almis personal blog

Verlass die Stadt, vier

Heute sind wir zur “romantischsten Wiese der Welt” (c) Kärnten Werbung harhar gewandert.

Sie ist aber tatsächlich beeindruckend und nennt sich dementsprechend Märchenwiese. Sie liegt im Bodental, also quasi gleich bei unserem Quartier und hinter ihr ragt die Wertatscha empor. Und direkt dahinter ist Slowenien.

Die Märchenwiese, Nomen est Omen

Der Parkplatz, von dem aus man losgeht ist seit anscheinend kurzem kostenpflichtig. Man geht zum Wirt hinein, sagt wie lange man bleiben will, zahlt und bekommt zwar einen Zahlschein, den man zur Windschutzscheibe gibt, der allerdings ohne Zeitangabe auskommt. Irgendwie süß.

Der Weg hinauf wird von einer großen Kuhherde frequentiert, auch das ur süß, obwohl man sie natürlich eher meiden sollte.

Kuh im Gebirge

Aber ich liebe Kühe und so musste ich zumindest ein Foto machen.

Danach waren wir ur gut italienisch essen, beim besten Italiener der Welt (c) Almi harhar, Francobollo in St. Jakob im Rosental. Ich hatte gebackene Tintenfische.

Danach heim und chillen. Am späten Nachmittag hat es hier immerhin angenehme 24 Grad am Balkon.

Verlass die Stadt, zwei

Wo bin ich jetzt?

New York? Knapp daneben.

Das Dorf hat 80 Einwohner und nur über eine kurvige Bergstrasse erreichbar. Manche Mitreisende bauen schon gedanklich hier ein Haus in zehn Jahren.

Das könnte ich jetzt nicht, weil:

a) will ich nicht Autofahren

b) gibt es kein Kino in der Nähe

c) ist es mir auf Dauer zu frisch auf fast 1000 m Seehöhe und mitten im Gebirge. Ich friere schon in der Stadt dauernd.

Aber es ist wunderschön und ruhig und abgeschieden hier. Ein paar Tage tut das sehr gut.

Montag

Gestern habe ich das WM Finale geschaut und es war recht ereignislos, aber dank der Kommentare von Co Kommentator Andreas Herzog sehr unterhaltsam.

Herzog ging aufgeregt in das Match, er freue sich so auf das Finale, nach der Hälfte war er schon etwas desillusioniert und am Ende richtig sauer. Als der Moderator erklärte, wie viel Finaltickets kosten (viel) meinte Herzog so: “Dafür sieht man in 80 Minuten keinen einzigen Torschuss von den Argentiniern.” Und als der argentinische Spieler Leandro Paredes sich beim Schiedsrichter über eine Aktion eines spanischen Spielers aufregte, meinte Herzog so: “Selber ein Holzhacker vor dem Herrn und geht sich beschweren beim Schiedsrichter.” Und am Ende, als Paredes nach Abpfiff einen Gegner attakierte: “Schau dir den Vollidioten an” Harhar. Herrlich (siehe auch hier)

Nachdem meine Arbeits-Deadlines alle im August liegen, habe ich heute quasi schon den Urlaub begonnen und zwar am Naschmarkt. Die Odysee verfolgt mich:

Dezentes Plakat des Nolan Films

Ich habe mich mit einer Nachbarin zum Frühstücken getroffen. Im Haus sehen wir uns nämlich fast gar nicht mehr. Früher, als die Kinder noch klein waren, waren wir oft im Hof und unterwegs, quasi der Gang zur Bücherei mit vier Kindern als “der Tagesausflug”; aber das ist ja ziemlich lange her, ihre Tochter hat auch “mit” meinem Kind maturiert, also in der gleichen Schule. Wir haben uns im Orient Occident getroffen, wie eh immer.

Schöne Morgenstimmung am Naschmarkt

Wir haben echt lang geplaudert, quasi das erste Mal nach drei Stunden auf die Uhr geschaut. Das ist ja immer ein gutes Zeichen. Es ging um Kinder und Häuser am Land und Männer (hui!) und ich war sehr offen und habe gesagt, dass es jemand gibt, den ich vermisse. Es ist okay, es gehört zu mir.

