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Gentle Monster

Worum geht es also genau? Die Musikerin Lucy (Lea Seydoux) ist mit ihrem Mann Philipp (Laurence Rupp) und Sohn Johnny kürzlich aufs Land, in ein Dorf in der Nähe von München gezogen. Philipp, der in der Filmbranche arbeitet, erholt sich von einem Burnout, doch das idyllische, naturnahe Leben wird je von einem Polizeieinsatz unterbrochen. Philipp muss den Beamten aufs Kommissariat folgen. Die entgeisterte Lucy versteht die Welt nicht mehr, als sie erfährt, wieso Philipp verhaftet wurde…

ACHTUNG MÖGLICHE SPOILER

Es tut mir leid, aber ich war von so vielen Dingen in diesem Film so enorm irritiert, die im Grunde gar nichts mit der Haupthandlung zu tun haben, dass es mir schwerfiel, wirklich in Gentle Monster einzutauchen.

Lucy ist Pianistin und Sängerin, aber ihr Fach ist nicht die Klassik, nein, sie tritt mit Popsongs der 1980er und frühen 90er Jahre in Konzertsälen auf und die konservativ gekleideten Menschen jubeln ihr zu. Ich mein, ich liebe Popmusik dieser Zeit, aber: Wie? Warum? Der Song, mit dem der Film eröffnet wird, ist Would I Lie to You von Charles und Eddie, den ich überhaupt nicht liebe, der mir schon 1992 extrem auf die Nerven gegangen ist und der hier irgendwie für mich die Funktion hat, uns darauf zu stoßen, dass in diesem Film hier irgendwer lügt, das aber bestreitet. Später singt sie Boys Don’t Cry, einen wesentlich bessern Song von The Cure. Und Pia Reiser sagte im fm4 Filmpodcast, über the Cure wurden circa 800 Feuilletontexte geschrieben und über Charles und Eddie keiner – ja, das hat auch einen Grund, harhar.

Zweitens hat mich dieses Sprachgemisch sehr gestört. Lucy ist Französin und spricht fast nur französisch, versteht aber recht viel auf deutsch, antwortet aber dann in der Muttersprache. Dazwischen sprechen die Leute auch noch englisch. Drittens sagt Philipps Mutter einmal über ihren Sohn: “Er arbeitet zuviel”. Lucy: “Er baut sich etwas auf.” Wir sehen Philipp im Film aber praktisch nie irgendwas arbeiten. Viertens: Lucy zieht mit Johnny vorübergehend zu ihrer Mutter (übrigens Catherine Deneuve). Eines Abends sitzen sie auf dem Sofa und Lucy legt sich der Mutter auf den Schoß und weint und die Mutter sagt: “Ich habe das Gefühl, hier stimmt etwas nicht.” Was? Nur weil die circa 40 jährige Tochter mit dem kleinen Enkelsohn auf einmal bei dir einzieht, wortkarg ist und irgendwann anfängt zu weinen, ist gleich was nicht in Ordnung? No shit, Sherlock. Fünftens: Wieso heißt der Sohn einer Französin und eines Altausseers ausgerechnet Johnny.

Ich weiß, das klingt alles total kleinkariert, aber ich habe mir hier mit ganz viel Details einfach schwer getan. Der Film an sich war für mich wie eine überlange Tatort-Folge, vermutlich kann man einen Film über so ein Thema auch nicht gänzlich anders drehen. Weil das alles auch irgendwie zu ernst ist, für irgendwelche Experimente. Gegen Ende wurde Gentle Monster für mich aber zugegebenermaßen doch noch interessanter, weil es gab eine Rückblende, die ein bisschen diesen Ermittlungs-Duktus unterbrach und der Moment, als Lucy herausfindet, dass Philipp sie angelogen hat, war wirklich spannend inszeniert.

Im fm4 Film Podcast haben mir zwei Aussagen von Marie Kreutzer sehr gut gefallen. 1.) Sie hat Laurence Rupp besetzt, weil er als Schauspieler und Mann nichts mysteriöses hat, man kann in ihn nichts Dunkles hineinlesen. Das wollte sie vermitteln, dass er eben nicht wie ein “Verbrecher” wirkt. 2.) Bei Lucy ist mir das besonders aufgefallen, dass sie im Film ein Kleid trägt, das eine Spur zu klein und kurz ist. Kreutzer meinte, die Kostümbildner wollen das ja immer vermeiden und eine Nummer größer kaufen, aber: “Wir tragen alle mal Sachen, die uns ein bisschen zu klein oder ein bisschen zu groß sind. Oder wir tragen auch einmal etwas, was uns eine Stylistin vermutlich nicht angezogen hätte. Das ist das Leben.” Das fand ich sehr sympathisch.

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