Derzeit gibt es recht viel interessantes im Kino zu sehen, vorige Woche habe ich mir Vaterland, den neuen Film des polnischen Regisseurs Pawel Pawlikowski, angesehen.
In diesem Film geht es um eine Reise des Schriftstellers Thomas Mann (Hanns Zischler) durchs Nachkriegsdeutschland des Jahres 1949, die ihn gemeinsam mit seiner Tochter Erika (Sandra Hüller) zurück in seine Heimat führt, nachdem er 15 Jahre im Exil verbracht hat. Sowohl in Frankfurt am Main, das von den Westalliierten besetzt ist, als auch ein Weimar – dort sind die Sowjets – bekommt er den Goethe-Preis verliehen und soll Reden zum 200 Geburtstag des Dichters halten, gleichzeitig aber auch Stellung zu Deutschland beziehen.
SPOILER GIBT ES HIER NICHT WIRKLICH
Das klingt ja alles ziemlich interessant, gerade für eine Germanistin und die Bildsprache von Pawlikowski ist tatsächlich meisterhaft. Meisterhaft akademisch zumindest, hier ist alles sehr korrekt, sehr reglementiert, sehr akkurat, so als wollte Pawlikowski uns zeigen, wie Deutschland nach Kriegsende fast verzweifelt versucht, wieder eine neue Art von “Ordnung” zu schaffen. Dafür wird auch Thomas Mann gerne ja man kann sagen instrumentalisiert, er soll eine Rolle spielen, als moralische Instanz, die für ein neues Deutschland steht, die dem Land wieder eine Daseinsberechtigung gibt, geläutert und sich auf ihre alten Tugenden besinnend. Gleichzeitig zeigt uns Pawlikowski die Ambivalenz von Mann, der sich gar nicht mehr heimisch fühlt in diesem Deutschland, der außerdem zwar für das Wort steht, nicht aber für die Emotion. Und dem es letztendlich nicht einmal gelingt, in seiner eigenen Familie Harmonie oder zumindest Ausgleich zu schaffen.
Pawlikowski zeigt das exemplarisch am Suizid vom ältesten Sohn Thomas Manns, Klaus (August Diehl), der eine besonders enge Beziehung zu Erika hatte. Und hier hat der Regisseur einige künstlerische Freiheit walten lassen, denn der Tod von Klaus fand im wirklichen Leben bereits einige Zeit vor der Reise statt und die Reise hat Thomas tatsächlich gar nicht mit Erika, sondern mit seiner Ehefrau Katia unternommen. Ich finde solche eigenmächtigen Entscheidungen in einem Film, der so viel Authentizität vermitteln will und der so bekannte Personen porträtiert ehrlich gesagt immer ein bisschen schwierig. Und ein wenig habe ich auch den Eindruck, dass die Entscheidungen deswegen getroffen wurde, um dem Film irgendeine Art von Dramatik und Dringlichkeit zu geben, denn es passiert quasi sonst nichts.
Ich habe an sich kein Problem mit Filmen, in denen nichts besonderes passiert, wenn sie einen anderen Mehrwert haben, wenn sie Stimmungen vermitteln, Atmosphäre, wenn sie interessante Dialoge haben oder von Details leben, mir die Charaktere der Protagonistinnen und Protagonisten vermitteln. Doch hier bleibt einem alles fremd und seltsam auf Distanz, nicht nur dieses Nachkriegsdeutschland, auch die Manns. Pawlikowski macht also zwei breite Themenbereiche auf, holt aber aus beiden für mich ziemlich wenig heraus und das finde ich ein bisschen schade. Die Schauspielerinnen (wieder einmal Sandra Hüller!) und Schauspieler sind nämlich gut, aber sie bekommen ziemlich wenig zu tun.
Ich bin aber mit diesem Befund eher alleine, ich glaube, die meisten anderen Menschen konnten mit Vaterland mehr anfangen als ich.

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