almis personal blog

Widmungen

Ich weiß schon lange, wem ich meinen Roman widmen werde, wenn er denn einmal fertig ist.

Bisher habe ich aber nie darüber nachgedacht, ob ich noch ein Zitat an den Anfang stellen möchte, wie bei meiner Doktorarbeit. Da habe ich über kranke Frauen und ihre Männer geschrieben und folgendes Zitat von Coldplay aus dem Song Clocks der vorangestellt: “Am I a part of the cure or am I a part of the disease?” Dachte mir immer, das Zitat ersetzt mindestens 20 Seiten Analyse harhar.

Na jedenfalls hab ich kürzlich wieder die Tante Jolesch von Friedrich Torberg gelesen, es gibt auch einen zweiten Teil, der mindestens so gut ist. Und da erzählt Torberg, dass er seinen Erstlingsroman Abschied. Geschichte einer ersten Liebe dem damals gefürchteten Literaturkritiker Ernst Polak mit der Bitte um Rückmeldung geschickt hat. Torberg hatte dem Roman ein Hölderlin Zitat vorangestellt und ihn seinem Freund Max Brod gewidmet. Als er nun Polak traf, erhielt er von diesem folgendes Urteil: “Der Titel”, hob Ernst Polak an, “ist nicht schlecht.” Er blätterte weiter und deutete auf das Hölderlin-Zitat. “Das hier ist sogar hervorragend. Hier” – er war bei der Widmung an Max Brod angelangt – “wird’s schon etwas schwächer. Und der Rest taugt überhaupt nichts.”1

Das ist eine meiner Lieblingsanektoden aus der Tante Jolesch und zeigt, dass sich selbst heute arrivierte Autoren mit vernichtenden Kritiken auseinandersetzen mussten.

Gestern hab ich dann jedenfalls nach langem wieder mal den Song Leaving New York von REM gehört, den ich sehr mag von dem ich mir aber denke, dass ihn viele vermutlichecht ur fad finden, weil in diesem Song kaum etwas passiert. Jedenfalls singt Michael Stipe da “It’s easier to leave than to be left behind”. Da dachte ich mir, das wär ein super Zitat für den Anfang. Auch und gerade, weil ich mir nicht sicher bin, ob das überhaupt stimmt.


1 Friedrich Torberg: Die Erben der Tante Jolesch. DTV, München 1981, S. 63.

Das Licht

Gestern habe ich mir im Cine Center Das Licht von Tom Tykwer angesehen.

In diesem 160-minütigen Film geht es um die linkswoke (harhar) Bobofamilie Engels und ihre Dysfunktionalität Die Familie besteht aus Vater Tim (Lars Eidinger), Mutter Milena (Nicolette Krebitz), den Zwillingen Jon und Frida, sowie Dio, einem dunkelhäutigen Jungen, dessen Präsenz erst sehr spät im Film erklärt wird. Mit dem Engagement der neuen Haushaltshilfe Farah (Tala Al-Deen) beginnen sich die Dynamiken bei den Engels zu verändern…

WIE ÜBLICH KÖNNEN SPOILER FOLGEN

Ein überlanger deutscher Film, der sich um eine ziemlich kaputte Familie dreht und in dem Lars Eidinger nackt zu sehen ist – kennen wir das nicht schon? Richtig, voriges Jahr gab es auch so einen Film, der hieß Sterben, Regie führte Matthias Glasner und ich mochte ihn, entgegen meiner damaligen Erwartungen, sehr.

Ich werde gleich verraten, dass es mir mit Das Licht nicht ganz so ging und das liegt vermutlich auch daran, dass ich diese Familie immer eher via interessierter Außensicht betrachtet habe. Ich konnte mich mit niemand dieser Menschen wirklich identifizieren, auch nicht mit ihrer Art zu leben. Ich habe die Beziehung von Tim und Milena nicht “verstanden”, ich würde als Mutter nie so mit meinen Kinder umgehen, als Jugendliche war ich aber auch nicht so drauf wie Frida, eher im Gegenteil. Es heißt, Tom Tykwer hat hier sehr viel autobiografisches eingeflochten, aber ich hoffe, das ist nur ein bisschen kokrett dahingesagt, weil diese Sprachlosigkeit untereinander, gepaart mit aber doch enormer Hybris und teilweise großem Sendungsbewusstsein nach außen, das hat mich schon etwas verstört.

Dieser Film hat trotzdem viele gute Momente. Beispielsweise gleich zu Anfang, als Tim mit seinem Freund (Karl Markovic) spricht, der gerade in einer Trennung nach 30 Jahre Ehe steckt. Und Tim dann so: Aber ihr habt doch alles überstanden, Kinder, Betrug, Langeweile, Wechseljahre. Und der Markovic Monolog zum Thema: Wie begrüßt dich deine Frau, wenn du nachhause kommst? Wie küsst sie dich? Küsst sie dich überhaupt etcetera. Super. Sowas gefällt mir.

Gefallen hat mir an das Licht auch vor allem sehr viel audiovisuelles. Beispielsweise, dass es wirklich immer regnet – außer in den Tagtraumsequenzen, die alle Figuren haben – und Eidinger mit einem überlangem Regenmantel auf dem Rad fährt, und immer völlig durchnässt überall ankommt und sich aber dann klitschnass zum Beispiel auf das Sofa seiner Therapeutin setzt. Gefallen haben mir auch die musicalhaften Szenen, etwa die eine, als Krebitz ein Outfit von Madonna in den 1980er Jahren trägt, so ein weißes Tüllkleid, kombiniert mit Converse. Wer die 80ziger erlebt hat, weiß was ich meine. Warum sie es trägt, weiß ich zwar nicht (weil die 80er besser waren?) aber es sah gut aus. Viel Raum nimmt der Queen Song Bohemian Rhapsody ein, der immer wieder vom kleinen Dio gesungen wird: “Is this the real life, is it just fantasy…”

Tykwer packt in diesen Film so viele große Themen, wie sie durchaus auch in Sterben vorhanden waren, aber trotzdem ist Sterben für mich wie im Flug vergangen, hier zieht es sich manchmal schon ein bisschen. Ich glaube, ein etwas radikalerer Schnitt hätte dem Film gut getan, vor allem bei der sehr metaphysischen Endsequenz, die nicht gehalten hat, was ich mir von ihr versprochen habe.

Dennoch: Tykwer hat hier sehr viel gewagt, einiges davon ist auch aufgegangen, ein inspierierendes Erlebnis ist Das Licht allemal.


P.S Noch eine Beobachtung: Das ist ein Film, den Menschen durchaus auch verlassen. Interessant fand ich, dass in meiner Vorstellung ein sehr junges Paar und ein älterer Mann gegangen sind, während wir “Mittelalten” gerade gelacht haben. Spannend.

Samstag

Heute schon um fünf Uhr früh hungrig aufgewacht. Habe dann aber noch bis halb neun weitergeschlafen.

Noch im Bett höre ich den Regen plätschern, man muss nichts unternehmen, herrlich. Harhar.

Ein langes Frühstück mit Kaffee und Toast und weichem Ei.

Danach gearbeitet. Ich werde es schaffen, bis Montag das aktuelle Projekt fertig zu machen. Dann habe ich wohl ein paar freie Tage, an denen ich am Roman weiterschreiben und neudeutsch Selfcare betreiben werde. Das bedeutet, meine Bücher- und Vapiano Gutscheine zu nutzen und mir ein paar Filme im Kino ansehen.

Marco Schreuder schickt eine Whatsapp und bittet mich um meine ESC Top 10 Wertung bis 11. April. Wer auch mitmachen will, hier entlang.

Ich kenne noch nicht alle Songs und höre mir heute den Beitrag von Luxemburg an. Wäre der Song La poupée monte le son ein Schauspieler, so hätte er kein Smartphone Face. Im Film bedeutet das, dass man Menschen für period pieces engagiert, deren Gesicht so aussieht, als hätte es noch kein Smartphone gesehen. Harhar. Und La poupée monte le son könnte 1:1 so in den 1990er Jahren gelaufen sein, so als hätte jemand den Song vor Erfindung des Internets, des Corona-Wahnsinns, Genderdingens und Co verfasst. Bei aller contemporary irrelavance – ich mag das irgendwie.

Weiter gearbeitet, meine Arbeit lektoriert. Mit dem Kind Koffer gepackt. Fotos vom Leihhund im Garten bekommen.

Videos von Felix (GNTM!) gesehen, der sich gerade in Berlin mit den Buddys von GNTM trifft.

Jetzt Zeitung lesen, ein paar Notizen machen, vielleicht etwas auf dem Arthouse-Channel anschauen.

Später wie jeden Abend vorm Einschlafen an jemand denken. Schlafen. Hoffen, dass sich die Uhren selbst umstellen.

Samstag Ende

ESC 25 Portugal

Sprechen wir über Portugal.

Portugal ist ja nicht unbedingt, wie soll ich sagen, das allererfolgreichste Land beim ESC, obwohl sie mit dem Festival da Canção einen offiziellen Vorentscheid haben, den es seit 1964 gibt. 2017 haben sie mit einem meiner ESC-Lieblingssiegerlieder das erste und einzige Mal gewonnen. Salvador Sobral hat da Amar Pelos Dois performt, ist komplett ohne Bühnenshow einfach nur im Raum gestanden und hat über seine Emotionen gesungen und damit alle Herzen erreicht und auch ein bisschen gebrochen. Dieser Song war sehr traurig – aus Portugal kommt ja der Fado – und eigenwillig. Und beide Attribute finden sich in den allermeisten der portugiesischen Songs, die praktisch immer in Landessprache vorgetragen werden und die sich dem Rest von Europa nicht unbedingt so leicht erschließen.

Im Merci Cherie Podcast sagte Moderatorin Sonja Riegel über das Festival: “Es war heuer sehr seltsam” und Marco Schreuder daraufhin: “Das Festival ist sowieso immer wie eine Abschlussklasse der Kunstakademie, die jetzt ihre Kunstprodukte vorstellen.” Harhar das ist so wahr. Und euch heuer ist es wieder ganz genau so!

Die Band NAPA singt in Deslocado darüber, dass sie endlich wieder aus der grauen Stadt zurück am Land, hier Madeira, bei ihren Müttern ist. Mir gefällt das irgendwie, gleichzeitig kenne ich mich in dem Song aber überhaupt gar nicht aus. Der Anfang klingt nicht wie ein Anfang, ich weiß weder genau, wo die Strophe aufhört, noch wo der Refrain beginnt, die Bridge bricht unvermutet ab. Generell nimmt dieser Song immer wieder einmal viel Schwung und in dem Moment, wo man denkt, ah jetzt hebt er endlich ab, bricht er komplett in sich zusammen.

Also insgesamt doch eher sperrig, wenn schon auch reizvoll, so als Fragment. Wird aber vermutlich bisschen schwierig, damit ins Finale zu kommen.

Für Immer Hier

Vorige Woche habe ich I’m Still Here gesehen. Sehr viel Taschentuch Geraschel im vollbesetzten Votivkino.

Ich habe eh schon mal geschrieben, dass ich den Titel immer wieder vergesse und nachschauen muss, weil es relativ viele Filme gibt, die ähnlich heißen, die Mockumentary von Casey Affleck hat sogar exakt diesen Titel. Der deutsche ist allerdings auch nicht wirklich einprägsamer. Aber der Film ist ja nach einem autobiografischen Roman gleichen Namens gedreht worden, dieser Name hat auch einen tieferen Sinn und diese Geschichte hat sich tatsächlich ereignet.

Rubens Pavia (Selton Mello) ist ein erfolgreicher Ingenieur, der mit seiner Frau Eunice (Fernanda Torres) und seinen fünf Kindern Anfang der 1970er Jahren in einer hübschen Villa in Rio de Janeiro gleich neben dem Strand lebt. Früher war Rubens Politiker und nach dem Militärputsch lebte er eine zeitlang im Exil. Nun ist er zurück und unterstützt weiterhin heimlich Verfolgte des Regimes. Diese Aktivitäten hält er weitgehend von seiner Familie, auch von seiner Frau geheim. Bis eines Abends bewaffnete Beamte der Regierung vor der Tür stehen und Rubens abführen…

SPOILER MÖGLICH – DIE GESCHICHTE ERZÄHLT EINE REALE BEGEBENHEIT

Die Familie Pavia, wie sie hier geschildert wird, ist fast zu sympathisch und glücklich. Im ersten Teil des Filmes können wir ihr weitgehend idyllisches Leben mitverfolgen, das sich vor allem in der Unbeschwertheit zeigt, mit denen die Kinder, gemeinsam mit ihren Freunden dauernd, vom Meer tropfend, im Haus aus- und ein gehen. Es ist immer etwas chaotisch, immer aber auch fröhlich-lebendig. Das Schlimmste, was in dieser Zeit passiert, ist, dass der herrenlose Hund, den die Kinder vom Strand mitgebracht habe, Flöhe hat und sie ihn baden müssen. Aber wie sie ihn baden, ist auch schon wieder total niedlich.

Rubens hat ein sehr enges Verhältnis zu seinen Kindern, immer, wenn sie nach Hause kommen, fragen sie sofort nach ihm. Er wird auch sehr empathisch dargestellt, was sich in vielen kleinen Gesten und Szenen äußert. Einmal haben sie Besuch und der Sohn Marcelo erzählt etwas, worauf Rubens sagt: “Er erzählt immer sehr lange und verwirrende Geschichten.” Und als Zuseher erwartet man dann irgendwie, dass Rubens ihn gleich etwas genervt stoppen wird, aber er sagt, ganz im Gegenteil: “Komm, erzähl uns eine deiner langen und verwirrenden Geschichten!”

Alles ist also superfein, doch die Gefahr lauert im Außen. Es mehren sich mysteriöse Verhaftungen bzw. Entführungen von Regimegegnern. Auch Rubens und Eunice machen sich Sorgen, vornehmlich aber um die älteste Tochter Vera, die gerade in ihrer “rebellischen Phase” ist, wie sie es nennen, und gegen alles protestiert. Sie schicken sie zum Studieren nach London, um sie aus der “Schusslinie” zu nehmen, was sich als sehr weitsichtige Entscheidung herausstellt. Dass sie selbst – Rubens, Eunice und auch die zweitälteste Eliana – abgeholt und in Haft genommen werden, kann damit allerdings nicht verhindert werden. Eliana kommt am nächsten Tag wieder nachhause, Eunice nach einigen Wochen in einem furchtbaren Gefängnis. Rubens hingegen bleibt verschwunden. Und schlimmer noch: Von den Behörden wird abgestritten, dass er überhaupt jemals verhaftet worden ist. Staatlich gestütztes Gaslighting also.

Morgen erzähle ich dann weiter – und gehe auch auf das sehr wichtige Thema “Loslassen” ein.

Neues Jahr

Gestern haben mich schon beim Wachwerden viele ganz liebe Nachrichten von meinen Freundinnen erwartet, die ich alle noch vor dem Aufstehen gelesen habe. Das war schön. Über den Tag kamen noch einige andere dazu. Sogar Freunde des Kinds haben mir gratuliert.

Ich habe gearbeitet, war einkaufen und auch gleich länger in der Sonne spazieren, ich habe Musik gehört und ein bisschen Podcast. Es gab dann Blumen, das Buch Accidentally Wes Anderson (harhar), etwas später auch Sekt und was vom Italiener, sowie Schokoladenkuchen.

Am Abend habe ich eine Nachricht von jemand bekommen, von dem ich sehr gehofft habe, dass er mir schreibt. Ich habe etwas zurückgeschrieben, was schon viel Mut gebraucht hat, aber ich wollte es sagen.

Danach war wieder einmal Germany’s Next Topmodell mit dem Fotografen, der ein bisschen ein “pain in the ass” ist. Leider musste Felix gehen, so knapp vor L.A. Trotzdem kann er stolz auf sich sein.

Schlussendlich gabs noch ein letztes Gläschen Sekt für mich und ich habe noch ein bisschen mit dem Kind Schmäh geführt, wie mein Opa gesagt hätte.