Später ging es auch darum, dass wir froh sind, keine Babies oder Kleinkinder mehr zu haben. Da habe ich ein wirklich crazy Kompliment bekommen, sie meinte nämlich zu mir, sie könnte sich mich schon mit Baby vorstellen und ich ganz erstaunt: Wieso das? Und sie so, na du siehst so jung aus. Waaaas? Harhar. Aber danke.

Mediteranes Dings-Frühstück und mein klasisches Wiener Frühstück

Als wir gegangen sind, hat sie mich noch bis zum Schwedenplatz begleitet, ihr Rad schiebend. Das hat mich an etwas erinnert.

Tag mit Seifenblasen

Offiziell habe ich die Seifenblasen für die Kinder mitgenommen, die am Samstag bei uns zu Gast waren. Inoffziell wollte ich auch gerne wieder mal Seifenblasen machen.

Kunstfoto!

Gestern gab es also eine Party im Garten. Die letzte ist Jahre her. Gründe gibt es einige. Vor allem war ich lange mit mir nicht im Reinen und da steht einem der Sinn danach nicht, ich sag es ehrlich.

Dieses Jahr sollte es aber wieder ein Grillfest geben und bei der Terminfindung stellte sich heraus: Es gibt im ganzen Sommer 2026 genau ein Wochenende, an dem alle 14 Personen Zeit hatten, und das war dieses. Zuerst war die Wetterprognose eher durchwachsen, am Freitag dann noch das große Gewitter mit Sturm. Wir haben es trotzdem gewagt, und Samstag war es von 11 Uhr vormittags bis 21 Uhr, so lange dauerte es, wirklich angenehm warm und sonnig. Keine Spur von Regen.

Einer von zwei Tischen

Zuerst wurde ausgiebig allerlei gegrillt – die Klassiker, Würstel, Karree, Spare Ribs, Hendl, Spieße, Cevapcici am Schluss sogar eine Ananas!

Danach gabs noch Kuchen und Eis und Kaffee und dann waren die Kinder (und manche Väter, harhar) lange im Pool. Wir anderen haben über alles mögliche geplaudert, dazu war der Geschirrspüler im Dauerbetrieb und schließlich lagen sogar die Schleich-Tiere matt herum:

Dazwischen wurde “Hochstapler” gespielt und eine Drohe entwickelte sich zum Renner unter den kleineren Besuchern. Natürlich landete sie, nach Ansage von mir, zuerst mal im Nachbargarten (harhar), aber bald klappte das Starten, Steuern und Landen schon richtig gut.

Abends war eine Gästin lieberweise noch beim Billa (unbezahlte Werbung) und hat noch ein bisschen was zum Snacken besorgt. Wasser-, Honig- und Zuckermelone, Heidelbeeren, am Ende war nichts mehr übrig.

Machst du das Foto für den Blog? Ja!

Etwas später wurde noch die Leuchtpilze angemacht und kurz bevor die Gelsen einfielen, sagten die letzten Gäste auf Wiedersehen.

Sehr schön war das.

Donnerstag

Seit gestern ist das Kind ein Student. Wir haben uns ja früher noch um sieben Uhr mit hunderten anderen Menschen in irgendwelchen Gängen gedrängelt und sind fast ohnmächtig geworden. Heute gibt es timeslots.

Wie auch immer, heute Vormittag hab ich was fertig gearbeitet und mich dann in die Wiener Verkehrshölle begeben, genauer gesagt habe ich auf der Mariahilferstraße ein Buch abgeholt und bin beim schönen Museumsqartier vorbei gekommen.

Dann die ganze Mariahilferstrasse hinauf, zum Westbahnhof und dann weiter in den Garten. Dort gab’s im Lokal ein leichtes Sommergericht.

Ich bereue nichts.

Danach ein neues Buch angefangen und abgesehen davon, dass es mit einem riesigen Fehler beginnt – die Protagonistin spricht davon, dass Carola mit Främling 1983 den ESC gewonnen hat; das ist falsch. Carola wurde Dritte. Gewonnen hat sie 1991 in Rom mit Fangad av en stormwind. Mir unbegreiflich, wie das einfach keinem Lektor aufgefallen ist harhar. Also abgesehen davon ist es richtig toll.

Und dann hatte ich ja eine Karte für die Odyssee reserviert; aber stattdessen:

Ich bereue nichts.

Wertvoller Hinweis

Heute wurde mir beim Frühstück auf Facebook ein Video der Wir sind Helden Sängerin Judith Holofernes angezeigt, das ich mir beim Kaffee trinken angeschaut habe. Und ich habe mir gedacht, ich finde es gleichermaßen eigenartig, wenn Menschen immer so tun als hätten sie permanent das allerbeste Leben, aber auch gleichzeitig das Gegenteil: wenn so überreagiert wird und Dinge beklagt werden, die – let’s face it – so dramatisch auch nicht sind.

Holofernes hat ein Video aufgenommen, in dem sie beklagt, wie schwer ihr Reisen fällt. Also die Planung, alles berücksichtigen, auf jeden Teilnehmer Rücksicht nehmen, einfach an alles zu denken etcetera. Und ich verstehe das an sich eh recht gut, obwohl ich diesen Sommer auch wegfahre und mich sehr darauf freue. Aber große Reisen, wo man vielleicht auch noch in ein Flugzeug steigen muss (harhar) und sehr viel koordinieren, das finde ich auch eher anstrengend. Ich habe Menschen in meiner timeline, die gefühlt von Anfang Juli bis Ende August unterwegs sind und ich mag es zwar, deren Fotos anzusehen, aber für mich wäre es Horror pur. Oder wie Fran Lebowitz sagt: “I find real life challenging enough.”

Wenn Holofernes übers Reisen spricht, nehme ich extremen Stress und Überforderung wahr. Da denke ich mir dann wieder: Bitte reg dich ab. Du musst nicht den Nahost-Konflikt lösen. Du musst nur auf Urlaub fahren. Oder eben auch nicht, wenn du keinen Bock hast. Das soll jetzt nicht ur überheblich klingen, a la: Anderswo leben Menschen im Krieg, und du regst dich über so einen Schmarrn auf, nein (da hätten wir vergleichsweise alle keine Probleme). Aber meiner Erfahrung tut es schon gut, sein aktuelles Elend ab und zu mal einem gewissen Realitycheck zu unterziehen. Und vor allem zu schauen: Was rede ich mir vielleicht ein tun zu müssen, was mir im Grunde aber überhaupt nicht (mehr) entspricht? Und warum tue ich das dann überhaupt (noch)? Oder aber: Es stresst mich zwar voll, aber ich liebe es so sehr, dass es das wert ist. Quasi ein Perspektivenwechsel.

Das war mein wertvoller Hinweis an Judith Holofernes, um den sie mich gar nicht gebeten hat. Harhar.

Mein langes Wochenende, zwei

Bezüglich des Buches, das man schreiben muss, wenn man es selbst braucht, aber nicht findet: so ging es mir bei der Frühgeburt auch. Da gab es ebenfalls nichts. Keine Erfahrungen, an die man anknüpfen hätte können. Zweiter Punkt: man kann sich die Dinge schon auch von der Seele schreiben, das ist nicht nur so daher gesagt.

Den Tag heute hat aber mit folgender, eher profanen Feststellung meiner Mutter begonnen: “Der Alfons Haider ist richtig fesch als Frau.” Ich: “Ich brauch zuerst einen Kaffee” Harhar. Es war ein Foto in der Sonntagszeitung und ja. Sie hat recht.

Dann weist mich die Filmapp letterboxd darauf hin, dass ich eintragen kann, in welchen verschiedenen Formaten ich The Odyssee sehe. Also ernsthaft, wie oft glaubt letterboxd, dass ich mir dieses 172 Minuten lange griechischen Epos anschauen werde?? Harhar.

Danach war ich spazieren, hab das ganzes erste Kapitel meines Textes umgeschrieben (bin schlecht bei Anfängen), habe ein neues Fliegengitter in meinem Zimmer angebracht (auch da bin ich schlecht.) Bin neugierig, ob das jemand anschauen kann, ohne zu lachen anzufangen. Glaube eher nicht.

Dann wieder geschrieben und geputzt und jetzt so:

Neuer Tisch, neuer Läufer, neue Pilzlampen harhar

Fühle mich ganz gut. Schreiben immer ein Glücklichmacher für mich.

Mittwoch

Das Kind hat die Aufnahmeprüfung geschafft und ist an seiner Wunschuni aufgenommen, hurra.

