almis personal blog

Matura, zwei

Heute war Englisch Matura.

Als ich das Kind um sieben weckte, meinte er, er schläft noch bis 7.15 Uhr. Treffpunkt in der Klasse 7.45 Uhr. Ich: Du willst ja auch noch zum Billa? Und er: Das geht sich leicht aus. Diese Nerven möchte ich mal haben, echt.

Um 16 Uhr werden die Aufgaben dann immer veröffentlicht und wir haben uns die Matura gemeinsam angesehen. Er hat mich gefragt, ob ich die Lückentexte probieren mag, mit laut vorlesen. Das klingt bei mir immer so wie wenn Toto Wolff Englisch redet, harhar, sorry, aber wir haben halt denselben Wiener Akzent. Das Vorlesen meinerseits war also sehr lustig. Prinzipiell muss ich aber vermerken, diese Lückentexte fand ich schon anspruchsvoll. Und bei den Listenings war mitunter die Musik lauter als die Sprecher, auch skurill.

Am Ende sagte ich so zum Kind: Also das war bisher eher anstrengend, wahrscheinlich wird Mathe auch ur schwer. Ich sollte Motivational Speaker werden, harhar. Er ist dann gleich verschwunden, um eine alte Mathematik Matura zu rechnen. Da kann ich leider nicht behilflich sein.

Und damit ist es für diese Woche dann auch geschafft.

Matura, eins

Der erste Maturatag ist geschafft.

Das Kind bekam gute Wünsche von meinen Freundinnen, sogar ein ur liebes Affirmationsvideo, eine andere Mama hier im Haus, deren Tochter heute ebenfalls gestartet ist, hat in aller Frühe geschrieben, ich dann natürlich auch, mir wurden Facebook Postings von Promi “Betroffenen” weitergeleitet, danke, das hat mich alles sehr gefreut.

Das Kind war null nervös, ich ja schon irgendwie. Wobei bei ihm eh in allen Fächern die 30 Prozent Regel greift, wo auf wundersame Weise die Halbjahresnote miteingerechnet wird und wenn die mindestens ein Befriedigend ist, dann muss man nur noch 30 Prozent positiv haben oder was weiß denn ich, das ist wie meine SVS Versicherungszahlungen, wie die auf diese Summen kommen, weiß ich auch nie, harhar.

Jedenfalls die Leute, denen ich schrieb, dass nur ich aufgeregt bin, antworten mir: Na das war ja klar. Ich mein, ich bin echt keine Glucke, mir ist vieles wirklich komplett wurscht, Noten sowieso, aber manchmal habe ich trotzdem so Anwandlungen, frei nach Walt Whitman: “I contradict myself, I contain multitudes.” Musste wieder einmal an jemand denken, der immer sagte, Gelassenheit ist am wichtigsten und das ist tatsächlich so, habe mich eh schon wieder erfangen.

Das Kind hat das Textpaket Erörterung und Leserbrief gewählt. Und ich, die so pro Interpretation ist und, die ich vollmundig behauptet habe, ich würde immer das nehmen, weil ich liebe das, tja, ich muss ehrlich sagen, die zwei Gedichte, die da zur Auswahl standen, puh. Hut ab, wer sich da drüber getraut hat.

Der Leserbrief war übrigens zum Thema “Sensitivity Reading”, und ich zum Kind: Nie gehört, was soll das sein? Turns out, es ist so eine Art Lektorat, das Bücher auf Stellen scannt, die irgendwen “aufregen” können. Ich: Das ist ja komplett dystopisch, das könnte direkt aus Fahrenheit 451 sein. Harhar. Die Brandrede dagegen hätte ich ja schon gerne geschrieben.

Jedenfalls dürfte es ganz gut gelaufen sein.

Letzter Schultag

So, heute ist tatsächlich der letzte Schultag gewesen, morgen nur noch Maturastreichtag. Etwas, das so Gen X-er wie ich nicht verstehen, aber das ist das Privileg der Jugend, das sie Dinge macht, die die Alten nicht kapieren müssen.

Was mich verwundert hat ist, dass die achte Klasse jetzt doch nicht soo easygoing war, wie ich nicht müde wurde das im Vorfeld zu prophezeihen. Betrifft jetzt nicht mein Kind, aber allgemein. Es haben nicht alle das Jahr geschafft, es gab doch einige Entscheidungs- und Nachprüfungen in allen möglichen Fächern, bis gestern noch.

Ich schreibe meiner Freundin: Bitte, das war doch bei uns nicht so, bei uns sind doch in der 8. alle durchgekommen.

Sie: Bei uns war aber keiner so schlecht, als dass es Thema gewesen wäre.

Ich: Doch, ich.

Harhar, na wirklich. Wie ich auch nicht müde werde zu erzählen. Mein Semesterzeugnis in der 8. Klasse war mein bestes Zeugnis des gesamten Gymnasiums. Und auf die Mathe Matura hatte ich einen Dreier, um einen Punkt den Zweier versäumt, was meine beste Mathenote seit der allerersten Schularbeit im Gymnasium war.

Ich weiß noch, als ich nach der Mathe-Matura die Schule verlassen habe und der Freund meiner Freundin, der beim Tor auf sie wartete, zu mir sagte: “Bitte das ist das erste Mal, dass du nach irgendeiner Art von Mathe-Prüfung glücklich aus der Schule kommst.” Klingt wie aus einem Christine Nöstlinger Roman, dieser Satz wurde aber tatsächlich gesagt.

Mein Kind hat bis dato (!) harhar keine Schulprobleme gehabt und dafür bin ich wirklich sehr dankbar.

Durchschaubar

Gestern sitze ich so am Sofa und schaue Guilty Pleasure mässig Germany‘s Next Topmodel, da kommt das Kind vorbei.

Ich so: Heute ist Umstyling, das ist die Lieblingsfolge von der Oma. Zwei Stunden Haare schneiden, Färben, Locken eindrehen, Haarverlängerung.

Das Kind so: Cool. Übrigens kann ich… (äußert eine Bitte)

Ich: Na okay, von mir aus.

Das Kind: Du bist gut drauf, weil du GNTM schaust, das hab ich ausgenutzt.

Ich bin so durchschaubar. Er könnte mich auch beim Schokolade essen fragen, wenn ich ins Kino gehe, wenn ich vom Kino heimkomme, wenn ich ein Klatschmagazin lese oder wenn ich in mein Notizbuch schreibe. Es gibt viele kleine Dinge, die mich froh machen.

Und da werde ich dann ganz lieb und nachgiebig und bin nicht so böse und streng wie sonst immer harhar.

Schon wieder Winter

Es schneit also wieder – so ging ich heute vom Gartenbaukino nachhause, wo ich die äußerst unterhaltsame Mockumentary mit Charlie xcx The Moment gesehen habe:

Schafsjacke komplett voller Schnee

Ich hab mich einerseits sehr über den Schnee gefreut, es ist schön im Dunklen bei Schneegestöber, ein bisschen magisch sogar, Gedanken an jemand, immer.

Andererseits war das Kind auf dem Weg mit dem Auto in Niederösterreich. Und dann ruft er mich unterwegs an, dass nichts geräumt ist und “arg zu fahren” (as predicted by me). Hurra, das hört man gerne. Nun ja, er darf lernen, bei diesen Verhältnissen zu fahren, wenn er schon muss, und ich darf lernen, dass er erwachsen ist und mit den Dingen klarkommt.

Habe trotzdem nervös gewartet bis er gut am Ziel war. Ich: Ich hab mir Sorgen gemacht. Er: Das war nicht notwendig. Oida. Aber das ist mein Kind. Harhar.

Fazit: Ich habe offenbar mehr zu lernen als er. Und ich kann jetzt wenigstens beruhigt schlafen, während es draußen weiter schneit.

Rudolfshügel

Heute war zu lesen, dass 37 Haltestellen in der Stadt Wien umbenannt werden. Und als ich so die Liste durchgehe, bleibe ich bei Raxstraße/Rudolfshügelgasse hängen. Weil Nostalgie.