Dieses Jahr möchte ich mein Buch fertig schreiben. Es hat schon 72.000 Wörter. Das macht mich glücklich und das lässt mich die Dinge bewahren, die mir das allerwichtigste waren und sind.

ESC 25, Italien

Apropos Verletzlichkeit, für Italien tritt heuer Lucio Corsi beim ESC an. (was für eine Weltüberleitung! harhar)

Wir erinnern uns: Eigentlich hat Olly San Remo gewonnen, doch der will nicht zum ESC wegen seiner Karriere, also darf der Zweitplatzierte fahren und das ist eben Lucio Corsi, ein recht klassischer “Cantautore”. In den Top 5 von San Remo waren lauter männliche Interpreten, aber es ging absolut gar nicht “toxisch” zu, es wurde viel über Natur, Nostalgie und über die eigene Identität gesungen und Corsi betont in seinen Song Volevo essere un duro: “Ich wollte ein harter Typ sein”. Die Art der Formulierung verrät schon, dass er das aber nicht ist und sein durchsichtiges Top mit Federn und sein ganz weiß angemaltes Gesicht, unterstreichen dieses Eingeständnis noch.

In dem Song geht es eben darum, dass Corsi sich gegen die harte Welt draußen wappnen will. Am liebsten wäre er ein Sumoringer, ein Roboter, ein Dealer, ein Goldmedailliengewinner im Spucken (das find ich sehr originell), der König von Porta Portese – da musste ich googlen. “Porta Portese” ist ein sehr berühmter Flohmarkt in Rom. Naja, jedenfalls schlussfolgert Corsi dann, er sei eben kein harter Typ, er hat nur den weißen Gürtel in Judo und er sei “non sono nessuno – altro di Lucio”. Niemand – anderer als Lucio. Dieser I am what I am-Moment, beim ESC quasi systemimmanent, hat mich schon gerührt.

Generell ist der Song nicht unbedingt “wettbewerbstauglich”, sehr bescheiden und zurückgenommen, aber auch sehr sympathisch, ich mag ihn gerne!

Frohnatur

Ich erzähle dem Kind von einer Nachbarin, die eine Krise hat. Das Kind ist ganz überrascht und auch verwundert.

Ich so: Bitte, nicht jeder ist so eine Frohnatur wie du.

Das Kind: Du aber schon auch.

Das fand ich interessant. Würde ich mich selbst als Frohnatur bezeichnen? Sicher nicht auf so eine mühelose Art wie das Kind, der einfach fast immer gelassen und gut gelaunt ist. Oft denke ich mir, wäre er anders, hätte er seine Frühgeburt vielleicht gar nicht überlebt.

Es ist aber schon so, dass ich vieles mit Humor nehme, auch manches oder gerade das, was mich belastet. Das habe ich von meinem Opa. Wir haben es immer lustig gehabt. Sogar vom Krieg hat er die amüsanten Dinge erzählt. Über Leute, die sehr ernst und bitter waren, hat er immer gesagt: “Die gehen in den Keller lachen.” Wenn ich daran denke, muss ich grinsen.

Kommende Woche habe ich Geburtstag, das passt mir gerade gar nicht, weil ich merke, dass es mich verletzlich macht. Letztendlich versuche ich aber das Schöne vor Augen zu haben. Ich habe immer noch die Geburtstagsrosen von vor vier Jahren, von jemandem, der mir sehr viel bedeutet. Sie zu sehen tut mir jedesmal gut.

Also ja, wahrscheinlich bin ich doch auch eine Frohnatur, zumindest “kind of”.

Mickey 17

Bei Mickey 17, dem neuen Film von Bong Joon Ho, hatte ich von Anfang an ein recht ambivalentes Gefühl. Zwar fand ich den Vorgänger Parasite (wieder so schöne Erinnerungen), der auch als erster nicht-englischsprachiger Film den Oscar für den besten Film bekommen und damit Geschichte geschrieben hat, sehr gut. Aber das erste Filmplakat von Mickey 17 zeigte Robert Pattinson im Weltraum. Und ich bin weder ein großer Fan von Pattinson, noch mag ich den Handlungsort Weltraum, bad luck harhar. Dann verschob sich die Veröffentlichung auch noch endlos um Monate, fast Jahre. Naja, jetzt ist der Film da und es geht um folgendes:

Unter dem dikatorischen Führer Kenneth Marshall (Mark Ruffalo) soll ein neuer Planet namens Nifflheim besiedelt werden. Mickey Barnes (eben Pattinson), der vom Leben frustiert ist, meldet sich als “Expendable”, jemand, der für gefährliche Einsätze bei der Kolonisation verwendet wird. Wenn er stirbt, was ziemlich wahrscheinlich ist, wird ein Klon von ihm per 3D Drucker ausgespuckt und er beginnt ein neues Leben. Wie wir an der Zahl neben dem Namen sehen, gab es bisher schon etliche “Versionen”…

ACHTUNG SPOILER!! ACHTUNG SPOILER!!

Was für manche als wunderbare Sci Fi Prämisse erscheint (Sci Fi mag ich übrigens auch nicht besonders), führt bei mir eher zu Strinrunzeln, wobei ich zugeben muss, dass das Sterben und zu neuem Leben erwachen schon irgendwie interessant ist. Das Problem ist nur: Der Film erzählt uns nicht wirklich etwas darüber. Es ist wie bei diversen Filmen der letzten Zeit. Die Idee klingt gut – man denke zum Beispiel an Dream Scenario, da war die Grundidee, das Nicolas Cage in fremden Träumen auftaucht; oder bei Pfau, dass Albrecht Schuch durch Persönlichkeitsdienstleistungen seine eigene verliert. Wirkt superinteressant, ist aber nicht mehr als ein Köder, weil aus der Idee nichts gemacht ist – wobei Pfau zumindest recht witzig ist. Man verlässt dann aber mit eher schalem Gefühl das Kino. Eigentlich geht es bei Mickey 17 irgendwie auf recht patscherte Weise um (Anti)Rassismus und die Tücken der Kolonisation.

Es ist also so, dass nicht nur nichts aus der Idee der geklonen Wiedergeburt gemacht wird, die ganze Handlung ist gleichermaßen klamaukig wie auch langweilig und für mich auch extrem ärgerlich. Mark Ruffalo stellt nämlich den Diktator dar und natürlich legt er ihn als komplette Trump-Imitation an. Ich weiß nicht, ich finde es gibt im Jahr 2025 fast nichts faderes und auch fauleres als eine Persönlichkeit zu nehmen, die derart omnipräsent ist, dass man so übersättigt davon ist – egal ob man jetzt Trump schätzt oder verachtet – dass man einfach auch mal irgendetwas anderes sehen will. Aber klar, Ruffalo, den ich als Schauspieler an sich oft gern mochte, musste sich ja auch bei den Oscars immer irgendwelche “stand with” irgendwem Planketten aufs Revers heften. Wenn ich Bong Joon Ho wäre, hätte ich zu Ruffalo gesagt: “Bitte spielst jetzt einmal gscheit!” Harhar.

Jedenfalls war für mich das beste Element an Mickey 17 die irgendwie ekligen, aber auch süßen Aliens, “Creepers” genannt, vor allem der Baby Creeper. Nochmal: Das war das beste Element an diesem Film! Sage ich als Arthouse-affiner Mensch, wo Aliens ja eine eher untergeordnete Rolle spielen. Ja, auch Parasite war jetzt nicht unbedingt eine subtile und fein ziselierte Satire, aber der Film war bös-witzig, gespickt mit originellen Einfällen, mit interessanten Dialogen, starken Bildern. Mickey 17 ist plump, behäbig, dabei aber enorm selbstzufrieden und hat für mich leider auf gar keiner Ebene funktioniert.