Ich war ja skeptisch. Nicht aus generellem Pessimismus – oder sagen wir nicht nur deswegen. Aber eine Aufnahmeprüfung, die ungefähr eine Woche nach dem letzten Maturatag stattfindet, ernsthaft? Also ob da irgendwer Zeit (oder auch Lust) hätte, sich vorzubereiten, zwischen den ganzen Abschlussfeiern und auch der Erschöpfung. Also welches Elternteil sagt dann: Ja schön und gut, aber du solltest jetzt mal was lernen. Also ich nicht, ich habe das eher als Versuch gesehen, man schaut es sich halt mal an. Nun hat es tatsächlich geklappt und ab Herbst wird studiert, echt arg. Ich freu mich sehr.

Zur Feier des Tages war ich im Vapiano mittagessen, allein weil er ist ja nicht da:

Spagetthi Carbonara, das ist heute die verbilligte Tagespasta, dazu Minzgetränk mhmm

Danach noch bei Thalia, um Bücherinhaltsangaben zu lesen, weil ich hab ja einen Gutschein (für ein anderes Buchgeschäft) und ich “muss” mir jetzt neue Bücher für den Sommer aussuchen.

Und unter anderem habe ich da die Odyssee, bekanntermaßen von Homer gefunden. Ein Reclamheft, das ich ich jetzt eigentlich schon lesen sollte, nachdem der dazugehörige Christopher Nolan Film nächste Woche Premiere hat. Aber ich konnte mich noch nicht dazu durchringen, auch heute wurde ich wieder nicht umgestimmt. Hier der Klappentext:

Sorry, da wird doch schon alles gespoilert bitte harhar.

Manche Floridsdorfer verstehen unter einer Odysee übrigens was anderes:

Aus der Zeitung “heute”

Finde mich da durchaus wieder, bin heute 14.000 Schritte gegangen, weil alles so umständlich ist. Naja, wenn das jetzt die nächsten 16 Monate so sein wird, bin ich am Ende zumindest richtig fit.

Ach ja und das Buch klingt gut:

Auf solche Titel falle ich grundsätzlich rein

Zusammengefasst war das ein sehr erfreulicher Tag.

Frühstück Goldener Papagei

An die (bzw. eher den) unvergesslichen Menschen – gut, dass er das sind, finde ich übrigens – habe ich natürlich auch besonders wieder am Freitag gedacht.

Mein erster Schulschluss ohne Schulkind im Haus. Trotzdem spüre ich diese besondere Stimmung, eben auch aus anderen Gründen. Zur Feier dieses Tages und dem Ende des Soziallebens meiner Begleitung für zwei Monate (Zitat, harhar) waren wir im Goldenen Papagei frühstücken. Dieses Lokal liegt auf der Praterstraße und es ist direkt gegenüber von Arthur Schnitzlers Geburtshaus, was ich da zum erstenmal bemerkte und so schließen sich wirklich alle Kreise.

Denn die Praterstraße ist einer der Schauplätze meines Langtextes und ein wirklich rein fiktionales Element in meiner “Autofiction”, weil ich die Straße so liebe, sie gleichzeitig aber überhaupt nicht verstehe, wie im Grunde genommen den ganzen zweiten Bezirk. Aber ich mag ja Dinge, die ich nicht so gut verstehe.

Jedenfalls war das Lokal als ich ankam eher nur eine Menge leerer Hipstertische und Sessel im Schatten, zwei Stunden später war es bummvoll und gemütlich. Die Kellerin hat sich gefreut, als wir zahlen wollten. Wir wurden dazu aber nicht gedrängt. Das Essen war wirklich sehr gut. Ich habe schon wieder Ei gegessen, wer könnte es ahnen, nämlich genauer gesagt Spiegelei im Burger Ban mit Speck und Salat. L. hatte Shasuka, was ich schon lange mal probieren wollte.

Alles an diesem Frühstück ist Hipster, ich mein, schaut euch die Orangensaftflaschen an

Durfte ich auch. Bin aber draufgekommen, dass ich ein Gewürz beim Shashuka nicht so mag. Na gut, weiß ich das jetzt auch.

So ein netter Ort:

Freue mich schon jetzt auf eine kurzzeitige Unterbrechung der Stilllegung des Soziallebens im Sommer, liebe L.