Gibt es im Film Alles steht Kopf eigentlich auch das Gefühl Nervosität? Ich glaube, es gibt nur Angst, was etwas anderes ist.
Wenn man Angst hat, freut man sich nicht gleichzeitig auch, was bei Nervosität schon möglich ist. So geht es mir nämlich gerade.
Macht das Zugeben von Nervosität diese besser oder wird es im Gegenteil dadurch noch schlimmer? Da ich sowieso nicht wirklich cool sein kann, tendiere ich dazu, einfach authentisch aufgeregt zu sein. Aufregung ist übrigens ein schöneres Wort dafür, weil es die dazugehörige Freude auch irgendwie transportiert.
Generell mag ich es nicht, nervös oder aufgeregt zu sein, weil ich mich dann besonders verletzlich fühle und auch das Gefühl habe, nicht gleichzeitig mein bestes Selbst sein zu können. Aber genau das möchte ich gerade sein und deshalb haben wir hier einen 1A Teufelskreis.
Folgt mir gerne für weitere Selbstgespräche zu diesem Dilemma, harhar.
Jeden Abend höre ich Podcasts über Filme im Bett. Dann schlafe ich irgendwann ein und manchmal endet der Podcast und es ist Ruhe und manchmal springt Spotify zu irgendeinem anderen Podcast weiter, der dann vor sich hin murmelt.
Letztens bin ich aufgewacht und habe etwas über Politik gehört. Es war – wie ich dann festgestellt habe – der Ganz offen gesagtPodcast mit Fabio Polly, zum Thema “Demokratie in Gefahr”. Da hat u.a. Florian Scheuba geredet und einen Begriff verwendet, den ich vor der Coronazeit nicht gekannt habe, der da aber gang und gäbe war, nämlich das Wort “alternativlos”. Ich hasse dieses Wort seitdem und empfinde es als richtiges Unwort. Denn bei Corona waren ganz viele Dinge plötzlich “alternativlos”. Tatsächlich sind aber nur sehr wenige Dinge im Leben wirklich alternativlos oder wie mein Opa früher gesagt hat, wenn ich gemeint habe, ich muss dieses und jenes tun: “Müssen tut man sterben”.
Ja, der Tod ist tatsächlich alternativlos, aber praktisch alles andere ist es nicht. Und vor allem ist der Begriff ein absoluter Diskursstopper. Wenn ich ihn verwende, bedeutet das so viel wie: Da brauchen wir gar nicht weiter zu reden, da brauchen wir uns keine andere Perspektive anzuschauen, das ist so, weil ich das so sage. Scheuba hat auf die Frage Pollys, ob es politisch klug wäre, jemand anderem als der FPÖ den Regierungsbildungsauftrag zu geben gemeint, es wäre alternativlos.
Ich bin dann eine Stunde wachgelegen, weil ich mich über diese Haltung geärgert habe. Ich glaube nicht, dass sie uns als Menschen oder auch als Gesellschaft irgendwie weiterbringt.
In den letzten beiden Jahren ist im Gartrnumfeld immer wieder mal etwas vorgefallen, über das ich mich aufgeregt habe. Einmal war ich sogar richtig “mad” deswegen, wie das Kind sagen würde, inklusive hitziger Diskussion.
Am Wochenende hat mich jemand darauf hingewiesen, dass das wohl aktuell wieder der Fall wäre. Und ich habe geantwortet: Ja, ok.
Danach hab ich mir überlegt, ob es mir so geht wie in dem LCD Soundsystem Song namens Losing my edge. Dass ich jetzt einfach Dinge hinnehme, die mich früher sehr gestört haben. Aber tatsächlich bin ich im Garten gesessen und habe mir gedacht, jetzt ist halt eben einfach gerade wirklich ok. Davor war die Situation anders, ich war erschöpft und unzufrieden und ich musste es wohl über diese Sache “ausagieren”, wie der Laienpsychologe sagen würde. Jetzt denke ich mir lediglich: Vielleicht werde ich einmal ein ruhiges Gespräch darüber führen, wenn es sich ergibt.
