almis personal blog

Bitteres Fest

Ein Jahr, in dem ein neuer Almodovar Film herauskommt ist ein gutes Jahr. Auch wenn die jeweiligen Filme unterschiedliche Grade an Brillianz aufweisen.

Heuer schenkt uns Pedro Bitteres Fest, einen Film, dessen Protagonist Raul (Leonardo Sbaraglia) ein berühmter Drehbuchautor, nach Jahren der fehlenden Inspiration, wieder schreibt. Er erzählt die Geschichte der ehemalige Filmemacherin Elsa (Barbara Lennie) die aufgrund von Erfolglosigkeit in die Werbebranche gewechselt ist. Ihr Verdienst ist gut, aber die Erfüllung fehlt ihr. Eines Tages beginnt Elsa, die noch um ihre Mutter trauert, ihr Umfeld als Inspiration zu erkennen und beginnt ein neues Drehbuch zu schreiben…

ACHTUNG SPOILER!!!

Klingt ein bisschen sperrig? Nun ja, Bitteres Fest ist – im Gegensatz zu Almodovar letztem, ziemlich straight erzählten (und ersten englischsprachigen) Werk The Room Next Door wieder ordentlich verschachtelt und voll von Subtexten, die aber dann nicht so mühelos und spielerisch ineinandergreifen, wie es im vorletzten Werk Parallele Mütter der Fall war. Aber das ist ja auch ein bisschen das Thema von Bitteres Fest, einen Autor zu zeigen, der Schwierigkeiten hat, einen kohärenten, mitreißenden und schlüssigen Text zustandezubringen. Form follows function sozusagen. Aber natürlich denkt man auch gleich an das wohl berühmteste (und IMO beste) Werk über einen scheiterenden Filmemacher – 8 1/2 von Federico Fellini. Fellini hat sich damals sehr überzeugend in den Surrealismus geflüchtet.

Bitteres Fest beginnt amüsant und reiht viele kleine interessante Szenen aneinander. Je länger der Film aber dauert, umso mehr sucht man den roten Faden, das sogenannte große Ganze. Hier wird so viel erzählt, das augenscheinlich wenig Einfluss auf die “Haupthandlung” hat, das hat mich, ich gebe es zu, ein bisschen nervös gemacht. Am besten zeigt sich das an der von Raul ausgedachten des Figur Bonifacio (Patrick Criado), dem Lebensgefährt von Elsa, Feuerwehrmann und zugleich Stripper – wir verfolgen eine ziemlich lange Szene in einem Club und erleben Bonifacio in “Aktion”. Doch nachdem Bonifacio in der ersten Hälfte des Films eine große Rolle gespielt hat, nicht zuletzt auch als emotionale Unterstützung für Elsa, verschwindet er plötzlich ohne weitere Erklärung und tritt nur noch als (lästiger) Anrufer und als Name auf ihrem Handy in Erscheinung.

In den letzten (und meines Erachtens besten) 20 Minuten des Filmes, in denen es um den Schreibprozess von Raul geht, wirft Rauls Assistentin Monica ihm genau das vor, dass er Bonifacio im Film wie eine Hauptfigur einführt und dann einfach auf ihn vergisst. Sie zieht Parallelen zu Rauls Lebensgefährten Santi, der immer für Raul da ist, aber irgendwann seine Aufmerksamkeit verloren hat. Das sei, so Monica weiter, ganz typisch für Raul, den Menschen nur eine gewisse Zeit interessieren, nämlich so lange, wie sie ihm nützlich sind: vor allem als Inspiration für Charaktere in seinen Werken. Ich gebe zu, da habe ich gelacht und mich auch ertappt gefühlt, weil ich mir eben die ganze Zeit über gedacht habe, wieso ist Bonifacio verschwunden. In einem herrlich amüsanten Moment der Selbsterkenntnis sagt Raul noch, es gäbe in seinem neuen Film zwei Szenen, wo die Musik die Zuseher einlullen soll und die Protagonisten dazu bringen, etwas in ihrem Leben zu ändern. Nachsatz: Das habe ich zwar schon in anderen Filmen gemacht, aber es funktioniert halt so gut. Harhar.

Fazit: Kein Hauptwerk von Almodovar, aber wenn man seine Art, zu denken und Filme zu machen, mag, wird man auch mit Bitteres Fest seine Freude haben.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *