Australien, unser Lieblingsland in Europa, ist seit 2015 beim ESC dabei, also seit dem Songcontest aus der Wiener Stadthalle. Sie haben mit sehr gefälligem Pop begonnen und gleich einmal den fünften Platz belegt, sicher auch ein bisschen als “warm welcome” gemeint. Nach einigen Jahren hat das Land dann aber festgestellt, dass mit eingängigem Pop alleine kein Staat zu machen ist. Die Popera Künstlerin – jemand nannte sie ESC Prinzessin – Kate Miller-Heinke (plus Backgroundsängerinnen) wurde daraufhin auf einer meterhohen, herumschwingenden Stange platziert und dabei hat sie postnatale Depressionen besungen. Ja! will man Australien da zurufen, jetzt nähern wir uns der Sache an, harhar Erstaunlicherweise holte diese ikonische Performance “nur” den 9. Platz.
Danach wurde es etwas experimentell. Die Sängerin Montaigne konnte wegen den Reisebeschränkungen 2021 nicht nach Rotterdam und schickte ein Video, das nicht nachbearbeitet werden durfte. Sie bewies leider eindrucksvoll, dass dem tatsächlich so war, denn es klang ziemlich schief. Australien schied erstmals im Semifinale aus. 2022 hatten wir mit Sheldon Riley und Not the same die überfällige Selbstermächtigungshymne, während 2023 mit Voyager echt Spaß machte, inklusive Toyota M2 aus den 1980er Jahren auf der Bühne. Im Jahr darauf erinnerte sich Australien an seine Aborigines-Wurzeln und schickte das Lied One Milkali (One Blood) dessen Vibe war: Wir haben uns alle ur lieb, wir sind sind nonbinär und naturverbunden. Ja von mir aus, aber ein interessanter Song wäre mir lieber gewesen, harhar. Über letztes Jahr können wir gern den Mantel des Schweigens breiten.
Heuer ist Australien zurück mit der ganz großen Geste.Eclipse von dortigen Superstar Delta Goodrem, die auch, wie praktisch jeder, den man aus Australien kennt, in der Serie Neighbours mitgespielt hat, ist ohne Frage ein “perfekter” Song. Goodrem ist schön, braungebrannt, und barfuß, trägt im Video ein goldenes “Kleid” in der Wüste, singt super, sicherlich auch live. Aber obwohl Australien heuer tatsächlich zum Favoritenkreis für den Sieg gehört: Es ist schon auch ein bisschen zu poliert, zu wenig überraschend, da fehlen mir persönlich die Ecken und Kanten.
Der Song ist ein bisschen so wie ihr Kleid – da ist sie nicht nackt drunter, mit dementsprechendem Risiko, wenn der Wind geht harhar, sondern sie hat diese hautfarbene Stoffschicht eingezogen, damit nix schiefgeht. Das ist mir zu aseptisch und auf Sicherheit bedacht. Weniger wäre hier tatsächlich im doppelten Sinn besser gewesen.