Ich denke mir: Go with the flow. Es gibt viele Dinge, die gerade schön sind, schreiben und Kino, vorher ein Crossaint essen; The Fountainhead lesen (Seite 150, harhar) und Frühstücken gehen, Podcasts hören, hin und wieder Nachrichten von jemandem bekommen, bei dessen Name ich lächeln muss. Ich brauch gerade nicht mehr diskutieren.
Um Mitternacht habe ich mit dem Kind diskutiert, ob er jetzt schon 17 Jahre alt ist oder es erst um kurz nach 15 Uhr wird.
Ich musste daran denken, dass damals um ungefähr 14 Uhr – es war zu diesem Zeitpunkt, wie soll ich sagen, schon recht unangenehm und es waren unglaublich viele Leute da, Hebammen, Ärzte, Schwestern – gegen 14 Uhr jedenfalls säuselte Sting Fields of Gold aus dem CD-Player-Lautsprecher im Kreißsaal. Ich konnte mir nicht verkneifen zu bemerken: “Wie gut, dass ich Sting ohnehin schon hasse.” Irgendwer von den Anwesenden hat dann dankenswerterweise den CD-Player ausgeschaltet. Harhar.
Jetzt ist das Kind jedenfalls 17 und freut sich des Lebens.
Am Mittwoch hat das Kind Geburtstag. Sein letzter Geburtstag als Kind, nächstes Jahr ist er erwachsen.
Das ging jetzt irgendwie schnell und außerdem frage ich mich: War es das schon mit der Pubertät? Kommt da noch was? Bisher war das erstaunlich unspektakulär. Mir ist klar, das ist nicht überall so und ich weiß das auch sehr zu schätzen.
Natürlich ist er gern unterwegs. Er fährt am Wochenende um Mitternacht mit seinem Freund per Scooter auf den Kahlenberg und schickt Fotos davon. Eine Freundin hat mich daraufhin gefragt, ob ich mir da nicht Sorgen mache. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht so genau, wie ich das beantworten soll. Ich weiß, dass er geschickt und vorsichtig ist, das war er schon als kleines Kind mit seinem ersten Tretroller, obwohl er sonst in dieser Zeit ein Berserker war, harhar. Und ich weiß auch, dass trotzdem immer etwas passieren kann.
Ich habe Vertrauen. Das habe ich vielleicht auch ein bisschen auf der Intensivstation gelernt, vor 17 Jahren, da ging es gar nicht anders.
Manchmal muss nur eine Kleinigkeit passieren, man bekommt eine Nachricht und schon fühlt man sich zurück versetzt, an einen Samstagabend.
In ein kleines Zimmer, in diesen heimeligen, physisch und zugleich nicht-physischen Raum, wo wir uns alles erzählt haben, der geborgen und gleichzeitig aufregend war, wo ich auf eine gewisse Art ganz zuhause war. In dem ich von mir und meinem Leben sprechen konnte, mich verstanden gefühlt und wo ich so gerne zugehört, ganz neue Eindrücke bekommen habe. Das waren die besten Gespräche, die da im Dunkeln geführt wurden und die meiste Nähe, die man erleben konnte und das waren Stunden, die ich nicht vergessen werde.
Gerade an so einem kalt-grauen Tag immer wieder so schön, daran zu denken.
Jetzt hat sich ein Personenkomitee bemüßigt gefühlt, von den Nationalratsabgeordneten ein “Versprechen für die Republik” einzufordern, in der der jeweilige Adressat aufgefordert wird, nach der Wahl Ende September eine Koalition mit der FPÖ im Bund zu verhindern. Originellerweise warnt der Brief schon in den erste Zeilen vor “einer Phase nie dagewesener Polarisierungen”. Ja, dagegen hilft so ein Schreiben sicher enorm.
Ich finde, man muss kein FPÖ-Fan oder Wähler sein, um das bedenklich zu finden. Dazu muss man bei dieser Forderung nur die FPÖ durch eine andere Partei ersetzen. Wäre das dann auch legitim, wenn das jemand fordern würde? Oder würden nicht gerade die Menschen, die den vorliegenden Brief unterschrieben haben, darin einen gefährlichen und höchst undemokratischen Vorgang vermuten?
Harald Schmidt hat kürzlich nach einer Wahl in Deutschland gesagt: “Das sind Ergebnisse von freien, gleichen und geheimen Wahlen. Wenn ich das nicht will: Wahlen abschaffen oder Ergebnis vorher festlegen.“ So ist es.
Es gab auch wieder einmal ein neues Frühstückslokal zu erkunden, diesmal mit P. und zwar das Sperling im Augarten – wie immer unbezahlte Werbung.
Als ich hingefahren und dann eine Weile durch den schönen Park gegangen bin, dachte ich mir, ich bin eigentlich in einem Wien ohne Augarten aufgewachsen. Ich komme ja aus Favoriten und war manchmal in Grinzing, am Kahlenberg und in dieser Gegend, aber praktisch nie in Transdanubien oder auf der Mazzesinsel, wie sie mein Papa nannte, und auch nie im Augarten, der wurde nicht mal erwähnt. Das Wien, in dem ich aufgewachsen bin, war ein ganz anderes, man führte auch ein anderes Leben; ich finde den Gedanken immer faszinierend, wie viele verschiedene Leben man in einem führt.
Augarten am 3. September 2024
Jedenfalls kann man eben mit diversen Öffis zum Augarten fahren oder auch gleich mit dem Auto zum Lokal direkt, die haben einen eigenen Parkplatz, was P. gemacht hat.
Nachdem es so ein toller Spätsommertag war, sind wir im netten, aber auch unprätentiösen Gastgarten gesessen und es war richtig angenehm, von der Temperatur und auch so. Ich habe mich – wie eh sehr oft – für Eggs Benedict entschieden und auch die waren ideal, die Sauce Hollandaise war nämlich total leicht, dazu hervorragender Rohschinken, Pesto und Babyspinat. Wirklich sehr gut.
Eggs Benedict im Sperling
Wir haben darüber geredet, wie schnell das doch gegangen ist, mit den Söhnen, eben noch gemeinsam im Kindergarten und jetzt maturiert ihr Sohn dieses Jahr schon und will ausziehen. P. war damals meine Rettung aus einer gewissen Einsamkeit nach der Geburt des Kindes, ohne Anschluss an gleichaltrige Kinder, weil ja der Geburtsvorbereitungskurs ausfiel und das Babyschwimmen und Krabbelgruppe und einfach alles #ausGründen. P. packte uns immer alle in ihr Auto, navigierte den PKW mitsamt Kindergeschrei ganz cool durch den ärgsten Verkehr und dann landeten wir irgendwo. Zum Beispiel in Sparbach, wo wir einmal müde am Spielplatz saßen und ich zu ihr sage: Das ist jetzt die Rushhour des Lebens und irgendwann ist sie vorbei.
Na ja, bevor das zu philosophisch wird, hier das Sperling innen, auch total hübsch:
Nebenbei war das auch mein immerhin vorletzter Schulanfang, aber ich werde trotzdem auch darüberhinaus immer an den Schulanfang denken. #ausanderenGründen.
In den letzten Tagen war ich aufgrund von einigem organisatorischem Kram und dessen Komplikationen etwas unrund, so dass ich es selber schon als störend empfunden habe.
Ich habe dann dem Kind von unterwegs eine Whatsapp geschrieben, auf die Art sorry, aber ich bin gerade etwas überfordert und nervös und es tut mir leid, dass das gerade so ist. Daraufhin er: “Oida chill, ist doch alles gut.”
Und schickt mir das:
Harhar. Da musste ich schon lachen. Mein pragmatisches Kind.
Als ich dann in die Wohnung gekommen bin, fragte er mich: “Willst du mit dem Schwein kuscheln?” Na unbedingt! Und das hat natürlich auch geholfen.