle seine anderen Stars wie Bruce Springsteen und Cyndi Lauper abzuziehen, lenkte man ein. Diesem Druckmittel verdankte Jackson (und alle schwarzen Künstler, die nach ihm kamen) seine MTV Präsenz. Dieser Moment ist auch ein schönes Beispiel dafür, wie manche Darsteller nur in einer einzigen Szene in Erscheinung treten, die aber so prägend für den Film ist, das genau diese im Gedächtnis bleibt. Und das sage ich mit der Bemerkung, dass ich Mike Myers während des Films tatsächlich überhaupt nicht erkannt habe.

Was ich an Michael nicht mochte ist der unnötige Einsatz von CGI. Bei den Konzertszenen ist es ja noch irgendwie halbwegs ok. Aber muss ich bitte einen CGI Affen generieren, wenn da draußen jede Menge echte Affen verfügbar sind? Gerade wenn Affen wirklich nicht die unkooperativsten Tiere sind, wenn es um die Interaktion mit Menschen geht. Und Bubbles hat ja in diesem Film nicht viel mehr zu tun, als von Jackson getragen zu werden und ein bisschen mit ihm zu spielen.

Insgesamt wahrscheinlich in gewisser Weise ein Märchen, ist Michael doch unterhaltsam und die Songs sind halt einfach super.