Parallele Mütter

Ich habe endlich Parallele Mütter oder Parallel Mothers oder Madres Paralelas, wie es bei Almodovar im Original heißt, angeschaut. Der Film läuft derzeit im Gratiszeitraum auf dem Arthaus + Kanal von Prime (unbezahlte Werbung)

Ich habe ja praktisch alles von Pedro Almodovar gesehen, diesen Film aus dem Jahr 2022 aber noch nicht, und das lag natürlich einerseits daran, dass der gerade in einer noch Halbcoronazeit in den Kinos war bzw eben auch nicht war, andererseits aber auch, weil mir nicht verraten wurde, worum es in dem Film eigentlich geht, außer halt um zwei Mütter – eine sehr jung, eine schon eher älter – die gleichzeitig ihre Kinder bekommen. Irgendwie war der Trailer ungewöhnlich nichtssagend.

Nachdem ich den Film jetzt aber gesehen habe, ist mir klar, weshalb das so ist, weil nämlich Almodovar – und das ist normalerweise eher nicht so sein Ding – in diesem Film so derart viele Plottwists eingebaut hat, dass man nichts darüber sagen kann ohne halt alles zu verraten. Also deshalb jetzt von mir die Info: In Parallel Mothers geht es um die End-30erin Janis (Penelope Cruz), die gleichzeitig mit Ana (Milena Smit), noch nicht 18, in einem Madrider Krankenhaus ihr Kind bekommt. Beide Kinder sind Mädchen. Ende. Harhar.

ACHTUNG !! SPOILER !! ACHTUNG !!

Als Janis Arturo (Israel Elejalde) dem Vater des Kindes, mit dem sie eine unverbindliche Beziehung hat, das Baby zeigt, meint der, er glaubt nicht, dass das sein Kind ist, es sähe ihm nicht ähnlich. Es hat viel zu dunkle Haut für Spanier. Janis sagt, sie habe Vorfahren in Venezuela. Arturo verlangt einen Vaterschaftstest. Janis wirft ihm mit all dem typischen spanischen Temperament wütend aus der Wohnung, weil er ihr so etwas unterstellt. Kurz darauf bestellt sie sich einen DNA Test nachhause und macht ihn selbst. Und ich sitze so vorm TV und denk mir, wieso macht sie das, sie weiß ja, dass sie die Mutter ist. Ok, war nicht der Tag mit der schnellsten Auffassungsgabe bei mir harhar. Und auch die weiteren Twists habe ich oft nicht kommen sehen. Aber sie machen den Film halt extrem spannend.

Im Gegensatz zu seinem Vorgängerfilm Pain and Glory (vor der Coronazeit, den ich in wunderbarer Begleitung gesehen habe, da sind sie wieder, die Erinnerungen), in dem Männer – Antonio Banderas super hier – die Hauptrollen spielen, haben die Männer bei Parallel Mothers wieder einmal gar nichts zu sagen, im wahrsten Sinn des Wortes. Man könnte hier einen umgekehrten Bechdel Test machen. Der Bechdel Test besagt ja, wie viele Frauen kommen in einem Film vor, reden sie miteinander und reden sie über etwas anderes als über Männer. Ich glaube, hier reden niemals zwei Männer über irgendwas miteinander harhar.

Die Frauen sind es, die hier die Kontrolle haben und die Vergangenheit aufarbeiten wollen. Denn die große dramaturgische Klammer des Films ist es, dass Janis und ihre Großmutter ihren Urgroßvater, der während des spanischen Bürgerkriegs ermordet und in einem Massengrab am Rande ihres Heimatdorfes beigesetzt wurde, “finden” möchte. Janis möchte, dass er und andere Dorfbewohner, exhumiert werden (Arturo ist Archäologe), damit diese in den Familiengräbern bestattet werden können. Es geht in diesem Film also auch über die eigentliche Handlung hinaus ganz viel um Herkunft, Geschichte, Erinnerung und Traumata. Es wird wieder einmal deutlich, welch kompliziertes Gebilde “Familie” – die auch Wahlverwandtschaft sein kann – immer ist.

Nachdem ich erst vor kurzem The Room Next Door, den aktuellen, ersten englischsprachigen Film von Almodovar gesehen habe, der mir auch gut gefallen hat, habe ich aber nach diesem Film jetzt festgestellt, dass das da doch irgendwie etwas fehlt, wenn Almodovar mit nicht-Spaniern arbeitet.