Das Kind besuchte in St. Marx den Kindergarten und wir lebten damals noch in Favoriten, die Oma auch. So ein- bis zweimal die Woche fuhren wir nach dem Abholen zu ihr. Es war die Zeit, in der es keinen Südbahnhof mehr gab, aber auch keinen Hauptbahnhof, sondern nur eine riesige Baustelle. Dort stiegen wir immer in den O-Wagen um, dessen Endstadtion Raxstraße/Rudolfshügelgasse lautete. Übrigens eine außergewöhnliche Endstadion finde ich, mit einem besonderen Vibe – gleich nach den Sonntagen werde ich mich auch mit Straßenbahnstationen beschäftigen, harhar.

Das Kind war jedenfalls so drei und hielt während der ganzen Fahrt zur Oma nie still, turnte herum und sagte auf dem Weg auch immer etwas wie “Mudoshügi.” Nunja, Kinder entwerfen ja oft eigenwillige Wortkreationen und Mütter verstehen meistens, was sie damit meinen. Mudoshügi war mir aber monatelang ein Rätsel. Dieses Wort trat fast immer in Erscheinung, wenn wir zur Oma fuhren, ich konnte aber keinen Zusammenhang zu irgendwas erkennen. Einmal aber, als wir an der Haltestelle warteten, fuhr die Straßenbahn ein und das Kind zeigte mit dem Finger darauf und rief erfreut: “Mudoshügi”.

Und da dämmerte es mir letztendlich doch was er meinte, nämlich die Station Rudolfshügel, die immer als Endstation durchgesagt wurde. War später ein Running Gag für uns. Finde ich ein bisschen schade, dass es die Station jetzt nicht mehr gibt, auch wenn Abteilung #sinnlosesentimentalität

Mein älteres Ich

Sneak Peek: In meinem Roman beschreibe ich, wie die Protagonistin mit ihrem noch kleinen Kind im Museumsquartier sitzt und Eistee trinkt. Ur spannend, was? Harhar. Es war das erste Mal, dass diese kleine Kind länger als fünf Minuten irgendwo sitzengeblieben ist und die Protagonistin denkt sich, hach herrlich: “Unser Mama-Kind Beziehung löste sich für einige kurze Momente auf, ich musste nicht sagen, wo es langgeht und er musste nicht folgen oder sich auflehnen oder gelangweilt darüber gähnen oder wütend werden, je nach Laune und Anlass, wir konnten einfach nur sein, und uns voneinander erzählen und ich dachte plötzlich voller Sehnsucht daran, an mein und sein älteres Ich, es gefiel mir.”

In Wirklichkeit bin ich jetzt tatsächlich in dieser Situation des älteren Ichs und das Kind hatte heute einen Termin, bei dem ich in gewisser Weise mitreden sollte (es ging um seine Geburt). Wir haben uns bei der Schule getroffen, das Kind hat am Bahnhof gegessen und gegoogelt, dass gleich gegenüber dieses Termins eine Parkparage sei. Und so stieg er in die Straßenbahn – ich habe mich geweigert und musste auch noch Geld abheben – um das Auto zu holen. Wir machten aus, uns dann entlang der oberen alten Donau zu treffen.

Auf dem Weg dahin schreibt er, ich solle ihm meinen WhatsApp Standort schicken, ich schaffe das, noch dazu mit eiskalten Fingern, natürlich nicht. Er: “Dann mach ein Foto” harhar. Wie old school! Und dann steige ich also zu ihm ins Auto und wir fahren mit den üblichen Bemerkungen (“Da gehen Leute über die Staße” “Ja ich sehe es!!” harhar) durch Wien und hatten es ur lustig. Und dann geht es eben in diese Parkgarage und er kennt sich mit allem besser aus als ich und parkt professionell ein und da denke ich ja, jetzt bin ich diese Person, ich habe ein erwachsenes Kind, das Dinge macht, die ich nicht kann. Wie flashig!

Ich war direkt froh, dass er dann meinte, ob ich ihm bei diesem Termin ein bisschen unterstützen würde. harhar. Das erinnert mich daran, dass ich im Jahr 2007 und 2008 mehr Telefonnummern von Ärzten und Ärztinnen sowie Therapeutinnen in meinem Notizbuch hatte als sonst was. Aber das ist eine andere Geschichte.

So Mom

Apropos behilflich, heute erwartete das Kind Besuch und so habe ich Putztipps (naja…) gegeben, sprich: ich habe ihm mehrere Swiffer (unbezahlte Werbung) gereicht. Die sind aber wirklich sehr hilreich.

Wir haben jeden Winkel inspiziert, wo man vielleicht nicht ganz so häufig vorbeischaut.

Ich zum Kind: Bitte das ist ein Wahnsinn, da putzt man einmal drei, vier Jahre nicht und dann liegt da zentimeterhoch Staub.

Danach habe mich selbst sehr über diesen wunderbaren Gag amüsiert.

Später schickt mir das Kind so ein Insta Reel:

Und es ist (leider) so wahr. harhar.

Faust, vereinfacht

Das Kind musste sich diese Woche für ein viertes Fach entscheiden, in dem er zur mündlichen Matura antritt. Das war gar nicht so einfach.

Ich war natürlich gerne mit Tipps behilflich, harhar. Ich habe ihm von Deutsch vorgeschwärmt, wie toll das war. Nur zwei, die damals angetreten sind, naja nach der schriftlichen waren wir drei, und stundenlang über Faust reden, das Motiv der Kindermörderin in verschiedenen Texten verfolgen und 25 Bücher durfte man auch lesen. Ich bekam zur mündlichen Matura einen Auszug aus einem Schnitzler Stück, in dem ich die ganzen Subtexte markieren und analysieren sollte. Das war das Beste an der ganzen Schulzeit, harhar.

In Berlin wird derweil darüber geredet, dass deutsche Literatur zu schwer rezipierbar wär. Und ob man da echt noch Klassiker lesen soll. Oder lieber in einfacher Sprache. Oida! Anna Schneider, Journalistin der Welt und manchmal ähnlich wütend wie ich, dabei aber viel eloquenter, hat gesagt, damit reduzieren wir Literatur auf Zusammenfassungen und nehmen ihr das, was sie ausmacht, nämlich die persönliche Auseinandersetzung mit dem Text. Sicher kann das anstrengend sein, es bringt einen aber auch weiter. Schneider außerdem: “Wenn ein Lehrer jetzt sagt, na gut, lesen wir die einfache Version – es gibt keine einfache Version von Faust.” Harhar. Einfach nur richtig. Und ich würde noch ergänzen, man muss auch nicht immer alles bis ins Detail kapieren. Das bereitet einen gut aufs Leben vor, wo man später auch nie alles verstehen wird, was einem so widerfährt.

Das Kind nimmt jetzt aber doch ein anderes Fach, harhar.

Ausfahrt

Gestern habe ich die erste Ausfahrt mit dem Kind gemacht, sorry für den laufenden Autocontent, harhar. Gleich über die Tangente in den Garten.

Ich komme jetzt dazu, random süße Hunde auf Rückbänken zu fotografieren, die das Kind beim Fahren nebenbei auch noch entdeckt.

Wie niedlich! hihi

Natürlich habe ich zwei, drei (oder Jugendsprech sechs, sieben/ six, seven, aber so viele waren es wirklich nicht) Dinge angesprochen und das Kind so, ja das hat ihm schon sein Fahrlehrer gesagt, dass die Eltern immer dreinreden, vor allem die Mütter. Harhar, da besitzt einer Lebenserfahrung.

Es war natürlich eh nicht notwendig, er fährt wirklich gut, erstaunlich routiniert schon. Wir waren dann mit der Oma in der Pizzeria und im Garten Weihnachtskekse jausnen. Dann wieder zurück über die Autobahn und das Formel 1 Rennen geschaut, was aus unserer Sicht überraschend positiv verlaufen ist.

Also Fazit: Nach einem sehr schönen Traum einen guten Tag erlebt, an dem ich ganz auf die Sonntagsmelancholie vergessen habe beziehungsweise gar nicht dazu gekommen bin. Der Montag war dafür nicht so super – habe mich unter anderem mit heißem Nudelwasser verbrannt und bin erst nach Stunden wieder in der Lage schmerzfrei zu tippen- aber man kann nicht alles haben, nicht? Harhar.