almis personal blog

Backrooms

“Backrooms” ist ein Internetphänomen, das ich gerne erklären würde, aber selbst nicht ganz verstehe, harhar. Aber jemand hat wohl so um 2019 herum mal einen “Backroom” eines Möbelhauses in einem Forum gepostet und dieses Foto ging viral und andere Menschen konnten sich mit ihren Bildern von Backrooms beteiligen. Backrooms sind so eine Art Parllelwelt aus monotonen, ziemlich leeren Innenräumen, aus denen in weiterer Folge diverse Mythen und Games entstanden und jetzt aktuell auch der erste Spielfilm vom sehr jungen Regisseur Kane Parsons (geboren 2005!), der sich schon länger auf seinem youtube Kanal damit beschäftigt.

Kurz zum Plot des Films Backrooms. Clark (Chiwetel Ejiofor) der Inhaber eines etwas in die Jahre gekommenen Möbelhauses, in dem er aktuell auch wohnt, weil seine Frau ihn aus seinem eigenen Haus geworfen hat, und der deswegen auch gerade eine Therapie bei Mary (Renate Reinsve) macht, entdeckt eines nachts, als er sich gegen eine Wand lehnt und quasi aus der Realität rutscht (“no clipping” in der Internetsprache), dass es im Keller seines Geschäfts noch weitere Räume gibt….

ACHTUNG SPOILER MÖGLICH

Unfassbar gutes Filmplakat harhar

Nun ist Backrooms schon jetzt so ein enormer kommerzieller Erfolg, der erfolgreichste Film des aufstrebenden Hipster Filmstudios A24, dass man denken könnte, dieser Horrorfilm ist ein besonderer Crowdpleaser oder leicht konsumierbar. Dabei ist das Gegenteil ist der Fall. Backrooms enorm avantgardisisch, und kippt sehr oft ins skurill-groteske. Es gibt kaum blutrünstige Szenen und auch Verfolgungsjagden sind nur sehr dosiert eingesetzt. Dafür herrscht hier ganz viel subtile Creepyness. Meine persönliche Referenzgröße hier ist David Lynch. Es gibt eine Szene, wo, glaube ich jeder, der man Twin Peaks gesehen hat, sofort an diese Serie denken wird. Und das ist eine gute Sache, Twin Peaks war großartig.

Während Backrooms fühlt man sich unwohl und kann gar nicht so leicht erklären, wieso man so empfindet. Warum diese komisch verwinkelten senfgelben Räume mit den grauslichen Teppichböden und dem ganzen Klumpert, was da und dort herumkugelt, einen so nervös machen. Hier und da sind unmotiviert alte Sesseln zusammengestellt, es gibt Räume mit unordentlichen Haufen von Kleidungsstücken, es gibt Stop-Schilder und ab und zu Lautsprecher, aus denen verschiedene Sprachen unerständliches Zeug sprechen. Es gibt Schatten und undefinierbare Geräusche. Vor allem gibt es aber eine Menge Leere. Beleuchtet wird das ganze von flackernden und summenden Neonröhren.

Regisseur Parsons hätte uns 110 Minuten auch einfach nur durch diese Räume leiten können und es hätte wahrscheinlich auch funktioniert. Er hat sich aber doch für einen rudimentären Plot entschieden und ich bin froh darüber, weil er damit Empathie mit den beiden Protagonisten erzeugt und wir hier als Zuseher etwas mehr “mitzuleben” haben. Ich bin ihm aber gleichzeitig dankbar, dass dieser Plot nicht komplett auserzählt ist, weil das den Räumen wohl ein bisschen die Mystik oder Faszination genommen hätte (bitte keine zweiten Teil drehen!). Bei Clark und auch Mary – beide Oscarnominierte Schauspieler im nicht mehr jugendliche Alter wie die eigentliche Zielgruppe – kommen gewisse innere Dämonen zum Vorschein, die quasi ihre Entsprechung im Aufsuchen der unergründlichen Backrooms finden. Wenn man sehr forsch ist, kann man diesen Film auch als Kritik an Zersiedelung lesen – das Möbelhaus steht in einer Art Gewerbepark, der außerhalb der Öffnungszeiten nicht nur die Tristesse der Konsumgesellschaft vermittelt, sondern eben wie tot wirkt.

Ganz ehrlich: Ich mochte das erstaunlicherweise sehr.

Protipp: Am wirkungsvollsten ist dieser Film vielleicht im Burgkino, dessen Räumlichkeiten sehr viel Backrooms Charakter haben.

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